Von Uliastai über Altai und Ölgii zur Grenze Mongolei/Russland

vom 20.07. bis 08.08.2013

Nun sind wir mit dem Mittagessen fertig, der Regen hat aufgehört, die Sonne kommt vor und wir fahren gemütlich weiter. Es geht über zahlreiche Pässe, der höchste ist der Gantsin-Pass auf ca. 2500m am westlichen Rand des Khangai Gebirges. Auf den herrlichen Sommerweiden blühen abertausende von Edelweiss, eine etwas kleinere Art der uns bekannten in den Alpen aber genau so schön. Und soviel! Das ist ja direkt umwerfend.
Augenscheinlich schmecken sie den Tieren nicht, so können wir sie bestaunen und auch ein kleines Sträusschen mitnehmen. Pflücken erlaubt!
Hier kann man auch gar nicht mehr von Piste sprechen, sondern von Erdstrasse! Sehr gut zu fahren.
Am Abzweig nach Tsagaan Khairkhan fahren wir zunächst in das Dorf, dann etwas noch weiter in die hinteren Täler, wo es landschaftlich, mit den großen Dünen sehr schön sein soll. Jedoch, bis an die Dünen kommen wir nicht, die Piste ist komplett aufgegeben, weg.
Also geht es zurück zur „Hauptstrasse“. Manchmal gibt es nun kleine urige Brücken, etwas schlechtere Pistenabschnitte, je nachdem, wie nach dem letzten Winter das Tauwetter und die Regenfälle im Sommer gewütet haben. Abends regnet es immer wieder mal.
Übernachtungsplätze finden wir täglich an den herrlichsten Stellen. Heute stehen wir nicht weit entfernt vom Abzweig nach Otgontenger, in der Nähe von einem kleinen Bach.
Es besuchen uns Nomaden aus den Zelten, die wir noch als kleine Punkte sehen. Beim Tiere Heimtreiben kommen Vater und große Tochter bei uns kurz vorbei geritten. Sie sprechen sogar sehr gutes Englisch. Im Winter leben sie bei Uliastai und die Kinder gehen dort zur Schule. Im Moment sind Ferien. Drei Monate lang, da heisst es, die Freiheit draussen zu geniessen, zu reiten, Landleben pur! Natürlich sind sie neugierig und begutachten sehr genau unsere Inneneinrichtung.
Auch sie haben in ihren Gers Kühlschrank, Fernseher, Lampen usw., die alle über Solarpaneele und Batterien gespeist werden.
Zwei junge Männer auf ihrem Moped kommen zu uns und schwups sind sie auch schon im Auto drin. Gelenkig sind sie ja! Sie bieten uns Wodka an für eine gemütliche Runde, was wir aber, „so sorry!“ ablehnen. Dafür wird gelacht, Fotos gemacht, natürlich sollen wir unbedingt die Gers ihrer Familien besuchen, angeblich nicht weit von hier. Wir scheiden als Freunde, die sich nie wieder sehen werden.

Dann geht es über die Hauptstrecke, Piste, sehr schlecht über besser bis sehr gut, weiter. Das Land ist hügelig, kleine Pässe sind zu überqueren, herrliche Ausblicke gibt es in das fast menschenleere Land. Wir pflücken wilden Schnittlauch für unser Mittagessen, bewundern die Vegetation: ein wundervoller Kräutergarten. Niedrige Astern überall, von rosa über weiss bis lila gefärbt, blühen hier in Massen. Eine Fülle an Blüten, unwahrscheinlich, so weit das Auge reicht. Alles von Mutter Natur aufs Feinste arrangiert. Man kann sich fast nicht sattsehen.
Die Pisten am Hang sind oft so schräg, wie der Hang selbst. Sie sind nicht in den Hang hinein gefräst, sondern natürlich, durch häufiges Befahren, entstanden. Sie werden oft genug immer schräger, sodass die Gefahr des Umkippens oder Wegrutschens bei feuchtem Boden auch immer größer wird. Wenn möglich, versuchen wir, sie möglichst im unteren Teil des Hanges, zum Tal zu, zu befahren, obwohl sie dort oft am Schlechtesten sind!
Ein Stückchen weiter treffen wir die ersten Gers. Sie stehen in den Tälern, wo es Wasserläufe gibt und man Schutz vor Kälte und Sturm findet. Man sieht sie wieder wie kleine Champignons auf den Weiden stehen. Bald kommen wir über eine großmächtige Beton-Brücke nach Taishir.
Schade, dass die Pisten gar so miserabel sind in der Mongolei, sonst hätte man zu dem See im Osten von Taishir fahren können zum Übernachten. Aber so? Schonen wir doch lieber uns und unser Auto! Und fahren weiter.
Durch erst etwas trostlose, steppenartige Landschaft, dann durch das typische Grasland fahren wir weiter Richtung Altai. Die vielen Gers stehen in Sichtweite unserer Strecke, davor der übliche UAZ-Bus, manchmal ein SUV oder der Land-Cruiser von Toyota, immer noch dazu 1-5 Mopeds je nach Anzahl der Gers. Die Reitpferde sind nahe den Zelten angebunden. Schafe und Ziegen weiden auf den Hügeln und an den Bergflanken, ab und an fliegen Greifvögel über uns hinweg, die Pferde, die Milch bringen oder verkauft werden, weiden in der Nähe der Zelte, die anderen verteilen sich im weiten Grasland-das ist Viehwirtschaft in der Mongolei.
Rechts und links von uns sehen wir oft Geier, die hier in der Mongolei als „Müllmänner“ weit verbreitet sind. Manchmal steht sogar ein Verkehrsschild mit Ortsangaben am mongolischen Strassenrand, das wir sowieso nicht lesen können, und manchmal auch Wegweiser in die nächsten Ortschaften, mutterseelenallein in der „Prärie“. Die Pisten dorthin sind oft kaum zu erkennen, aber sie existieren, sind sogar bei uns im Navi’drin.
Auf einmal haben wir Asphalt unter den Rädern-das lässt sich aber komisch fahren, „nur Fliegen ist schöner“!

So kommen wir schneller als gedacht nach Altai, dem Aimagzentrum „Gobi-Altai“, das alles andere als sehenswert ist. Aber dennoch wichtig für Handel und Verwaltung, auch für uns.
Am südlichen Stadtrand bleiben wir nahe einer großen Ger-Siedlung im Bereich vom Funkmast, der hier den Internetempfang abdeckt, stehen. Nach der Schule kommen Kinder vorbei zum Erzählen und wundern sich, dass wir nichts verstehen. Unbeirrt reden sie auf Mongolisch weiter. Bis ein älterer Junge kommt, der schon Englisch lernt und meint, es perfekt zu können. Er redet wie ein Wasserfall. Es ist aber auch mehr oder weniger unverständlich, was er sagt.
Dennoch, wir verstehen uns gut! Es gibt ja schliesslich auch noch einen Stein für Malereien auf der Erde und die Finger für Malereien auf dem verdreckten Auto, die Zeichensprache eben dazu und die ist perfekt von jedem verständlich.
In Altai gehen wir in den kleinen Supermärkten und auf den Markt einkaufen, bummeln über den Markt auf der Suche nach Fleisch und Gemüse. Es gibt alles, sogar recht gute Qualität, man muss es nur finden! Da sind die Mongolen wieder sehr freundlich und behilflich.
Die Leute tragen auch hier noch ihre Filzhüte mit breiten Krempen wie in Südamerika oder wie die Cowboys mit Kinnriemen. Dazu handgearbeitete, sehr dicke Lederstiefel, das Schafsfell nach innen und zusätzlich noch einen Filzinnenschuh; die imponieren uns. Sollen wir oder sollen wir nicht? Nein, im Winter sind wir nicht in so kalten Gegenden und im deutschen Winter würden wir „im eigenen Saft“ stehen. Und der Platz, den die Stiefel zum Transportieren brauchen! Also nicht, obwohl sie nur um die 100€ kosten.
Toll sind auch die dicken, mehrschichtigen, wattierten Mäntel, die mit einem Gürtel um den Bauch getragen werden. Die äußerste Schicht ist oft sehr schön aus Seide gearbeitet.
In denen kann man den ganzen Einkauf verstauen! Könnte man bei uns höchstens als Morgenmantel benutzen-dazu sind sie aber auch viel zu dick und wieder die Frage: wohin damit?
Es wir gemailt, geskypt, Infos für unsere „Wintertour“ schon eingeholt, der Flug nach Bangkok online gebucht, die Internet-Simkarte muss auch neu geladen werden, Bier wollen wir kaufen. Oh, heute und morgen gibt es keins! Warum? Wissen wir nicht. Die Zettel an den Ladentüren können wir nicht lesen. Vielleicht ist es wie in Russland oder sagen wir, wie in fast ganz SO-Asien. Wenn besondere Feiertage, Schul-oder Universitäts-Abschlüsse bald stattfinden, dann gibt es keinen Alkohol zu verkaufen. Man soll nicht so viel trinken. Wer ahnt denn schon, dass die Leute längst vorgesorgt haben?! Aber Umsatz will man dennoch machen! Also kommt die Palette mit den Bierbüchsen in einen großen Karton, der wird ins Auto getragen, die Biere werden ‚raus genommen und der leere Karton zurück in den Laden gebracht. Das geht so lange, bis alles Bier verstaut ist. Es ist diesmal bei uns etwas mehr weil wir ja ins südliche Altai-Gebirge fahren wollen.

Nach ein paar Tagen brechen wir mittags wieder auf. Es ist ziemlich windig und viel Sand fliegt durch die Stadt, vielleicht ist es draussen im Grünen besser.
Sehr weit kommen wir nicht, es wird schwarz wie die Nacht, stürmig, schnell noch hoch auf einen Hügel beim Baargangiyn davaa! Neugierige Pferdeherden ziehen zu uns heran, da kracht es auch schon, unser Auto bebt, wir kommen uns wie in einer stürmischen Autowaschanlage vor. Es geht so weiter bis in die Nacht. Die Autos, selbst die LkW’s bleiben unten auf der Hauptstrecke stehen, nichts geht mehr. So ein Gewitter, mit so einem Regen, hatten wir bisher nur in den Tropen, das Wasser rinnt in Bächen an unserem Auto vorbei. Gut, dass wir hier oben stehen. In der Nacht wird es etwas ruhiger. Aber am nächsten Morgen ist es nicht viel besser, bis wir aus dem Gebirgszug ‚draussen sind und das mittlere Inferno hinter uns lassen. Wenigstens ist der steinige Untergrund der „Strasse“ fest und sie ist auf einem Damm gebaut.

Die Landschaft und das Wetter ändern sich in der Ebene schlagartig. Hier ist Wüste. Kamelherden ziehen an uns vorbei und wir quälen uns über diese stellenweise schreckliche Wellblechpiste-die Wellen sind zu hoch und die Abstände von Welle zu Welle für uns sehr, sehr unangenehm.
Im Gebirge rechts und hinter uns ist immer noch Weltuntergangsstimmung. Die Blitze, die sich aus den Wolken zur Erde hin entladen, bilden in der Ferne ein tolles Szenario.
Bei uns scheint herrliche Sonne, es ist warm, der Himmel strahlend blau. Welch ein Kontrast.
Auf einmal kommt ganz unerwartet Wasser in kleinen Bächen von rechts an geflossen. Nanu?
Eine Folge der Unwetter im Gebirge. Aber sie sind noch klein. Wohlweislich ist die Trasse auf der wir fahren noch immer auf einem Damm angelegt, kilometerlang. Man sieht es an der Erde, den Furchen, den Brücken und Rohren, dass es hier richtig schlimme Zustände geben kann.
Die Landschaft wird bald wieder grüner, wilder Schnittlauch wächst auch hier, es ist ruhig. Hier in der Nähe von Darvi übernachten wir. In einiger Entfernung donnern noch ein paar hochbeladene LkW’s mit Hänger vorbei. Waghalsige Burschen mit einem wirklich knochenharten Job. Was würden unsere LkW-Fahrer dazu sagen: Mit diesen Autos, auf diesen Pisten, bei diesen Arbeitszeiten?
Wir haben Vollmond-ein herrlicher Anblick über der weiten Steppe, aber Mücken hindern uns, schön gemütlich das alles draussen im bequemen Stuhl zu geniessen. Schnell ‚rein!

Links von uns kommen langsam die ersten 4000der des Altai Gebirges, z.B. gleich über uns der Sutay Uul (4220m) mit seiner Gletscherkappe, ins Blickfeld. Da kann einer sagen, was er will, Gebirge und Berge, egal wie hoch, sind einfach schön zum Anschauen und natürlich, mit Kondition, auch zu besteigen! Hier im Altai gibt es nur von Tieren ausgetretene Steige, ansonsten geht es mehr oder weniger querfeldein, ziemlich anstrengend. Und die Wege sind weit. Da muss man besser reiten. Wir begnügen uns mit dem „Von unten nach oben schauen“.
Nun ist es mit der Piste nicht mehr lustig, die gewohnten Baustellen kennen wir ja schon, aber hier, da sind wir uns einig, „artet es aus“! Selbst die normalerweise etwas besseren, parallel zur Hauptstrecke, gelegenen Passagen sind hier miserabel. Zu allem Überfluss kommen auch noch riesige Viecher durch die Luft geflogen. Das hatten wir das letzte Mal in Chile. Sie sind wie 4cm lange „Hummel-Fliegen“, sie stechen nicht, sie beissen nicht, sind aber überall und unvorstellbar lästig! Hier können wir unmöglich bleiben. Wir müssen noch weiter fahren, sehr widerwillig, aber Baustelle mit Dreck und Krach und diese Viecher dazu, das ist zuviel.

Bei Zereg finden wir einen netten Platz direkt an einem derzeit verlassenen Bauernhof, der uns etwas Windschutz bietet. Wir können aber nicht vor’s Auto treten-keine „Hummel-Fliegen“, aber Mücken über Mücken! Die stört nicht einmal der starke Wind. Jetzt hat es uns also nun doch noch erwischt! Wäre ja auch nicht normal gewesen: weder in Sibirien noch in der Mongolei Mücken-das gibt’s ja gar nicht. Die Mücken sind wohl auch der Hauptgrund, weshalb hier alle umliegenden Höfe derzeit gut „verrammelt“ und unbewohnt sind. Wir lesen dann im Reiseführer, dass manche Ortschaften in dieser Region zeitweise regelrecht wegen Mückenplage evakuiert werden.
So holpern wir am nächsten Tag weiter, Baustelle folgt auf Baustelle, dann kommen ca. 35km Asphaltstrasse. Ach, ist das schön!

Bei Mankhan ist die Herrlichkeit schon wieder vorbei. Wir biegen nach links ab Richtung Altai-Gebirge. Die Furt durch den kleinen Fluss ist i.O. Wir nehmen natürlich die PkW-Furt, die LkW-Furt von den Baustellenfahrzeugen wäre zu tief gewesen, und übernachten auf dem Botgon Hotol, einem Pass in 2024m Höhe-mückenfrei!
Gegen abends ziehen kleinere Gewitter über uns hinweg. Nach dem Regen ist der Blick ins Tal wie der Blick auf eine Reliefkarte-ganz klar und wunderschön.
Langsam geht es weiter über kleine Pässe und Anhöhen. Ständig halten wir an, müssen schauen, fotografieren: Berge, Täler, Kamele, Pferde, Gers, Schafherden und natürlich die allgegenwärtigen Erdhörnchen. Auf dieser Strecke waren wir immer in guten Fahrspuren neben der sich im Bau befindlichen neuen Strasse Richtung China unterwegs. Plötzlich ist die Trasse der nagelneuen Chinesen&Koreaner-Strasse befahrbar, obwohl sie noch längst nicht fertig, aber jetzt schon für mongolische Verhältnisse fast perfekt ist.
Die neue Strecke führt an Mankhan vorbei über die Berge nach Bulgan und weiter zur Grenze nach West-China. Augenscheinlich ist sie für den internationalen Grenzverkehr schon offen, Rotel-Tours fährt lt. Prospekt diese Route lang.
Über eine kleine Anhöhe noch bei Bayanzhur ins nächste Hochtal, ein paar kleine Bäche queren und nahe des Fahrwegs Richtung Monhayrhan bleiben wir für ein paar Tage stehen.
Oberhalb eines kleinen Baches, 1000m entfernt von den Gers der mongolischen Hirtenfamilien, die jeden Morgen und Abend ihre Yaks, Pferde, Schafe und Ziegen an uns vorbei treiben, finden wir einen schönen Platz. Ab und an kommt jemand vorbei und besucht uns, z.B die Mädels, die den Kot der Tiere einsammeln zum Trocknen und zum späteren Heizen. Wie war das nochmal mit den „erneuerbaren Energien“? Wir verschenken etwas Obst und bekommen dafür Käse und Milch. Einfach lecker. Hier waschen wir unsere Wäsche und uns selbst am Bach, Uwe schaut mal wieder nach dem Rechten am Auto, Tagebuch schreiben, und, und, und. Es gibt immer ‚was zu tun-und wenn es „Erdhörnchen beobachten“ ist.

Nach drei Tagen wird unsere Idylle abrupt unterbrochen.
Hinter uns wird es schwarz am Himmel, die Mongolen fangen ganz hektisch an, Ihre Zelte noch mehr zu verzurren, alles lose, verstreut liegende Gut einzusammeln, den Dung mit Planen abzudecken und was uns am Meisten erschreckt ist, dass sie Ihre Tiere aus dem Tal über den Berg treiben.
Das ist für uns der Startschuss. Mit dem aufkommenden Wind, der zum Sturm wird und die Luft im Tal mit Sand füllt, geben auch wir Gas. Wir müssen die feste „Chinesenpiste“ erreichen und über den letzten, in dem Baustellenbereich total zerwühlten Pass ‚rüber. Bei starkem Regen würde hier sicher länger nichts mehr gehen, im trockenen Zustand war es schon nicht lustig auf dem Hinweg.
Hinter uns kracht es, vor uns staubt es ganz gewaltig aber es bleibt in der Hochebene trocken. Wir wissen nicht, ob unsere „Flucht“ notwendig war oder nicht. Aber lieber so als anders.

Unterhalb von einem der nächsten Pässe übernachten wir windgeschützt. Am nächsten Morgen ist alles wie ein Spuk vorbei. Allerdings, dieses Wetter-Schauspiel haben wir jetzt fast täglich im Gebirge, ‚draussen ist alles ruhig.
In einem anderen kleinen Seitental bleiben wir noch oberhalb von einem kleinen Bach, windgeschützt stehen. Oft wählen wir die Stellen, wo die Nomaden ihre Zelte zeitweise aufstellen. Das erkennt man gut an den runden Abdrücken der Zelte und den drumherum kreisförmig angeordneten Steinen, die dann die Zeltbahnen der Gers sichern. Diese Plätze sind immer sicher vor Überflutung und Sturm. Seit „ewigen Zeiten“ ziehen die Familien auf die gleichen Plätze. Sie müssen erprobt sein.
Wir treffen hier noch einige ältere Hirten, die vorbei geritten kommen. Es sind alles feine, nette Menschen, mit denen es uns Spass macht, zu „reden“. Wir verstehen uns.

Nach ein paar Tagen geht es weiter und wir kommen bald nach Chovd. Die Stadt ist viel größer als Altai, ist aber auch nicht so toll. Die Leute sind sehr nett und helfen uns, eine Wäscherei zu finden, nahe am Markt können wir unseren Luftfilter richtig fest ausblasen lassen. Der normale Haushalts-Alltag hat uns wieder.
-Wäscherei: vom Nomin-Supermarkt kommend, vor dem Theater rechts eine Gasse ‚rein (ca. 48°00’14“ 091°38’41.79“), an der Ecke zur Hauptstrasse ist links ein Restaurant, weiter hinten rechts eine Kneipe mit zwei goldenen Herzen. Dann kurz links ist an einem rückwärtigen Eingang (eher Verschlag) eine braune gepolsterte kleine Türe. Dahinter ist die Reinigung! Findet man alleine nie!-
Am Nachmittag trifft bei uns am Auto eine Gruppe von acht Engländern ein, von 18 bis über 80 Jahre. