Indien – III

Vom 24.07.2010 bis 04.09.2010

Von Rajasthan nach Mumbai und zurück nach Deutschland

Heute verabschieden wir uns von Markus, wer weiss, wann und wo wir uns wieder treffen.
Ausgemacht ist, spätestens sehen wir uns wieder entweder in Deutschland oder in der Schweiz.

Also fahren wir los.

Von Udaipur fahren wir zunächst relativ ruhig gen Süden auf den nächsten Highway.
Anschliessend wird es wieder hektisch, wir müssen an den Städten Gandhinagar, der Hauptstadt des Verwaltungsbezirks Gujarat und an Ahmedabad, der viertgrößten Stadt Indiens mit an die
7 Mio. Einwohnern vorbei. Wobei diese beiden Städte schon ineinander übergehen.
Und umfahren? Die Slums sind riesig groß um die Stadt herum gewachsen. Wenn man da erstmal drin ist, kommt man kaum wieder ‚raus. Also bleiben wir auf dem Highway.
Irgendwann wird es wieder ruhiger und wir nehmen die Straße nach Rajkot.

Die Landschaft rundherum ist hässlich, flach, Baumwollfelder, Textilindustrie, Bauruinen, Fabriken als qualmende Dreckschleudern. Wellblechhütten und Zelte an den Straßenrändern mit Essenständen, Lädchen, kleine Reparatur“werkstätten“, die alle gleichzeitig die Wohnungen der Familien sind. Die Bambusbetten stehen sowieso an der Strasse.
Und hier will man Umweltschutz einführen? Sanitäre Zustände verbessern? Wo die Textilindustrie in diesem “Manchester der Welt“ der wichtigste Arbeitgeber ist? Und immer mehr Menschen hier herziehen? Hoffnungslos. Ausserdem werden ja die Fabrikerzeugnisse nach Europa z.B. exportiert und für fast umsonst mit „Kusshand“ angenommen, sind sie doch spottbillig zu verkaufen, z.B. bei C&A und KiK usw. Die Verdienstspanne ist immer noch riesig. Hier werden Jeans gefertigt. Dazu die Baumwolle angebaut, gewebt und gefärbt zu menschenunwürdigen Bedingungen. Und keiner aus den Industriestaaten wird kommen und sagen, dass sie die Jeans teurer verkaufen sollen um die Umweltbelastungen finanzieren zu können. Wir haben ja aus Umweltschutzgründen diese Fabriken aus Europa ausgelagert. Jetzt machen die Inder den Dreck und nun sind die Inder schuld.
Nicht wir! Nein, nein!
Da wird nur in klimatisierten Räumen bei Bio-Essen über die Abgase und die furchtbaren Zustände und ihre Folgen gewehklagt. Getan wird nie etwas dort, wo es wirklich wichtig ist. Für die Menschen dort nicht und für uns nicht. Diese verdreckte Luft zieht nämlich, z.B. aus Indien, um die ganze Welt und kommt zu uns zurück.

Fahren wir in diesem hektischen Bundesstaat Gujarat nach Rakjot weiter. Vorne sehen wir schon einen nächsten Stau. Sicher gibt es wieder eine größere Strassenkreuzung-da sind immer Staus.
Wir stehen gerade auf einer Brücke und warten dass es weiter geht. Vor uns und hinter uns LkW’s.
Auf einmal bekommt unsere Motorhaube Plissé-Falten.
‚Raus aus dem Auto, Knüppel gegriffen (unser Einbein-Fotostativ), nach hinten, dem Fahrer auf die Fensterscheibe geschlagen. Er ist eingeschlafen am Steuer oder die Bremse hat versagt oder beides. Er bremst erschrocken.
Auf jeden Fall ist das Kühlerrad hin, der Kühler läuft schön aus, die Batteriehalterung ist demoliert,
alles ist verschoben, der Motordeckel lässt sich nicht mehr schliessen. Na prima!
Wir knöpfen uns den Fahrer vor, der bekommt Prügel und ich nehme ihm die Papiere aus seiner Hemdentasche weg.

