von der Grenze RUS/MN nach Ulaanbaatar und in die Wüste Gobi

vom 09.06. bis 30.06.2013

Wir tanken noch kurz vor der Grenze Russland/Mongolei bei Kyakhta, reihen uns in die kurze Fahrzeugschlange für PkW’s ein, warten etwas und schon sind wir in Russland ausgereist.
Jetzt geht es zu den Mongolen:
1. Amtshandlung: Reifen im Wasserbad desinfizieren für 100 Rubel. Dann darf man zu Zoll und Immigration, die im gleichen Gebäude sitzen.
Die Mongolen brauchen etwas länger, man läuft von „Pontius zu Pilatus“ und zurück, alle sind freundlich, lachen, helfen beim Ausfüllen der Formulare, schauen neugierig ins Auto, lassen den Schäferhund nach Drogen schnuppern. Hat man alles erledigt, kann man gleich bei einem der drei Bankschalter im Zoll&Immigration-Gebäude Geld wechseln.
(1€ ca.1.900 MNT, d. h. Tungrik). Man braucht es auch für die obligatorische KfZ.-Versicherung. Die schliesst man in einer Bude auf dem Grenzgelände für vier Wochen ab, kostet 63.000 MNT. Dann muss man noch für 250 Rubel oder entsprechend mongolische Tungrik eine Zollgebühr bezahlen. Jetzt geht die Schranke nach der letzten Endkontrolle und insgesamt drei Stunden russische und mongolische Grenzformalitäten endgültig hoch.

Wir sind in der Mongolei willkommen, sagt man uns und wir glauben es, so, wie die Mongolen uns anstrahlen, kann es nicht anders sein!

Lange fahren wir nicht mehr weiter, fahren rechts von der Strasse ab zum Übernachten auf eine Wiese unter den wenigen Bäumen hier. In der Nähe stehen Gers, d.h. die mongolischen Rundzelte, Pferde, Schafe und Ziegen kommen und gehen an uns vorbei, keiner der Hirten nimmt Notiz von uns.
Noch wundern wir uns, sind noch nicht richtig in diesem Land angekommen, atmen aber irgendwie nach Russland auf. Allein schon mal das Wetter! Und keine Sümpfe.

Wir fühlen, die Mongolei ist ein freies, sicheres Land mit unheimlich netten Menschen. Die Mongolen sind an allem interessiert, sind selbst alle für ihre Bedürfnisse sehr gut technisch ausgerüstet, sind sehr gebildet und in den Berufen, die sie brauchen gut ausgebildet.
Na, ja, die Berufe, die mit dem Strassenbau zu tun haben nehmen wir da mal komplett ‚raus. Es gibt keine Strassen und sie können auch keine bauen. Neue Strassen sind kurze Zeit später schon wieder kaputt gefahren. Dieses Geschäft haben die Chinesen und Südkoreaner übernommen.

Unser erster Tag in der Mongolei beginnt.
Auf Asphaltstrasse, mehr oder weniger gut, natürlich gegen Gebühr von 500 Tungrik, geht es nach Darkhan. Eine typisch mongolische, hässliche kleine Stadt. Aber sie haben Banken und einen größeren Markt und wir können Bier, Milch, Gemüse, Brot kaufen. Wir schlendern umher, der Fleischmarkt ist asiatisch aber das Fleisch gut abgehangen. Wenn man kein Fett mag, wird eben das magere Fleisch abgeschnitten. Das restliche Marktangebot mit allem, was der Mensch in der Mongolei braucht, ist gut sortiert: Nudeln und Reis, aber auch Handwerkzeug, Socken, Plastiktischdecken, Haushaltskram, Hosen, Unterwäsche, Plastiktonnen, Wasserkocher, Schnellkochtöpfe-es gibt alles!
Auf dem Parkplatz geht es chaotisch zu aber jeder macht jedem Platz, wenn nötig. Aufregen bringt nichts, alles löst sich irgendwie in Wohlgefallen auf und wir kommen auch wieder zurück auf die Strasse.
Gut gerüstet machen wir uns auf den Weg zum Kloster Amarbayasgalant. Es liegt westlich von Darkhan am Ende eines Hochtals.
Wir fahren auf relativ vernünftiger Piste, an vielen Gers vorbei, über weite Weideflächen. Hügeliges Grünland soweit das Auge reicht. Die ersten Blumen fangen nach dem Winter an, zu blühen.
Viele Gers werden gerade erst aufgebaut denn jetzt, Anfang Juni, ist der Winter vorbei und schon etwas Grünzeug für das Vieh gewachsen.
Begeistert fotografieren wir die Pferdeherden, es ist eben noch alles neu für uns. Nach ein paar Stunden sehen wir das Kloster in der Ferne und stellen uns seitlich für die Nacht hin.
Es ist noch nicht so spät, so schauen wir es uns auch noch gleich an. Es ist ein tibetisch-lamaistisches Kloster der Gelbmützen, deren Oberhaupt der Dalai Lama ist.
Der Klosterkomplex ist ein quadratisches Ensemble, von einer Mauer umgeben, das verschiedene Tempel beherbergt. Es wird noch fleissig daran gearbeitet, leider läuft die Zeit aber augenscheinlich davon: der Verfall geht schneller als die Restaurierung.
Eine Gruppe junge Leute ist ebenfalls zur Besichtigung da, die Tempel werden aufgeschlossen und wir können sie auch innen besichtigen. Es ist vieles wieder recht schön hergerichtet. Wie es früher ausgesehen hat, können wir leider nicht mehr richtig nachvollziehen.
Wir gehen noch hinauf zur Stupa und ein Stück weiter zum Buddha, die beide über Tal und Kloster wachen. Von hier oben haben wir einen herrlichen Überblick über die Landschaft, das Kloster und die vielen Gers.

