Durch die Ukraine und Polen bis zur Grenze Polen/Deutschland bei Küstrin an der Oder

vom 05.09.2013 bis 26.09.2013

Nach unserer letzten Nacht in Russland, auf einem kleinen, gemütlichen Autostojanka mit leckerem Eis, frisch geernteten Äpfeln zum Verkauf und netten Leuten, kommen wir nun auf der Fernstrasse M3 zur Grenze in die Ukraine.

Erst muss man sich ordentlich einreihen, dann geht es langsam weiter, dabei wird viel geredet von Auto zu Auto, fast alle hier betreiben ihren Kleinhandel, sind aufgeschlossen, nett und hilfsbereit, einige sprechen sogar Deutsch. Beinahe wären wir nämlich auf die falsche Spur, die der Gewerbetreibenden, geraten. Das hätte Zeit gekostet, die müssen so richtig zum Zoll, alles zeigen, angeben usw. Aber man sagt uns Bescheid, langsam aber sicher kommen wir auf der richtigen, der grünen Spur, zur Immigration und zum Zoll und schon sind wir durch. Das gleiche Spiel auf der anderen Seite. Hier brauchen wir kein Visum, was das ganze Procedere in diesem Fall beschleunigt. An der Grenze kann man sich sogar am Kaffeeautomaten bedienen falls es etwas länger dauert.

Ukraine: wir holen ein paar Griwna (UAH), so heisst hier die Währung, aber wir können uns eigentlich nicht ‚dran gewöhnen, zumal die Aussprache verschieden ist: russisch, ukrainisch, usw. Übernachten werden wir auf dem erstbesten Truckstop bei „Dreckwetter“. Und weil einer von den LkW’s sein Aggregat nicht ausmachen kann in der Nacht, stehen wir kostenlos hier. Eigentlich doch recht freundlich, nicht? Und dennoch werden wir in dem Land nicht so richtig warm. Die Leute hier sind schon speziell, etwas derb, etwas muffig, desinteressiert? Wie sollen wir das bezeichnen?
Bemühen wir uns weiter, vielleicht wird’s ja noch.

Dann kommen wir schon nach Kiew. Der Stellplatz, etwas ausserhalb gelegen, existiert noch, die Duschen + Toiletten 5 Min. entfernt, am Eingang vom Platz hängt der Schlüssel, Internet gibt es auch. Und 20 Min. weiter durch den Park befinden sich die Metro M2 bis ins Zentrum, Bushaltestellen und ein paar Kioske, sowie ein kleiner Markt.
Im Park muss man höllisch aufpassen, weil dort manche Autos durch preschen als wären sie auf der Autobahn. Es regnet immer noch und ist so richtig „greislich“, wie der Bayer sagt. Dann kommt das Wochenende, kein Regen mehr und bei der nahe gelegenen Autorennstrecke steigt eine Party. Man hört es bis in die Nacht als wären sie nebenan, gegen 1°° Uhr wird es ruhig. Wenn es wenigstens Musik und kein „Baustellenkrach“ wäre! Uwe ist wieder einmal hocherfreut.