Polizei? Die kommt nicht wenn ein großes Transportunternehmen dahinter steht. Da sind die richtig taub auf beiden Ohren. Dann erzählt uns der vom Fahrer des LkW’s herbeigerufene Chef, dass eine Versicherung kein Problem sei. Die regelt das auch. Das stimmt, aber nur für Inder! Europäer werden in Indien definitiv nicht von einer indischen Versicherung versichert! Und wer eine Versicherung aufgeschwatzt bekam soll froh sein, dass es nicht ernst geworden ist-diese Versicherung gilt nicht für ein europäisches Auto!
Wir waren bei der Versicherung in einer großen Toyotawerkstatt.
Es stimmt, was sie uns sagen. Versichern geht nicht.

Die nagelneue Toyota-Werkstatt in der Nähe ist total überfordert. Sie haben kein Werkzeug! Sie haben keine Ahnung! Sie haben noch nie so ein Auto mit dem Lenkrad auf der „falschen“ Seite gesehen! Hier ist Linksverkehr und die Lenkräder rechts im Auto! Ja, wo gibt’s denn so ‚was? Sie haben nichts.

Durch göttliche Fügung hatten wir noch zwei rohe Eier im Auto. Mit zwei Eiweiß können wir unseren Kühler abdichten: Zwei mal reines Eiweiss verrühren, bisschen Wasser hinterher und immer den Motor laufen lassen. Dann restliches Wasser auffüllen (am besten aus der gekauften Wasserflasche) und weiter den Motor laufen lassen. Das Eiweiss verklebt die Risse im Kühler zuverlässig. Wohlgemerkt Risse, nicht Spalten!
Die Batterie war aus der Halterung gerutscht weil sich alles verbogen hatte. Wir konnten die „Kraftfahrzeugmechaniker“ gerade noch daran hindern, mit einem großen Hammer auf die Batterie mitsamt dem Klemmbügel zu schlagen! Die ganze Säure im Motorraum, Batterie kaputt. So richtig toll, das hätte uns gerade noch gefehlt!

Mit brachialer Gewalt ziehen die Leute in der Werkstatt mit einer Kuhkette, zwischen einem Pfeiler der Werkstatt und dem Kühler befestigt, zu dritt den Kühler etwas nach vorn damit sich das Lüfterrad wieder drehen kann. Wunderbarerweise ist die Klimaanlage noch in Ordnung, die Gaspatrone nicht zerbrochen.
Dann klopfen sie noch mit einem großen Gummihammer fest auf die Motorhaube damit sie nicht ganz so hoch steht. Mit Draht und Gurten befestigen wir sie dann selbst. Woher soll diese Werkstatt Draht oder Seilenden oder gar Gurte haben!?
Sie gaben ihr Bestes.
Auf das Auto können wir uns nun nicht mehr verlassen, Kühler gibt es keine zu kaufen, nur abenteuerliche Gebilde, die sich Kühler nennen.
Pisten wollen wir auch nicht mehr fahren. Wir wissen ja gar nicht, was noch alles lose oder angeknackst ist. Wenn so ein LkW von hinten schiebt, dann drückt der ganz langsam alles zusammen. Gott sei Dank ist die Kabine in Ordnung, hier hat sie definitiv ihre absolute Stabilität bewiesen! Keine einzige Delle zeigt sich, nichts ist verzogen! Die Kabinentüre hinten schliesst noch perfekt.
Wir setzen mit viel Theater durch, dass wir bei der Werkstatt übernachten können.

Uwe ist nun für alle Ewigkeiten von Indien bedient. Nicht nur der Verkehr, auch die Menschen, Ihr Verhalten anderen gegenüber, hier haben wir es wieder erlebt, haben meinem armen Mann den Rest gegeben. Übrigens hat der Fahrer seinen Führerschein nicht mehr zurück bekommen, auch nicht seinen Ausweis. Die Familie hat zwar darum gebeten, wir haben aber nicht mehr mit ihnen geredet. Das ist für ihn eine richtige Strafe. Vielleicht nutzt es später anderen Autofahrern, dass er trotz wahrscheinlicher Übermüdung doch versucht aufzupassen.
Das Leben in Indien ist brutal hart. Es leuchtet auch bei diesen Zuständen ein, dass so viele LkW morgens im Strassengraben liegen. Viele LkW-fahrer sitzen stundenlang im Freien während der Fahrt weil die Vorderfront wegen Unfällen, Rost usw. gar nicht mehr existiert. Die Leute haben keine Schuhe, z.T. nicht mal Badelatschen, sodass sie barfuss fahren. Sie sitzen auf Gartenstühlen weil die Fahrersitze total ruiniert sind.
Aber das ist uns eigentlich egal-UNSER Auto ist kaputt.

Es gibt für Uwe jetzt nur noch eins: weg aus Indien, ohne lange Strecken fahren zu müssen.

Ich bin sehr traurig, dass ich nun doch nicht mehr nach Kerala und zu den Tempeln an der Ostküste komme. Es geht aber nicht anders.
Wir beschliessen nach Mumbai zu fahren und dann nach Europa zu verschiffen.

Zweimal übernachten wir bei Tankstellen. Es ist ziemlich sauber und sehr ruhig, die Leute freundlich. Relativ früh fahren wir morgens los damit wir nicht gleich in den größten Verkehr kommen. Und da sehen wir sie nämlich alle im Strassengraben liegen: zig LkW’s, die noch nicht aufgeräumt wurden, die in der Nacht alle zu Schaden kamen. Sicher haben nicht alle überlebt. Man muss nur die Führerhäuser betrachten!
Die Inder sind da ziemlich schnell bei der Sache und nehmen sich von der Ladung, was sie brauchen. Die ist am schnellsten weggeräumt. Und ein Inder braucht alles, weil er nichts hat.
Dann werden bald die LkW weggeräumt sein. Vormittags ist dann wieder alles sauber auf-und weggeräumt. Kein Unfall hinterlässt am Tage Spuren.

Wir merken schon langsam, das wir Mumbai, dem alten Bombay, näher kommen.
Der Verkehr nimmt zu, rechts und links der Strassen stehen immer mehr Wellblechhütten, die dann übergehen in festere Häuser, Werkstätten, Läden, usw. Omnibushaltestellen sieht man langsam und es werden immer mehr Menschen. Menschen über Menschen.

Nach ca. fünf Stunden stehen wir am offiziellen Stadtrand von Mumbai im Stau!
Das ist die Stadt, zu der wir ursprünglich auf gar keinen Fall hin wollten.

Ca. 20 Mio. Menschen wohnen, pendeln, leben irgendwie in diesem Moloch.
Die einen leben hier überdurchschnittlich gut, die anderen wissen nicht, wie und ob sie am nächsten Tag überhaupt noch leben.
Millionen pendeln jeden Tag zur Arbeit: in die Verwaltungen, Industrien, in Handelshäuser, als Dienstleister. Was wohl die meisten sein dürften.
In „unserer“ Strasse kommen sie am frühen Morgen mit ihren Verkaufskarren angezogen. Kurz danach sind die Essens,-Getränke,-Zeitungs,-und Naschereien-Stände eröffnet. Einer am anderen und alle werden tagsüber von Kunden belagert.
Vor jedem Hochhaus sitzen mehrere watchman(ner), die morgens die Schicht wechseln. Jedes Hochhaus hat mehrere Fahrstühle, jeder Fahrstuhl hat Fahrstuhlführer, die einem den richtigen Knopf drücken. In den Büros gibt es überall Leute, die Tee machen und servieren, die Gäste bedienen und auch die Angestellten. VIELE Menschen müssen in Arbeit gebracht werden.
Und sie kommen alle jeden morgen vom Bahnhof. Unvorstellbar, was hier los ist.
Zig Sprachen und Dialekte werden gesprochen, viele können sich untereinander nur auf Englisch unterhalten. Selbst die ärmeren Inder sprechen Englisch.
Die meisten Inder hetzen durch die Gegend, haben nicht einmal mehr Zeit, neugierig nach uns zu schauen. Ständig wird man angerempelt, geschubst und wenn möglich auch mal auf die Strasse gedrängelt. Die breiten Bürgersteige sind proppenvoll. Wir haben das Gefühl, dass hier jeder ums Überleben kämpft.

An der Grenze von Nepal nach Indien trafen wir einen Deutschen mit seinem G-Modell, der öfter nach Indien und zurück verschifft. Er macht das immer alles mit der Spedition DB-Schenker in Mumbai und ist total zufrieden. Das also wird unsere erste Anlaufstelle in Mumbai werden. Mails sind auch schon hin und her gegangen.
Über Google hatten wir uns die Koordinaten heraus gesucht.
In einer Seitenstrasse bei einer Kirche können wir zur Toilette gehen und ruhig stehen. Parken dürfen wir hier auf dem großen leeren Parkplatz vor der Kirche natürlich nicht, Christen sind absolut unfreundlich in der Ferne. Das haben wir schon oft gemerkt.
Am nächsten Tag wühlen wir uns durch die nördliche Stadt in das relativ neue Industriegebiet in dem Schenker zu finden sein sollte.

Vor dem Haus, in einer Sackgasse voller Müll, können wir übernachten. Toilette und Duschen gibt’s bei den „watchmännern“. Nicht weit entfernt finden wir auch ein gutes Restaurant.
Letztendlich geht aber mit Schenker nichts zusammen. Sie sind sehr teuer und wollen uns nicht beim Verladen in den Container dabei haben. Das geht natürlich nicht, müssen doch wieder unsere Containerscheiben, wie schon auf dem Hinweg nach Malaysia, aufgezogen werden.
Damit kommen die hier sicher nicht zurecht. Nein.

Wir hatten noch eine andere indische Spedition gefunden, aber die erledigen die Verschiffungen inzwischen nicht mehr für Privatleute. Dabei waren sie per mail noch sehr erfreut über unsere Anfrage. Jetzt stehen wir im Büro, nun hat sich alles auf ein Mal geändert. Typisch Inder oder auch Asiate. Bloss nicht nein sagen, lieber irgendwelche Kopfstände machen, die sowieso nicht zum Ziel führen.

Aber man verweist uns an Wallenius Wilhelmsen, die ihre Büros direkt am Oval Maidan in Churchgate, im alten englischen Nobelviertel, haben. Paar mails gehen hin-und her.
Sie verschiffen, aber nicht im Container sondern nur auf Carlinern. Uns ist es recht, denn das wäre ja letztendlich unkomplizierter.
Wieder heisst es über google die Koordinaten suchen und los geht’s. Mal sehen, was sie uns erzählen, wenn wir erst mal da sind.

Ein mächtiges Gewühle empfängt uns im südlichen Teil von Mumbai. Gott sei Dank liegen hier wenigstens keine Kuhherden mehr auf den Strassen ‚rum!
Wir schauen schon mal nebenbei nach Stellplätzen und irgendwann kommen wir am Oval Maidan an. Vor der Tür von Wilhelmsen, ein Hochhaus, finden wir einen Parkplatz. Der Wächter vom benachbarten Haus hat unser Auto direkt vor der Nase. Die Strasse ist schön. Nachts sehr ruhig, sehr ordentlich (für Indien) und voller Bäume. Die Luft ist ziemlich gut in dieser Einbahnstrasse weil hier nicht so viele Autos fahren. Und am Strassenrand gibt es sehr hohe Bordsteinkanten, große Gullys und tiefe Rinnen. Sehr gut, denn wir haben immer noch Monsun und der Regen ist sehr, sehr heftig! Nach ein paar Tagen müssen wir um die Ecke in die nächste Strasse umziehen. Dort ist eine Strasse mit öffentlicher Parkerlaubnis am Strassenrand gegen Gebühr. Jetzt schein die Sonne auf unsere Paneele, auch sehr gut.
Wir stehen nahe dem Oval Maidan, einem alten Erholungsgebiet, mit Fußballfeldern, Cricketfeldern, Bänken und den Verbindungswegen zu den großen Bahnhöfen.
Tausende Inder pilgern morgens und abends über den Maidan. Wenn aber wieder ein richtiger Monsun-Regenguss kommt, dann steht das Wasser kniehoch. Nach einer Stunde ist der Spuk vorbei.