Als Mitte der 30er Jahre auch in Russland durch die Stalinisten und in China später während der Kulturrevolution die gesamten Kirchen bzw. Klöster zerstört, Millionen von Menschen umgebracht wurden, wurden nicht nur Kunst-und religiöse Gegenstände, sondern eine gesamte Kultur zerstört. Ungeheure Kunst-Schätze, traditionelles Wissen und die gesamte damalige Intelligenz gingen für immer verloren.
Unter Lebensgefahr wurden manche Güter gerettet, heimlich Wissen und Können weiter gegeben. Heute, seit den 90er Jahren, dem Ende des alten sozialistischen Systems in der Mongolei, versucht man wieder, Klöster aufzubauen, Schüler zu unterrichten, die alten buddhistischen Lehren wieder zu praktizieren.

Einen Tag später treffen wir im Guesthaus Oasis in Ulannbaatar ein. Wer steht schon da?
Walter und Marion, die wir von Bolivien kennen, letztens auf Olchon trafen und nun hier wieder treffen. Das Oasis war etwas schlecht zu finden, weil alle Strassen rundherum Baustelle sind.
Dann kommen noch ein deutscher Sprinter, Jochen mit Hund Lilly in seinem Landcruiser kommt mit uns, bald ein kanadischer Truck, zwei deutsche Trucks, die wir schon in Irkutsk getroffen hatten, Franzosen und Österreicher. Ja, nun stehen alle hier, der Platz ist mehr als voll. „Um die Ecke“ sind zwei Supermärkte.
Wir schauen uns in den nächsten Tagen Ulaanbaatar an, gehen auf den Markt, Strassenatlas und Internetstick besorgen, duschen und Wäsche waschen.
Ulaanbaatar ist eine total stressige und scheussliche Stadt. Jede Strasse ist entweder kaputt gefahren, schlechteste Piste oder Baustelle. Wenn man auf den Bus wartet, wird man total eingesandet.
Nur in dem kleinen Zentrum rund um den Sukhbaatar-Platz geht es noch einigermassen.
Das Gandan-Kloster haben wir uns angeschaut. Das Naturkunde-Museum war leider geschlossen.
Mit dem Auto braucht man von West nach Ost ca. drei Stunden. Die ganze Stadt steht im Stau.

Nach 8 Tagen ziehen wir weiter.
Chingghis-Khaan wollen wir unsere Referenz erweisen und so fahren wir zu seinem Denkmal im Osten von Ulaanbaatar. Es ist sehr beeindruckend, das Museum innen sehr gut gemacht und natürlich sind wir auch auf den Pferdehals gelaufen. Man hat einen super Überblick von hier oben auf die Umgebung. Die Eintrittsgebühren sind derzeit unwesentlich.
Anschliessend fahren wir weiter zum Manzushir Kloster. Es ist eine ehemals recht große und bedeutende Klosteranlage am Fuße des Berges Bogd Khan Ul, südlich von Ulaanbaatar.
Seine Lage ist am kleinen Talschluss noch immer sehr schön, in einem Ger lebt ein Mönch, der Lama kommt ab und zu aus der Hauptstadt, sonst sieht man hier nur eine junge Frau mit Kind, die ggf. Eintrittskarten verkauft. Wir haben sie schon am Parkeingang bekommen für 3000 MNT/p.P., Einheimische zahlen 300 MNT.
Für uns ist das sehr wenig Geld, für die Einheimischen ebenfalls Nichts. Der Mongole, der hier herkommt hat ein meist sogar „dickes“ Auto und könnte ruhig auch zur Kasse gebeten werden. Diese Unterschiede bei den Eintrittsgeldern sind nicht richtig und für uns immer ein Ärgernis.
In fast allen aussereuropäischen Ländern zahlen Fremde bis zum zehn-und zwanzigfachen wie die Einheimischen. Warum führt man das bei uns in Deutschland nicht endlich ein? Wir zahlen ja schliesslich für Kunst und Kultur schon Steuern, zahlen also im Grunde zweimal.

Am nächsten Morgen trennt sich Jochen von uns, der eigentlich mit uns durch die ganze Mongolei fahren wollte. Es zeigt sich seit längerem, dass es keinerlei Gemeinsamkeiten gibt. Weder bei der Streckenplanung der Reise, die er nun gerne ändern möchte, noch bei dem täglichen Einerlei wie Einkaufen, die Natur erkunden, unterwegs faulenzen, Übernachtungsplätzen aussuchen und finden. Wir fahren in unserem Rythmus, Jochen kann und will ihn nicht akzeptieren, wir können seinen Stil nicht übernehmen und so fahren wir allein weiter, wie wir es seit Jahren gewohnt sind und das ist gut so, quasi erholsam. Jochen ist auch sehr viel schneller unterwegs, wir werden uns nicht mehr begegnen.

Es geht weiter gen Süden. Marion hatte in unserem Prospekt, den ich Ihr gab, gelesen, dass in drei Tagen in Bulgan ein Naadam-Fest stattfindet. Wir haben beschlossen, uns dort zu treffen.
Über Mandalgobi und Tsogt-Ovoo sind wir in drei Tagen in Dalanzagad, schnell noch einkaufen, tanken, auf den Markt, mit dem Stick problemlos ins Internet. Die Piste bis Mandalgobi ist stellenweise furchtbar, die Hälfte der Strecke am nächsten Tag ebenfalls, dann wird es besser. Vor Dalanzagad geht es durch ein großes Feuchtgebiet. Von anderen haben wir gehört, dass sie doch zu kämpfen hatten bei Regen. Das Gebiet kann nicht wirklich umfahren werden. Glücklicherweise ist es bei uns total trocken.
Es geht weiter nach Bulgan. In Bulgan erfahren wir, dass das Naadam-Fest nahe der „Drei-Kamele-Lodge“ stattfindet. Also hin. Marion und Walter sind schon da. Wir übernachten hier gemeinsam. Abends werden wir von herrlichen Regenbögen, einer kolossalen Beleuchtung und Fernsicht ins Bett geschickt. Es ist schon lange hell!

Am nächsten Tag findet 5km weiter ein kleines aber sehr schönes Naadam statt. Wir sind mittendrin und haben viel Spass beim gemeinsamen Zuschauen mit den Einheimischen:
Wir bestaunen die Reiter(lein) von ca. 5-12 Jahre, die z.T. ohne Schuhe, Sattel und Helm ihre Pferde ins Ziel oder sogar zum Sieg führen. Mit lautem Geschrei und leichten Schlägen auf die Pferde jagen sie ins Ziel ein, wo sie gleich von einem Familienmitglied eingefangen werden. Selbst sind die Kinder so „in Fahrt“, dass sie alles um sich herum vergessen, das Ziel gar nicht richtig realisieren und die Pferde nicht bremsen können. Es entsteht ein riesen Tumult. Insgesamt gibt es fünf Pferderennen, die sich jeweils mit den Ringer-Kämpfen abwechseln.
Und die Reitkünste der Erwachsenen, wie sie z.B. in vollem Galopp ein Feuerzeug vom Boden aufheben, sind natürlich auch sensationell.
Die Ringer bringen Ruhe in die Veranstaltung. Die Familienmitglieder und andere Zuschauer verfolgen gespannt jeden Gesichtsausdruck und Griff der Ringer. Zwischendurch ein leichtes Stöhnen, das war’s dann schon an Gefühlsausbruch.
Leider fällt das Bogenschiessen aus, zwischendurch regnet und stürmt es ständig, da ist dieser Wettbewerb eben nicht durchführbar.
Aus den Klein-LkW’s heraus wird Essen und Trinken verkauft, so ist auch für das leibliche Wohl gesorgt wenn die eigene, mitgebrachte Verpflegung nicht ausreicht.
Für uns ist es ein super Tag, für alle Teilnehmer und Zuschauer wohl auch. Etliche tage reden wir noch darüber.