Wir machen uns am nächsten Tag, Sonntag, auf, Kiew zu erkunden. Mit der Metro, M2-Station Nr. 225, geht es bis zum Maidan. Vormittags ist noch alles „tot“ in der Stadt, sie erwacht später. Die Stadt ist ziemlich herunter gerissen, schmutzig, die Wände beschmiert aber die Graffiti-Sprayer müssen noch viel üben, das sieht man an jeder freien Mauerstelle, nur wenige sind wirklich toll.
Die Leute hier lachen nicht, reden nicht viel miteinander, haben auch für uns kein Lächeln übrig, maulen herum. Was ist denn hier bloß los?
Nur manche sind selig, heute, was morgen ist? Egal! Das sind die ‚zig Brautpaare, die in den Parks, vor den Klöstern und Kirchen oder gleich nach der Trauung vor der Kirche stehen und für die obligatorischen Braut-und Gruppenfotos der Hochzeitsgesellschaft posieren. Jedes Brautpaar schaut verklärt in die Kamera, bringt sich in den opulenten Brautkleidern und nagelneuen Anzügen in Positur. Das dauert! Kinder streuen Blumen. Da werden sich sicher einige in schwere Schulden gestürzt haben. Wir haben das Gefühl, ganz Kiew heiratet. Alle schauen aus, wie einem Journal für Brautmoden entsprungen. Alle perfekt! Dazu die tollen Brautautos, von Hummer-Edel-4×4 bis zum Edel-Oldtimer, normal bis gestretscht, original oder neu nachgebaut. Nein, es sind tatsächlich keine Modeaufnahmen, wie wir erst angenommen hatten. Eben der größte Tag im Leben. Einige finden das so schön, dass sie das öfter machen, mit anderen Männern oder anderen Frauen. Verrückt!
Wir schauen uns am Maidan um, der heute für Kfz. gesperrt ist und der irgendwie inzwischen total verbaut wirkt. Das liegt vielleicht auch daran, dass da eine Werbeveranstaltung für Skoda-Autos stattfindet, die sich hier sowieso keiner leisten kann, wenn die Bank nicht hilft. Tribüne, Lautsprecher, das ganze Event-Programm eben für Werbeveranstaltungen wird durchgezogen.

Konzentrieren wir uns nun auf die wichtigsten Kathedralen und Klöster:
Die Andreas-Kirche, deren Grundstein angeblich von dem Apostel Andreas gelegt wurde liegt mitten in Kiew oberhalb vom Andreas-Steig. Der verbreitet aber heute kein besonderes Flair: kalt, keine Saison, keine Leute, zu früh am Tage?

Die Sophien-Kathedrale schauen wir uns an, deren Vorbild die Hagia Sophia in Konstantinopel, jetzt Istanbul, ist. Sie war die Hauptkirche der alten „Kiewer Rus“, des mittelalterlichen, altrussischen Grossreichs. Die Bedeutung der Kathedrale ist vergleichbar mit dem Vatikan in Rom: Sie war Mittelpunkt damals für das kulturelle, kirchliche und politische Leben. Von hier aus wurde das Christentum weiter gen Osten verbreitet, die Kiewer Fürsten der RUS gekrönt, hier tagten die Volksversammlungen und die Macht der russischen Fürsten wurde von hier aus ebenfalls untermauert, weiter gefestigt und gen Osten getragen. Durch die Mongolen und dann durch die Krimtataren kam es zu ersten schweren Zerstörungen. Jetzt ist die Kathedrale ein absoluter Prachtbau mit wunderschönem Glockenturm. Die Mosaiken erinnern stark an die der Hagia Sophia. Weil sich die Moskauer und die Kiewer orthodoxen Patriarchen und die ukrainisch-katholischen Oberhäupter alle um die Kirche gestritten hatten, wurde sie zum Museum erklärt (lt. Wikipedia), ist nun ein UNESCO-Weltkulturerbe, in dem das Volk aber noch immer inbrünstig betet, Ikone ist Ikone.

Mehr oder weniger in Sichtweite liegt das St. Michaels-Kloster mit seiner ebenfalls überwältigenden Kathedrale. Sie ist ein in leuchtendem Blau und von goldenen Kuppeln gekürter Bau, einem mächtigen Glockenturm, die Mönche unterhalten eine bedeutende theologische Fakultät der Uni Kiew. Und die ebenfalls innerhalb der Klostermauern liegende kleine Kirche Johannes des Täufers ist sehr schön, aber heute geschlossen. Eine unheimliche Pracht empfängt uns, das muss man selbst gesehen haben.
Man muss auch bedenken, dass das ganze Kloster unter Stalin „geschleift“ wurde, viele Kunstgegenstände, Ikonen, Mosaiken und Reliquien, auch die Glocken wurden gerettet und an anderen Orten bewahrt. Nachdem die UDSSR sich aufgelöst hatte und die Ukraine selbständig war, hat man die Kathedrale wieder neu aufgebaut, alle ausgelagerte Kunst wieder zurück gebracht. Der Klosterbetrieb wurde wieder aufgenommen und die theologische Fakultät installiert. Jetzt gehört sie wieder zum ukrainisch-orthodoxen Patriarchat.

Und natürlich wollen wir zum Höhlenkloster, dessen Kathedrale nach dem Vorbild der St.Michael-Klosterkirche erbaut wurde. Wir fahren ein Stück mit der Metro und gehen dann oberhalb vom Dnjeper mit Panoramablick durch den Park zu dem oberen Höhlenkloster mit der Maria-Entschlafens-Kathedrale. Die goldenen Kuppeln sieht man schon von der Ferne.
Das ist eine herrliche Anlage, hier sind aber schon fast zu viele Leute unterwegs. Heute ist Sonntag. Die Leute gehen zum Beten, zum Schauen, zum Hochzeitsfotos machen, sie machen Ausflüge eben, schlendern durch die Parks, kaufen Souvenirs, gehen in die kleinen Museen.
Wir gehen zunächst in die sog. Obere Lawra, oder Petscherska Lawra, die mit der unteren Lawra, den Höhlen, das älteste Kloster der Kiewer Rus und eine der heiligsten Kirchen Russlands ist.
Es ist eine prachtvolle Anlage, vor allem von aussen. Innen gibt es nicht viel zu sehen.
Die Kathedrale wurde im zweiten Weltkrieg von der deutschen Besatzung auf Befehl des deutschen Reichskommisars gesprengt, nach dem Zusammenbruch der UDSSR ebenfalls wieder aufgebaut. Nun wollen wir zu dem von Mönchen wieder bewohnten unteren Höhlenkloster, der unteren Lawra.
Damit wird es aber leider nichts, es fängt an zu regnen, bei dem Wetter haben wir keine Lust mehr, morgen ist auch noch ein Tag. Alle Kirchen, Klöster, Kathedralen kosten Eintritt, sind aber auch sehr, sehr prachtvoll und gut erhalten bzw. neu aufgebaut.
Das Wetter wird einfach nicht besser und wir können uns noch immer nicht mit der Stadt anfreunden, obwohl die Kirchen überwältigend sind in ihrem Prunk. Sie sind sehr gut besucht. Etliche Pilgergruppen, viele draussen vom Land, viele Gruppen Kranke und Arme, ziehen mit Madonnen-Bildern und Fahnen, singend und betend um die Kirchen herum in Prozessionen, um dann im inneren einen Gottesdienst abzuhalten oder nur zu beten. Was sehr ärgerlich ist: immer heisst es „Fotografieren streng verboten!“ Nichteinmal gegen Bezahlung ist das möglich. Das ist sehr, sehr schade und frusted auch.
Touristen sind nur ganz wenige hier. Es ist wohl schon zu weit im Jahr.
Ein schönes Restaurant finden wir auch nicht wirklich zu annehmbaren Preisen, die besseren in der Innenstadt sind teurer noch wie München, und das bei den Löhnen hier. Das wollen wir nicht, wir sind ja keine Oligarchen.

Wetter schlecht, Stimmung „na, ja“, kleine Lebensmittelgeschäfte oder kleine Märkte haben wir auch nicht wirklich gefunden. Bisschen Markt gab’s nur an der Metro-Station, wo wir ein-bzw. ausgestiegen sind. Vielleicht ist es unter der Woche besser. Die Ukraine hat kein Geld! Oder die „oberen Zehntausend“ verbrauchen zu viel für sich. Kiew ist total ‚runter gekommen, dazu noch in den Aussenbezirken verdreckt, die Hauswände und Metro-Stationen besprüht, die Treppen kaputt und überall sieht man Bettler, Schwerbehinderte, denen nicht geholfen wird und die kein Geld haben, um sich selbst zu helfen. Das Elend schaut in Kiew aus jeder Ecke vor. Natürlich nicht im Zentrum.
Aber wir haben auch nie auf dem Land gesehen, dass die Frauen Gemüse verkaufen, Kartoffeln, selbst gesammelte Pilze z.B., um sich das Haushaltsgeld aufzubessern. Das gab’s in Russland, dann später auch in Polen, aber hier? Wir können leider niemanden fragen.
Im Gegensatz zu den Ukrainern waren die Russen viel lustiger, freundlicher, hilfsbereiter! Kleine Läden gab es in Russland überall oder auch kleine wilde Märkte mit Brot, Obst und Gemüse aus dem Garten, der Datsche.
Besprayte Wände haben wir nirgends gesehen in Russland, auch keine Bettler. Nicht in den Kleinstädten oder auf den Dörfern vor den Kirchen. Kaum in Moskau, Jekaterinburg, Irkutsk. Ist es dort streng verboten? Aber, wo sind sie? „Aufgesammelt“, aus der Stadt gebracht, in Heimen, bei ihren Familien? Wir wissen es nicht. Sagt einem ja auch niemand. Vielleicht gibt es ja keine mehr? Das ist eher unwahrscheinlich.

Wir beschliessen, nach 4 Übernachtungen in Kiew, weiter zu fahren.
Jetzt scheint bald die Sonne, und wir fahren die Hauptstrecke an ein paar Burgen vorbei nach dem ehemaligen Lemberg, dem heutigen Lviv. Die Landschaft ist flach, fast alles ist schon abgeerntet, die Strasse ist in Ordnung und übernachten werden wir auf den Truckstops oder auch auf russisch „Autostojankas“. Wir machen ja keinen Ukraine-Urlaub.

Zu den Burgen noch kurz: Bedeutende stehen östlich von Lemberg, sind wunderschön in ihrer Anlage, vor allem das Renaissance-Schloss von Pidhirtsi, aber das ist mehr oder weniger eine Ruine. Es ist der Geburtsort des polnischen Königs Jan III. Sobieski. Es tut einem weh, wenn man das so sieht. Obwohl sich die Ukrainer bemühen, alles zu erhalten und mit guten Ideen versuchen, etwas Eintrittsgeld zu ergattern, ist es ein Elend. Und was sieht man zwischen dieser morbiden Pracht? Natürlich Brautpaare zum Fototermin.
Wir stellen uns gerade vor, wie es wohl hier ausschauen würde, wäre es ein z.B. französisches Schloss. Gegenüber steht die große, mächtige Schlosskapelle. Zu stabil für einen Zusammenbruch aber die Natur hat schon das Kommando übernommen. Die gesamte Anlage ist eigentlich wunderschön. Wir sind aber nicht in Frankreich oder Deutschland sondern in der Ukraine.

Touristen sieht man kaum noch im Land. Weder in Kiew noch unterwegs nach Westen. In auf deutsch Lemberg, auf ukrainisch Lviv und auf russisch Lwow sind sie da und treffen einen mit voller Wucht. Natürlich, es ist nicht weit von Tschechien und nicht weit von Polen, da kommen sie mal für einen Kurztrip ‚rüber. Auch viele Deutsche. Hier wird ja auch sehr viel Deutsch gesprochen.

Ganz einfach finden wir per GPS unseren Stellplatz: An der Rennbahn, nicht weit von den Supermärkten Auchan und Praktiker entfernt. Hier fährt der Bus 3a ins Zentrum bis zur Oper. Das ist ausgesprochen praktisch.
Wir sind die einzigen Gäste an der Rennbahn. Im mittleren Rund grasen viele Pferde, die Bahn als solche ist ziemlich zugewachsen, wie ein wenig gepflügter Acker. Aber es soll hier tatsächlich noch Galopp-Rennen geben. Omnibusfahrer, die ihre Gäste in den Hotels abgeliefert haben, übernachten hier und andere Geschäftsreisende. Touristen sehen wir hier auch nicht. Wir dürfen hier duschen, es gibt Wasser, freies Internet, was wollen wir mehr.

Nach einem Bummel durch die nahegelegenen Supermärkte, einem Cafébesuch mit einem sehr teuren italienischen Eis für 1,50 €/Kugel kehren wir langsam zurück auf unseren Platz. Uns trifft fast der Schlag, Seabridge mit ca. 20 „Yoghurtbechern“ ist hier und hat uns eingekreist. Neben uns steht ein etwas anders geartetes Auto, ein uralter Mercedes-Bus, das gibt Hoffnung und aus dem anderen Nachbarauto kommt jemand und entschuldigt sich überschwänglich, dass „wir alle hier so „eingebrochen“ sind“!
Wir sind ja offen für alles und jeden und so lernen wir Dank Seabridge Susi und Sepp und Isolde und Karl-Heinz kennen. Das ist schön, wir haben viele gemeinsame Bekannte, waren schon in den gleichen Gebieten unterwegs auf Reisen und wollen Kontakt miteinander halten. Also, Seabridge-Reisen hat auch seine positiven Seiten und auch sehr nette Mitfahrer. Man sollte sie nicht „verdammen“, wie manche es tun, niemand muss mitfahren. Wie sagt man? „Jedem Tierchen sein Plaisirchen!“

Am nächsten Tag bleiben wir im Auto, das Wetter ist nicht so toll, Seabridge muss auf Besichtigungstour gehen-sie haben immer Termine, wir sind frei. So fahren wir bei gutem Wetter den nächsten Tag in die Stadt, ich sag mal zu Lviv Lemberg, das geht leichter über die Zunge.

Die Stadt ist schon in etlichen Bereichen sehr gut restauriert, mutet sehr österreichisch an. Wir kommen uns gar nicht mehr so „weit weg“ vor, das macht wohl der „habsburgische“ Baustil aus, den man in der Tschechei genauso findet wie hier in und um Lemberg, genauso wie in Ungarn und im südlichen Polen. Nicht umsonst gehört die Stadt zum Weltkulturerbe der UNESCO. Und natürlich streifen wir hier durch alle Gassen der Altstadt, gehen in die Kirchen ‚rein, auf den Markt, den Trödelmarkt, und, und, und. Ausserhalb der Altstadt gibt es keinen Touristen mehr, wir setzen uns zu den Leuten auf eine Parkbank und beobachten das Treiben rundherum.
Eines jedoch finden wir unmöglich: Der alte Rynok, d.h. der wunderschöne alte Marktplatz mit den renovierten alten Bürgerhäusern ist quasi nicht mehr zu besichtigen oder zu fotografieren! Überall „wuchern“ quasi Restaurants mit Sonnenschirmen aus den Häusern ‚raus auf die Plätze, ganze Reklamebänder für z.B. Schokolade haben komplette Häuser verhängt, bei jedem Foto in der Innenstadt musste man sich ärgern. Ausserdem war die Stadt überflutet von Touristen-Gruppen-uns hat es genervt, wahrscheinlich sind wir das nicht mehr gewöhnt gewesen.

Zur Entspannung haben wir ja unsere Rennbahn vor der Tür, wo die Pferde weiden, die Katzen herumschleichen, wir die Hunde füttern können und als Seabridge weiterfährt haben wir alles wieder für uns alleine.
Dennoch war es schön, dass die Truppe ankam, so haben wir liebe Leute aus der heimatlichen Umgebung kennen gelernt. Das wäre sonst sicher nie passiert, weil die auch ständig auf der ganzen Welt unterwegs sind.

Auch wir ziehen wieder weiter, als nächstes in das eigentlich recht schöne Städtchen Zhovkva oder auch Schowkwa, nicht weit entfernt von Lemberg. Da gibt es eine ganz alte kleine Holzkirche mit weit heruntergezogenem Dach. Zufällig kam jemand, hat aufgeschlossen und den Altar herausgeputzt. So konnten wir auch einen kurzen Blick hinein werfen. Normal ist sie ja geschlossen (auch Unesco Weltkulturerbe). In der Stadt selbst, eigentlich ein architektonisches Schmuckstück, schaut es traurig aus. Man hat eben nur sehr wenig Geld und das ist für die fundamentalen Dinge des Lebens wichtiger. Der Markt schaut schon recht ordentlich aus. Wir stellen uns immer vor, wie es glänzen würde, wäre mehr Geld zur Renovierung vorhanden. Die Leute sind recht ekelhaft, vor allem, als wir innen die Laurenzius-Kirche oder die alte Holzkirche am Stadteingang fotografieren wollten. Sofort wurde „gemotzt“. Irgendwie sind sie alle sehr „verbiestert“.

Wir entscheiden uns, hier nicht mehr zu übernachten und fahren weiter zur nahen polnischen Grenze. Hoffen wir mal, dass die Stimmung da besser ist.
Total einfach geht es aus der Ukraine ‚raus und in Polen ‚rein.

Bei Zamosc gehen wir auf einen kleinen Campingplatz, der ist schon fast geschlossen, aber wir brauchen ja nichts. Hier sind die Leute traurig, dass wir kein Polnisch verstehen, so radebrechen wir auf Deutsch und fühlen uns für’s erste wieder richtig wohl.
Am nächsten Tag schauen wir uns die Stadt Zamosc an. Eine sehr, sehr schöne, frisch renovierte Altstadt mit herrlichen Bürgerhäusern aus der Renaissance, die den Marktplatz umschliessen. Das schönste Bauwerk ist hier das Rathaus. Die Kollegiatskirche ist leider geschlossen aber von aussen auch sehr schön. Vor dem großen Schloss steht ein Denkmal des Stadtgründers Jan Zamoyski, der u.a. damals Rektor der Universität in Padua war. Er fand Gefallen an dem italienischen Baustil in der Renaissance, holte italienische Baumeister nach Zamosc und wir sind froh, dass wir diese wunderschöne Innenstadt, die von den Italienern gestaltet wurde, nun besichtigen können. Einer von den Zamoyski-Nachfahren ist derzeit Bürgermeister „seiner“ Stadt. Die Festungsanlagen sind schon sehr ordentlich renoviert, sie bieten jetzt Parks, Ausblicke in das Umland, sind aber augenscheinlich noch nicht fertig. Gott sei Dank sind zum einen kaum noch Touristen hier, zum anderen scheint keine Sonne, so stehen nicht allzu viele Sonnenschirme der Restaurants und Cafes auf dem schönen Marktplatz und verdecken den Blick auf dieses kleine Juwel. Es gibt auch in den Nebenstrassen noch schöne kleine Geschäfte, wo das Einkaufen Spass macht. In der Neustadt sind natürlich die Supermärkte Lidl usw. zu finden.

In der Nähe von Koszienice kommen wir an die Weichsel, auf polnisch Wisla, die uns in der nächsten Zeit begleiten wird. Warschau umfahren wir, Bromberg umgehen wir ebenfalls.

Wir fahren bis Wloclawek, dem ehemaligen Leslau und wollen uns dort ein bisschen umschauen.
Vom Weichselufer geht es nur wenige Meter hoch zur Stadt und wir stehen an der Johannes der Täufer-Kirche. Sie ist klein, hat ein sehr schönes Gewölbe im Altarraum, ist auch sehr liebevoll gepflegt. Ihre Lage auf dem Platz, die alten Häuser rundherum, gefallen uns. Wir ziehen durch die Strassen, bewundern die wunderschönen Geschäftshäuser, die aber in der Mehrzahl total schlimm ausschauen. Viele Wohnungen stehen augenscheinlich leer, die Höfe sind oft genug furchtbar und erinnern uns an alte Zille-Bilder. Hier fehlt das Geld an allen Ecken und Enden. Es ist traurig, hübsch aber ist, dass es hier überall Bäume und Grünanlagen gibt, das versöhnt, wir bezeichnen das Erscheinungsbild nun mit „á la 1955-60 in Berlin“, da war auch noch vieles kaputt vom Krieg. Richtung Innenstadt wird es besser-die Stadt ist nämlich ebenfalls ein kleines Schmuckstück!
Wir kommen langsam zu der Kathedrale, einem beeindruckenden Backsteinbau mit angeschlossenem Priesterseminar im gotischen Stil. Unser Besichtigungsdrang findet ein sofortiges Ende an dem Eisengitter im Vorraum. So können wir die angeblich so herrlichen ältesten Glasfenster Polens nicht sehen und auch nicht die Skulpturen von Veit Stoss. Ist ja nicht so schlimm, Veit Stoss haben wir schon genug gesehen und alte Kirchenfenster ebenfalls. Die Sonnenuhr vom Kopernikus können wir anschauen, ob es das restaurierte Original ist, können wir nicht beurteilen.

Wir fahren noch ca. 50 km weiter bis Torun, dem alten geschichtsträchtigen Thorn, das auf eine Kreuzfahrerburg des Deutschen Ordens zurück geht.
Dort wissen wir einen guten Platz, dort wollen wir dann eine Woche bleiben. Und wir werden nicht enttäuscht, selbst das Wetter spielt nach bisschen gut zureden mit! Gleich nahe der großen Weichselbrücke liegt der Platz, in 15 Min. sind wir zu Fuss in Thorn, was will man mehr. Und, man lernt ja nie aus, wir können die Polnischen Paintbal-Meisterschaften auf dem Platz miterleben.

Der Blick auf die Altstadt mit den vielen Backsteinbauten, der Stadtmauer und den Stadttoren ist sehr, sehr schön! Wir lassen uns Zeit und lassen uns treiben: zum Rathaus mit dem großen Marktplatz auf dem ein Kopernikus-Denkmal steht, an den schmucken Bürgerhäusern vorbei, zum Kopernikus-Museum im Dom Kopernikus, zu den Resten der Burganlage, und natürlich zum Dom St. Johannes mit der berühmten Glocke „Tuba Dei“, die aber nicht erklang. Man kann hier auf den Kirchturm, in den Glockenturm, hochsteigen und hat einen fantastischen Blick über die Stadt. Hier wollte man unseren „Rentnerausweis“ nicht anerkennen, hat uns sogar unterstellt, den wohl selbst gedruckt zu haben! Warum? Weil es nur ein „oller Zettel“ ist, „…armes Deutschland..“, hat der Gute gemeint und uns dann doch sehr widerwillig den reduzierten Preis gegeben. Recht hat er ja, dieser Zettel ist wirklich kein Ausweis!
Und eine kleine Weichselfahrt gönnen wir uns bei strahlendem Sonnenschein zum Abschluss auch noch.

Wir ziehen weiter und gehen auf „Ahnenforschung“.
Uwes Vorfahren kommen aus dem Kreis Flatow, jetzt Zlotow und mein Großvater war im ersten Weltkrieg bei Kolno, nahe Zatom Stary an der Warthe gelegen. Er hatte in dieser Zeit Muße genug, hier mit dem Bleistift Landschaftsbilder zu zeichnen, die er später in Aquarelle umwandelte.
Nun wollen wir schauen, wie es dort aussieht, wo unsere Vorfahren gelebt haben.

Im Kreis Flatow scheinen die Leute auch heute noch relativ arm zu sein, es sind endlose Strassendörfer, die wir finden, vieles ist kaputt gegangen im Krieg. Die Innenstadt von Flatow wurde z.T zerstört, die Deutschen wurden vertrieben oder gezwungen, die polnische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Polen wurden umgesiedelt nach Zlotow, wie es dann hiess. Jetzt ist in der Stadt etliches renoviert und neu aufgebaut worden, die Kirchen sind gerammelt voll, draussen wird der Gottesdienst über Lautsprecher übertragen. Und die kleinen Ortschaften, die wir gesucht haben, existieren alle noch, manche alte Backstein-Häuser, vielleicht zu großen Höfen gehörend, standen vor 1900 schon. Friedhöfe mit alten Grabsteinen fanden wir keine mehr.
Wir fahren nach Alexandrowo bei Kolno und weiter bis Zatom Stary.
Es ist eine wunderschöne, naturbelassene Landschaft, die Dörfer, der Fluss, die Warthe ist noch sehr klein und schlängelt sich durch die Wiesen und Felder, kleine Fähren setzten die Autos über. Eine regelrechte Idylle. Es schaut noch aus, wie auf den Aquarellen meines Großvaters aus der Zeit von 1914/18. Nur die Mühle von Alexandrowno gibt es nicht mehr.

Jetzt wird es aber langsam Zeit!
Über Walcz, das alte Deutschkrone, wo offensichtlich die halbe Stadt kaputt ging, fahren wir Richtung Miedzychod, das ehemalige Birnbaum. Dorthin, wo die Wiege des deutschen Kaufhauses steht. Das Kaufhaus von Hermann Tietz, später Hertie. Vorher gab es nur Einzelwarengeschäfte, nun auf ein Mal ein Haus, in dem man alles kaufen konnte, ohne das Geschäft verlassen zu müssen. Es war das modernste, der letzte Schrei. Meine Großmutter, 1892 geboren in Berlin, sagte bis zu ihrem Tod „ Das gibt es bei Tietz!“, wenn sie von Hertie sprach.

Südlich der Stadt gehen wir auf einen Campingplatz mit Familienanschluss. Die Tochter der Familie spricht gut Deutsch, Rentner aus dem Dorf sprechen Deutsch weil sie früher in Deutschland gelebt und gearbeitet hatten. Es ist dort so herrlich, auch weil wir ein nettes Ehepaar treffen, sie Polin, er Deutscher, und schöne interessante Stunden und Tage verbringen. Ausserdem sind die Pflaumen reif, überall stehen die Bäume an den Feldwegrändern, da macht jeder Spaziergang satt! Wir bleiben so lange, dass wir schliesslich auf Birnbaum verzichten, und gleich zur Familie nach Berlin fahren.

So schliesst sich der Kreis einer unheimlich erlebnisreichen Reise.

In 190 Tagen sind wir 22.207 km gefahren, haben viele liebe Menschen getroffen.
Man hat uns mit offenen Armen in Ländern begrüßt, in denen wir es nicht erwartet hätten. Wir haben gesehen und erlebt, wie eng unsere Kultur und Geschichte mit der Kultur und Geschichte der Länder im Osten verwoben ist.

Inzwischen ist schon längst die nächste Reise, bzw. der Flug, gebucht:

„Winter in Chiang Mai“, in einem kleinen, gemieteten Häuschen. Da gibt es dann Massagen für den Körper, Wärme für die Knochen und Fertigstellung der Implantate. Den Flug hatten wir schon in der Mongolei gebucht, übers Internet, inmitten einer Pferdeherde bei Altai.

Wenn ich noch Zeit habe, werde ich davon auch noch kleine Berichte in unsere homepage setzen, denn viele fragen uns: “Äh? Was macht Ihr denn da so lange? Muss ja langweilig sein!“ Wir sagen Euch, ist es nicht! Da wir im thailändischen Häuschen Internet hatten, haben wir natürlich die Reise für den Sommer 2014 auch schon vorbereitet. Es gab kleine Feste, wir sind mit thailändischen Bekannten umher gezogen, und, und, und.

Und was wird der Sommer 2014 bringen?
Diesmal geht es (für uns) gar nicht so weit weg!
Am 27.04.14 ist Start!

Wir werden wieder berichten, hoffentlich etwas zügiger, ich werde mich bemühen.
Bis dahin wünschen wir Euch auch viel Vorfreude und Neugier auf EURE nächsten Reisen. Gesundheit und viel Glück!

Bis bald mal wieder!