Von Grenze Mongolei/Russland bei Tashanta bis zur Grenze in die Ukraine bei Hornutovka

vom 07.08. bis 05.09.2013

Gestern Abend hatten wir schon unsere Strassenbenutzungsgebühr bezahlt. Das kommt uns vertraut vor: Man zahlt für Dinge, die es nicht gibt (z.B. Strassen in der Mongolei) und Dinge die man nicht hat (z.B. Fernseher/Radio in Deutschland, wie wir). Egal, man muss zahlen, das nur so nebenbei.

Morgens geht es dann los. Um 9°° macht die Grenze offiziell auf, bis aber alle so eintrudeln, wird es 9.30°°. Was ist das schon. Dann geht es ‚rüber über die kleine Brücke zum mongolischen Grenzübergang. Das geht hier alles ziemlich ruck, zuck und wir stehen im Niemandsland. Es sind noch 20km Piste zu fahren und wir kommen zur russischen Grenze. Nein, das ist sie ja gar nicht, das ist erst der Kontrollposten.

Dann kommt die Grenze. Ein kleines asiatisches Durcheinander, viele helfen beim Ausfüllen der in Russisch gefertigten Einreisezettel, dann geht’s zur Customs. Hier gibt es, Gott sei Dank, Formulare auf Englisch. Wir haben sie richtig ausgefüllt, die Zöllnerin falsch weiter bearbeitet. Das ging zwei Mal so, aber zum Schluss und mit vereinten Kräften war dann doch alles richtig. War ja auch nicht so einfach: Die Formulare in Englisch und das Ganze, fast schon zwischen „Tür und Angel“, kurz vor der Mittagspause um 13°°. Da macht die Grenze zu. Mittagessen und Pause muss sein. Also, wir haben alles geschafft, geschaut hat auch niemand mehr, so waren wir gleich in Russland und konnten nun auch Mittag machen.

Russland empfängt uns stürmisch, regnerisch, kühl.

Neben uns lädt der große russische LkW seine russische Waren um auf kleine mongolische Lkw und die kleinen aus der Mongolei laden Ihre Waren auf den großen LkW. So funktioniert der Transport auch nach Kasachstan. Styropur und Pappe trägt der Wind fort, oder auch nicht.

Wir fahren jetzt bis nach Novosibirsk auf dem knapp 1000km langen Chuyskiy-oder auch Tschuja-Trakt, der alten M52, die jetzt offiziell R256 heisst. Sie verläuft entsprechend dem uralten Handelsweg von Moskau über Ulan Bator und nach China und wird auf russischer Seite bis zur mongolischen Grenze im Altai Tschuja-Trakt genannt. Wobei „Trakt“ die russische Bezeichnung für „Fernstrasse“ ist. Der Fluss, an dem man zunächst entlang fährt ist die Tschuja, daher der Name. Die Tschuja entwässert ins Tal des Katun, einem der größten Quellflüsse des Ob.

Für die erste Nacht fahren wir in das nette Dorf Kyzul-Tash bei Kursay. Endlich macht es auf, die Sonne kommt, die Berge des Altai zeigen sich am Nachmittag mit erschreckend aperen Gletschern und etlichen Schneeflecken bis weit hinab ins Tal. Das Wetter war hier wohl in der letzten Zeit nicht so schön. Am Tag sind Kühe, Schafe und Ziegen auf den Weiden rund ums Dorf, abends kommen die Hunde und schauen nach uns. Es ist kein einsames, dennoch ein ruhiges Plätzchen am Ortseingang.

Wir finden im Tschuja-Tal weiter flussabwärts nette, von russischen Zeltlern belegte Plätze. Nahe Kutchegen gesellen wir uns dazu, schauen aber, dass es quasi „Familienplätze“ sind. Sie sind wesentlich ruhiger. An einem kleinen Bach mit einigen russischen Zeltlern bleiben wir für zwei Tage, rasten aus. Wir sind aber auch neugierig, wie die Russen so Camping machen.