Morgen wollen wir gemeinsam nochmals nach Dalanzagad, für ein paar Tage einkaufen und dann soll es nach Yolyn Am, in die Geierschlucht gehen. Dank GPS und osm-streetmap finden wir fast blind hin. Vor dem Eingang zum Nationalpark (wieder 3000MNT per Nichtmongole) übernachten wir. Dann geht die Piste noch ca. 10km durch das Tal hinter zum Parkplatz und weiter geht’s per pedes.
Aber Schnee und Eis finden wir nicht vor, Geier auch nicht. Man sieht sie nur am Himmel kreisen. Das enge Tal ist sehr schön, aber es ist nicht spektakulär und Geier gibt es unterwegs in der Mongolei noch genug!

Also fahren wir auf die Piste nahe dem Museum, über den Gebirgszug hinweg nach Bayandalay.
Bis Bayandalay, ein recht kleines Kaff, ist die Piste noch einigermassen gut, aber dann bis zum westlichen Ende von Hongoryn Els eine Katastrophe. Allerdings kann man, mit viel Glück, auch Antilopen sehen. Vor Walters LkW, der etwas vor uns fuhr, ist ein ganzes Rudel Antilopen regelrecht über die Piste geflogen. Das entschädigt für vieles.
Wer im Leben schon einmal die Dünen von Marokko, oder gar die vom Grand Erg in Algerien gesehen hat, muss sich nicht unbedingt dorthin quälen. Das lässt sich natürlich leicht sagen, wenn man schon da war. Wer nicht, wird neugierig sein und dennoch hin fahren. Man will ja schliesslich nichts verpassen. Wir finden ein schönes Plätzchen nahe den Seruun Bulag. Interessant ist der Anblick der Dünen, davor verborgen ein grüner Oasenfluss und dahinter die dunkel aufstrebenden hohen Berge zwischen 2400 und gut 2600m. Das gibt es allerdings nicht überall. Unser Tipp: Also doch hinfahren!

Wir bleiben hier drei Tage, wandern durch die kleinen Dünen zum Fluss, ruhen aus, hoffen, dass der Sandsturm am zweiten Tag bald ein Ende hat, stromern umher, schreiben Berichte, sortieren unsere Bilder, ratschen beim Sundowner, usw. In kurzer Entfernung düsen die Pauschaltouristen an uns vorbei, die armen.

Einheimische erzählen uns, dass sich die Pisten nach Norden geändert haben, also fahren wir über den Govi Altayn Nuruu nach Bogd. Es ist eine gute Piste durch herrliche Landschaft: große Weideflächen, tiefe Täler wie Yolyn Am, aber befahrbar, herrliche Übernachtungsplätze, Kamelherden, Gers, kein Dorf bis Bogd. Und Bogd ist auch nur ein kleines Kaff. Wir finden aber zu Essen und zu Trinken und tanken könnte man auch. Leider regnet es ab und zu. Wir haben Glück, die Piste hält.
Weiter über Hügel mit weit verzweigten Pisten, die mal rechts, mal links um einen kleinen Berg führen und sich dann wieder treffen, über regelrechte Hochplateaus, an vielen Gers vorbei, vielen Vieh-Herden, etlichen Geiern und anderen Greifvögeln und fast ohne Verkehr kommen wir nach Guchin Us. Von dort geht es auf einsamer aber sehr schöner Piste weiter nach Tuya. Unterwegs tanzen die Erdhörnchen und Springmäuse über die Piste. Geier und Bussarde warten schon auf sie.
Auf einmal sehen wir in der Ferne die angepeilte Stadt, das Aimagzentrum Arvayheer.
Jetzt heisst es erstmal wieder im Supermarkt und auf dem Wochenmarkt einkaufen, etwas aufwändiger kochen, ruhen, sich sammeln, reparieren, ins Internet gehen und zu Hause anrufen, Fotos sortieren und natürlich schauen, welche Strecke wir weiter fahren wollen. Für ein paar Tage sind wir wieder sesshaft, mit herrlicher Terrasse vor der Tür und Blick in die mongolische Steppe.

Wie es uns weiter ergeht, erfahrt Ihr dann im nächsten, dem 4. Bericht, der uns durch die zentrale Mongolei führen wird.