Wir verhandeln mit Wilhelmsen, der Preis ist 1400.-€ niedriger wie bei Schenker. Das Auto geht per RoRo auf einen chinesischen Carliner nach Bremerhaven.
Dazu braucht man in Mumbai angeblich einen extra Hafenagenten. Also geht es auch zu ihm noch, einem Inder. Viel Papierkram wird erledigt.
In unserer „Freizeit“, wenn wir nicht wieder zum Agenten oder zu Wilhelmsen müssen, ziehen wir durch Bombay. Die einen sagen Bombay, die anderen Mumbai, beide Bezeichnungen sind gleichwertig.
Es ist bis auf den furchtbaren Verkehr und Lärm recht schön hier in diesen noblen Stadtteilen.
Natürlich gehen wir zu der altehrwürdigen Viktoria Station, einem der weltgrößten Bahnhöfe, einem Kopfbahnhof. Hier fahren ca. 3,5 Mio. Menschen täglich mit über 1000 Zügen hin und her. Es ist der sog. Fernverkehrsbahnhof. Das Bahnhofsgebäude ist prächtig, sehr, sehr groß im viktorianischen Stil gebaut. Von einem britischen Architekten nach britischem Vorbild in London. Imposante Stahl-und Glaskonstruktionen überspannen die Bahnsteige. Über dem Haupteingang steht eine große kirchenartige Kuppel, gekrönt von einer Frauenskulptur, der „Lady of Progress“-der „Dame des Fortschritts“. Was sie sich da oben wohl so denkt? Oder hat sie schon aufgehört zu denken, ist sie schon zu lange in Indien?
Der innerstädtische Verkehr wird über die Churchgate Station abgewickelt. Ebenfalls ein Kopfbahnhof mit immensem Verkehrsaufkommen. Nicht weit von unserem „Stellplatz“.

Wir gehen zum Gateway of India, dem Wahrzeichen von Bombay. Es ist ein großes Prachttor, das zur Erinnerung an König Georg V. erbaut wurde und eigentlich für die großen Überseeschiffe als Landungspunkt gedacht war. Nachdem aber Indien dann keine britische Kolonie mehr war sondern selbständig wurde, kamen die großen Passagierüberseeschiffe nicht mehr. Dennoch ist es ein sehr schöner Platz.
Dahinter liegt das imposante First Class Hotel Taj Mahal Palace & Tower. Ein großes imposantes Gebäude aus einem totalen Stilgemisch an den viktorianischen Stil angelehnt. Arcadengesäumt, mit großen Fenstern, Balkonen, Türmchen, manches erinnert architektonisch an den Palast der Winde.
Im unteren Stock sind die Geschäfte einiger Nobelmarken untergebracht.
Das Hotel steht direkt an der Uferstrasse. Wer international von Bedeutung ist, steigt dort ab.

Wir ziehen rund um den Maidan, am Clock Tower vorbei, zum Obersten Gerichtshof, weiter zum
Flora Fountain. Es gibt in Bombay unzählbar viele verschiedene Geschäftsstrassen mit sehr guten bis marktähnlichen Geschäften. Nur zum berühmten Crawford Market haben wir es nicht mehr geschafft.
Beim YMCA bekommen wir ein Zimmer für 25€ inkl. indisches Frühstücks-und Abendbuffet.
Beinahe hätte das nicht geklappt weil wir unsere Pässe noch bei Wilhelmsen hatten. Kopien haben sie nicht anerkannt. Weder vom Pass noch vom Visum. Als wir dann immer noch da saßen haben sie eingesehen, dass sie mit dem Agenten telefonieren müssten. Er kam, hat dann alles bewiesen (Frachtpapiere, Kopien, Zollpapiere usw.) und wir durften in unser Zimmer. Es war schon längst nach 20°°.
Am nächsten Tag bringen wir unser Auto in den bewachten Hafen. Der Zoll war auch schon bald da, und wir erhalten das Carnet abgestempelt zurück.
Das hört sich hier recht locker an, die ganze Angelegenheit hat aber ein paar Tage und einige Anstrengung und Beharrlichkeit gebraucht.
Das Carnet ist nämlich das Heiligtum jeden Reisenden und das muss man zwingend in den Händen halten!
Dann muss man natürlich den Autoschlüssel beim Agenten lassen. Wir selbst durften letztendlich das Auto nicht aufs Schiff fahren, da keine fremden Personen in den stadtnahen Hafen dürfen. Unseren Kabinenschlüssel musste wir auch hergeben-oder es wird nicht verschifft.
Bezahlt war alles, was sollen wir machen.
Es war nichts in dem Sinne Wertvolles im Auto, das war schon längst in den Rucksäcken verstaut. Dennoch! Wir überlegen nicht lange, wir machen es.

Wir hoffen auf ein gütiges Schicksal für uns und unser Camionetta.

Nun können wir den Flug nach München buchen. Wir bekommen einen guten Preis und ruck zuck sind wir nach 2 Tagen von Mumbai weg und wieder einen Tag später in München gelandet.
Welch ein Unterschied!
In Mumbai, spät abends, auf dem Weg mit der Taxe zum Flughafen sehen wir, wie die Menschen auf den Bürgersteigen liegen mit den Füssen zur Strasse. Ein bei ein, aufgereiht wie Tote. Beliebt sind auch Bushaltestellen. Hier hat man in den Häuschen ein Dach über dem Kopf, manchmal sogar eine Bank oder liegt geschützt vor Ratten und Mäusen auf dem Dach. Hauseingänge, Unterführungen usw. sind alle voll belegt. Es sind die normalen Nachtlager der armen Bevölkerung und auch von denen, die sich das Pendeln in der Woche sparen und nur am Wochenende heim oder gar nur alle paar Wochen heimfahren.-
In Fürstenfeldbruck erwartet uns ein sauberes, weiches Bett, Dusche und Toilette, gutes Essen und Trinken an einem schön gedeckten Tisch mit Stühlen.

Nach vier Wochen holen wir in Bremerhaven unser Auto ab.
Natürlich mit Schwierigkeiten. Die Inder machen uns bis zum Schluss das Leben schwer.
Wir sollen ca. 400€ nachzahlen weil angeblich die angegebenen Maße vom Auto nicht korrekt waren. Das hätte man im Hafen von Mumbai dann beim Nachmessen festgestellt.
Aber nach einer Woche bekommen wir bzw. der Wilhelmsen-Agent in Bremerhaven die Freigabe. Wir lassen im Hafen ebenfalls noch nachmessen-man weiss ja nie.
Dann stellen wir fest, dass unsere Klappfahrräder fehlen, etwas Kleidung, eine Decke, Taschenlampe, kleiner Taschenrechner. Nun ja, was zu erwarten war, wenn die Inder den Schlüssel hatten. Aber es waren alles keine so wertvollen Sachen. Dass die Räder weg sind, stinkt uns aber doch.

Die Geschichte ist eigentlich noch nicht so ganz zu Ende.
In den vier Wochen zu Hause haben wir einen neuen Ford-Pick-up gekauft. Mit dem waren wir über Berlin nach Bremerhaven gefahren. Mit zwei Autos ging es weiter zu einem uns bekannten Betrieb der damals unsere Kabine umgebaut hatte. Dort wurde nun die Kabine vom alten auf den neuen Pick-up gesetzt.
Als das fertig war haben wir bei einem Autohändler, den wir natürlich vorher schon kontaktiert hatten wegen des Verkaufs, angerufen und er hat unseren guten treuen Toyota abgeholt.
Der Toyota wird wieder aufgemöbelt und dann verschifft nach Westafrika. Dort muss er noch viele Kilometer leisten und darf dort alt werden. Keine staatliche Kontrollstelle wird an ihm rummäkeln. Wenn ihm ‚was fehlt, wird es ohne mit der Wimper zu zucken irgendwie repariert.

Warum Ford und nicht wieder Toyota? Für den neuen Toyota ist unsere Kabine zu breit, d.h. sie passt nicht auf die Ladefläche.
Ab sofort fahren wir also mit einem Ford-Ranger als Basisfahrzeug umher.
Wohin der nächste Urlaub nach dem Winter hingeht erfahrt Ihr in unserem nächsten Reisebericht.

Wir wünschen Euch zunächst einen schönen Winter zu Hause, frohe Weihnachten und einen tollen Jahreswechsel von 2009 nach 2010.

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