Mit offenen Armen und einem guten Wodka aus dem Altai werden wir empfangen. Ein russisches Großelternpaar mit Enkel, die etwas Englisch sprechen, machen uns den Aufenthalt sehr schön und lustig. Es gibt tausenderlei zu erzählen, zu sehen und zu kosten.

So können wir über „Gott, die Welt, die Arbeit, Urlaubsgebiete in Russland“ reden. Über Politik und Putin reichen ein paar Sätze in 10Min. Solange man arbeiten kann geht es einem sehr, sehr gut. Aber wehe man hat nur seine Rente, dann geht nichts mehr. Wir haben keinen Russen, egal ob Männlein oder Weiblein, kennen gelernt, der nicht einen Nebenjob gehabt hätte. Wer früh aufhören konnte, greift nun erst, mit möglichst freier Zeiteinteilung, richtig an, um Geld zu verdienen. Als selbständiger Handwerker, Arzt, Aushilfskraft im Verkauf oder im Gaststättengewerbe. Je nach Können und Geschick.

Die Russen, fast alles Omas und Opas in unserem Alter, die jetzt mit den Enkeln verreisen, sind total offen und herzlich uns gegenüber. Was vor 70/80 Jahren im Krieg passierte, ist für alle hier Vergangenheit, Geschichte, denn niemand hier auf dem schönen Plätzchen hat damals gelebt.

Und Camping machen sie mit den gleichen Zelten, Stühlen, Schüsseln, Kochern usw. wie wir sie kennen, alles billig, alles Made in China. Natürlich wird auch über dem Holz-Feuer gegrillt oder gekocht, die Unterschiede zu uns sind nicht so groß. Sie gehen angeln, Pilze und Beeren sammeln. Trinken macht den deutschen Campern auch Spaß am Abend, und auch sie lieben die Geselligkeit. Wohnmobile kennt man fast gar nicht, aber auch so kann man mit dem Zelt billig Urlaub machen.
Der Bauer, der die Wiese her gibt, hat ein „Plumsklo“ auf der Wiese installiert, verbrennt jeden Abend den Müll in einer eisernen Mülltonne und kassiert 300 Rubel bei uns! Nicht gerade billig, ca. 7,50€. Bei der Gelegenheit treibt er sein Vieh nach Hause in den Stall und hat so auch einen schönen Nebenverdienst. In der Hauptsaison mindestens 100€ pro Tag. Die Kühe sind für einige Kinder eine Sensation, sie kennen sie nicht von zu Hause. In der Stadt gibt es keine Kühe. Unsere russischen Nachbarn kommen aus Omsk, andere aus Novosibirsk. Es wird schon Herbst, damit abends kühl. Die russischen Schulferien in diesem Gebiet sind bald vorbei.

Langsam kommen wir zur Mündung der Tschuja in den Katun. Dort soll es eine Brücke geben und über die wollen wir ins Altai fahren Richtung Gora Belukha oder auch Belucha, mit 4506m dem höchsten Berg des Altai-Gebirges im Dreiländereck Russland/Mongolei/Kasachstan.

Kurz vor der Katun-Brücke die nach Tjungur führt, erreichen wir das Monument Kolka Snegirev: ein kleines Stück der alten Trasse, ein alter AMO-Lkw, Gedenktafeln, zur Erinnerung an die vielen Arbeiter, Verunglückten und die LkW’s hier, die die Strasse ausgebaut haben.

Endlich kommen wir zu der Brücke. Oh, eine Hängebrücke!
Hier wollten wir rüber, unten, auf dem herrlichen Platz am Fluss übernachten und dann Richtung Belucha fahren. Eine schöne Tour. ABER, es gibt hier nur den Weg über eben diese Hängebrücke.
Nun sehen wir uns die Sache näher an: Es ist eine neuere Hängebrücke, 3m breit, nur jeweils ein Auto mit max 5t darf drüber fahren, ja, und sie hängt weit durch. Lange stehen wir da und studieren, wägen ab: sie ist sehr lang, sehr, sehr schmal, für 5t gebaut, ein anderer Pickup fährt hin, kehrt um und fährt zurück. Wir schauen, überlegen, könnten wir uns doch gute 200km sparen. Aber, nein! Vor lauter Dummheit untergehen? Oder mal Pech haben?
Es ist nicht die einzige Möglichkeit in das Gebiet zu kommen, also weiter, aber nicht über die Hängebrücke! Fahren wir unseren Umweg auf der P373 über Ust-Kan.
So schlimm ist das auch nicht, aber ärgerlich, müssen wir doch dann den gleichen Weg wieder zurück. Doch es erweist sich als eine schöne Fahrt, durch liebliche Gebirgsgegenden, mal auf Asphalt, mal auf Piste. Wir denken an manche Gebiete in den Alpen: die Allgäuer, Lechtaler, …..
Rechts und links blühen die Blumen in voller Pracht. Richtige Feldblumen in einer solchen Vielfalt, wie wir sie schon lange in Mitteleuropa nicht mehr gesehen haben.

In der Ortschaft Verkh-Ujmon im Altai bleiben wir über Nacht in der Nähe des Museums von Nicholas Roerich, einem Künstler, Asienexperten, Philosophen und Wissenschaftler. Er lebte hier für längere Zeit und stellte währenddessen seine Expedition per Pferd zusammen, die ihn mit seiner Frau Helene und seinem Sohn George auf Forschungsreise durch Asien führte.
Das kleine Museum ist sehr gut zusammengestellt. Man kann z.B. einen Film auf Englisch über das Leben des Entdeckers anschauen, die Leute sind sehr nett und zeigen und erklären alles auf Englisch, sodass man einen Einblick in das Leben der Roerichs, ihre Tätigkeiten, Reisen, Inspirationen, wissenschaftliche Arbeiten aber auch ihrer kulturellen und philosophischen Bedeutung, erhält. Roerichs Bilder, sind unheimlich ausdrucksstark in ihrer Klarheit, in farblicher und mystischer Hinsicht.

Bei diesem wieder und wieder schrecklichen Regenwetter, war es ein angenehmer Aufenthalt. Aber Berge haben wir immer noch nicht gesehen. Wir schauen an den Himmel, auf den Wetterbericht im Internet und beschliessen, nicht mehr weiter Richtung Tjungur und Belucha zu fahren.

Hier ist anscheinend eine richtige Wetterecke. Drüben in der Mongolei vor ein paar Wochen war es ja auch schon so. Schade. Aber was sollen wir machen. Warten geht nicht, für die gesamte Rückfahrt durch Russland haben wir wieder nur sechs Wochen Zeit.

Wir warten noch einen Tag ab, aber mit dem Wetter ändert sich nichts. So fahren wir den gleichen Weg wieder zurück bis zur Fernstrasse M52. Direkt an dem Katun gibt es zig Campingplätze, viele für Kanuten eingerichtet, man kann auch Speedboot fahren, die Plätze sind aber bei dem Regenwetter ziemlich leer. Eigentlich Gott sei Dank, denn mit so viel Jugend auf einem Platz kann es sehr, sehr laut werden. Wir geben es zu, da sind wir irgendwie ausserordentlich empfindlich, vor allem wenn nur diese „Fabrikhallenmusik“ gespielt wird, als wenn jemand hämmert, stanzt usw.

In Gorno Altaisk wollen wir endlich unsere Registrierung vornehmen, was wir sowieso schon längst hätten machen müssen. Bei der ersten kleinen Post geht es nicht, dann kommen Umleitungen, dann kommt die Hauptpost, dann bekommen wir eine nächste Adresse. Da hab ich dann keine Lust mehr vor’s Auto zu treten. Der niedergehende Regen ist einem strammen Tropenregen ähnlich. Wir fahren weiter und beschliessen, die ganze Angelegenheit in Omsk zu regeln, wenn wir wieder an der evangelischen Kirche stehen werden.

Und so fahren wir durch das verregnete Barnaul und aus dem Gebirge ‚raus. Schon wird das Wetter besser und in Akademgorodorsk schauen wir uns bei strahlendem Sonnenschein das super tolle Eisenbahnmuseum an. Diese alten Züge, von der Zarenzeit bis heute, die alten Dampfloks-eine Augenweide. Und es gab keine Schilder: Betreten verboten, Anfassen verboten, irgendwann heisst es bei uns ja noch „Gucken verboten“. In viele Waggons und Loks konnte man ‚rein, die Führung in den etwas edleren Personenwagen aus der Zarenzeit war kostenlos, alles durfte man anfassen, wir haben es genossen wie die Kinder!

Über ein paar Übernachtungs-Truckstops ziehen wir weiter. Die Landschaft ist inzwischen im Gegensatz zur Hinfahrt gen Baikalsee grün, auf den Weiden blühen über und über Blumen, in den Vorgärten der Bauernhäuser hängen Äpfel und Birnen an den Bäumen, auf großen Feldern strahlen die Sonnenblumen. Das erste Getreide wird schon auf den riesenhaften Feldern geerntet. Es ist alles so ganz anders wie auf der Hinfahrt im Mai. Grün in tausend Varianten, hohes Gras verdeckt die Sümpfe. Aber an den unzähligen Rohrkolben erkennt man, wie weit die Sümpfe reichen, bis hinter den Horizont. Nur die Baumgruppen der Birken mit ihren weissen dünnen „Beinen“ unterbrechen die grüne Fläche. Aber langweilig zum Schauen wird es uns auf keinen Fall. Und auch jetzt haben wir Glück, es gibt quasi keine Mücken mehr.

Dann kommen wir nach Omsk zu unserer alten Übernachtungsstelle an der evangelischen Kirche.
Omsk-nun sind wir wieder da, kaum zu glauben, nur drei Monate liegen dazwischen, es kommt uns wie eine kleine Ewigkeit vor! Wir werden freudig begrüßt, müssen erzählen, was alles passiert ist und was wir in der Zwischenzeit erlebt haben. Und auch sie erzählen: Der Winter war gut, nicht zu viel Schnee, alle sind gesund, der Bischof kommt erst im Winter. Inzwischen haben sie einen anderen Pfarrer, ebenfalls sehr nett! Hier erledigt man auch unsere Registrierung, (von Staatswegen kostenlos!) und wir schauen uns gemütlich Omsk an, waschen Wäsche, gehen einkaufen im Supermarkt und auf dem Markt gleich in der Nähe.
Und das Wetter ist endlich mal richtig schön. So machen wir uns auf, die Innenstadt zu erkunden. Nicht weit von der Kirche ist der schöne Bahnhof der Sibirischen Eisenbahn. Auf dem Bahnhofsvorplatz fahren die Busse in die Innenstadt. Bei der „Sprungschanze“, dem modernen Musiktheater steigen wir aus. Von hier ist es gut zu den Museen, dem Theater, dem zentralen Platz, der großen Kathedrale usw. In den Parks kann man sich ausruhen, schauen und das Leben geniessen, am Irtisch spazieren gehen.
Inzwischen stehen nahe dem Bahnhof viele Marktfrauen hier auf der Strasse. Sie verkaufen vor allem Gemüse aus den Gärten in der Nähe und von ihren Datschen. Es schmeckt sehr gut. Es ist Beerenzeit, Himbeeren, Brombeeren usw. frisch aus dem Garten oder vielfach aus dem Wald, als Marmeladen, Obst-Sirup, eingekochtes Obst werden sie verkauft. Die ersten eingelegten Gurken, Paprika, gefüllte Paprika, Krautsalat gibt es auch schon. Alles lecker nach Hausfrauenart. Der ganz große Nachteil dabei ist, dass die Hausfrauen alles nur möglichst kiloweise, höchstens pfundweise verkaufen, die Einlegwaren oft sogar in 2-kg-Gläsern. Wo sollen wir damit in unserem Auto hin. Wie lange essen wir dann an einem Glas? Wir wollen doch die Vielfalt. Na,ja, bisschen geht ja noch ‚rein in unser Schneckenhaus.

Nach fünf schönen Tagen, in denen wir wieder viele deutschsprachige Russen getroffen haben, viel von Ihnen über Russland erfahren konnten, in denen wir mit den letzten, schon sehr alten Wolgadeutschen am Gottesdienst teilnehmen konnten, nach dieser so guten Zeit fahren wir wieder weiter. Omsk werden wir immer sehr dankbar in Erinnerung behalten. Ohne diesen guten Platz mit den so freundlichen und hilfsbereiten Menschen hätten wir hier wenig gesehen und erlebt. Danke nochmal.

Wir fahren fünf Tage durch flache Landschaft mit unendlich großen Weizenfeldern, dagegen sind die Bayerischen Felder größere Beete. Hier in Russland verschwand ein Feld hinter dem Horizont, das Ende war nicht in der Ebene zu sehen, unglaublich. Aber es gehört alles natürlich nicht nur einem Bauern oder Großgrundbesitzer, es sind inzwischen Agrarindustrien, die sich aus den riesigen Kolchosen, entwickelt haben.

Es geht weiter durch die Wälder, die hügelige Landschaft des Ural. Der südliche Ural ist sehr gemäßigt in seinen Steigungen, die Strassen hervorragend, der ganze Schmutz, der vom Winter noch im Mai hier ‚rumlag ist aufgeräumt. Alles ist sehr sauber. Auf der europäischen Seite des Ural begrüßen uns die strahlenden Sonnenblumenfelder, wieder reichen sie z.T bis zum Horizont.

Unser Weg soll uns nun nach Samara führen, an die Wolga. Nicht nur der vielbesungene „Soldat am Wolgastrand“ soll da einsam stehen, wir wollen auch am Wolgastrand stehen!

Von dem Pfarrer in Omsk wussten wir schon, dass es in Samara auch eine Gemeinde der Wolgadeutschen gibt, die sollten wir uns anschauen und viele Grüße ausrichten. Wir dürfen also wieder privat stehen bleiben und werden aufgenommen, als ob wir schon in diese Gemeinschaft hineingeboren worden wären.

Eins müssen wir festhalten: In keinem anderen Land, das wir bereist haben, wurden wir so herzlich und wie zur Familie gehörig aufgenommen, wie in Russland! Egal ob Kirche, Campingplatz, Banja, ja, z.T. sogar von den Truckern an Truckstops, die uns Brot, Speck, Tomaten usw. geschenkt haben. Schmeckte natürlich, von ihnen zu Hause oft selbst hergestellt, köstlich!

Nun stehen wir also in Samara, in einer kleinen Ecke auf dem Hof/Parkplatz der Kirche. Ein junger Deutscher, Lukas, der hier sein soziales Jahr leistet, heisst uns willkommen und öffnet das Tor. Wir atmen tief durch, Glück gehabt, dass jemand da ist, denn es giesst wie aus Kübeln! Die Frau Pastorin kommt auch bald und so finden wir hier eine unheimlich freundliche und interessante Aufnahme. Allerdings spricht hier nur noch die hochbetagte Mutter der Pastorin und die „Dame für’s Geld“ Deutsch. Wir dürfen mittags mit zu Tisch essen, die Kunst der Köchen Natalja ist umwerfend: einfach und doch so köstlich! Wir nehmen an Gewicht zu. Bei dem guten Sauerrahm zur Suppe, zum Salat, bei den Aufläufen,….Mmh!

So streifen wir durch die Stadt, zum Markt mit der großen Markthalle, zur Wolga. Auch das Wetter ist wieder richtig sommerlich geworden. Und der Wolgastrand wirklich sehr, sehr schön. Kein Wunder, dass es Lieder darüber gibt. Betreten, baden, sitzen, spielen, alles erlaubt-alles ohne Eintritts-Gebühr. Alle sind hier sehr ordentlich und sauber, kein Abfall liegt ‚rum. Samara ist anders.Nicht wie in Büsum, wo es Drehkreuze und Drahtbarrieren gibt für Leute, die einfach mal am sog. Strand bummeln wollen. Da muss vorher gezahlt werden.
Hier in Samara wird gerade die Strandpromenade weiter modernisiert, nur mit dem Boot trauen wir uns nicht zu fahren. Weiss man wie lange das geht? Und wie zurück? Es geht hier auf der Wolga mit Übernachtungen bis Kazan. Das muss auch toll sein.
Wir verleben hier jedenfalls fünf schöne Tage: gehen auf den Bahnhofsturm für einen guten Überblick, schauen uns die wichtigsten Kirchen und Kathedralen an, die wichtigsten Plätze, das Theater, gehen durch die Strassen, zur Fussgängerzone, zum Markt usw.

Nur eins ärgert uns, weil es trotz aller intensiver Bemühungen, nicht geklappt hat:
Wir wollten den inzwischen für das Publikum zugänglichen Stalin-Bunker anschauen. Hier hatte sich Stalin im 2.Weltkrieg wie andere wichtige Institutionen vor Angst vor den Deutschen hin zurückgezogen. Samara galt als sicher, fanden die Kämpfe ja in Stalingrad, dem heutigen Wolgograd statt. Es war schon eine Aktion, den Eingang zum Bunker zu finden! Dann war die Türe immer zu. Endlich waren zwei Männer zu den Öffnungszeiten da. Ausser uns gab es weit und breit keinen Touristen, der „Direktor“ sprach ausschliesslich Russisch. Wir waren begeistert, haben becirct, aber wir durften nicht ‚rein. Es hiess und steht auch so da: Besichtigung nur für Gruppen ab 20 Personen. Der absolute Witz. Aber wenn ein Russe das offiziell so schriftlich hat, dann geht kein Weg daran vorbei-jedenfalls nicht bei den „einfachen“, ordentlichen Russen. Wer die soziale Höhenluft schnuppert, der kennt die richtige Medizin. Aber weder wir noch der Museumswächter sind derartige „Medizinmänner“. Also bleibt auch der Bunker nach dem dritten Versuch für uns geschlossen. Schade, es wurmt mich noch immer!

Wir verabschieden uns herzlich von der Pastorin, von Lukas, der Köchin Natalja, der Gemeinde und ihren netten Mitgliedern und ziehen weiter. Natürlich gibt es wieder eine Spende für die Kirche. Und wir gehen nicht, ohne zu sagen, dass wir uns vielleicht im nächsten Jahr noch einmal sehen werden.

Nicht weit von Samara entfernt liegt die Stadt Togliatti. Da wollen wir natürlich hin. Hier ist das Automobilzentrum von Lada mit dazugehörigem Museum und ein großes Militärmuseum. Lada muss sein, hatten wir doch früher auch einen Niva und das Militärmuseum ist natürlich auch Pflicht.
Was früher absolut undenkbar war, ist jetzt möglich-inklusive überall „’rumkrauchen“ und anfassen und Rasen betreten und photografieren.

Fast vier Stunden begutachten wir die alten Militär-LkW, alle Panzer, dabei ist natürlich auch der T 34, den wir gut von der DDR-Grenze in Berlin-Dreilinden und vom russischen Ehrenmal in Berlin kennen. Und nun stehen wir hier in einem russischen Militärmuseum an der Wolga! Das muss man sich mal vorstellen! Als Berliner sieht man das vielleicht noch sehr viel anders. Es gibt viel zu sehen: Zig an Science Fiction-Filme erinnernde Hubschrauber, Bomber, Raketen, Abschussrampen, Eisenbahnen, das ganze Zubehör für Fallschirmspringer, ein Atom-U-boot, in das man aber noch nicht hinein kann, und, und und. Wer in die Nähe von Samara kommt, sollte das Museum in Togliatti auf jeden Fall besuchen! Wie gesagt, fast vier Stunden sind wir unterwegs.

Vor dem Museum dürfen wir nicht übernachten, also müssen wir weiter.
Na, ja, hat ja auch gereicht.

Ohne große Besichtigungen, mit Übernachtungen auf Truckstops, das Wetter ist jetzt seit ein paar Tagen wieder schlecht, fahren wir über Lipezk und Orel, oder auch Orijol, weiter zur Grenze in die Ukraine.

Dann erzählen wir Euch im letzten Teil unserer Reiseberichte über die Ukraine und Polen.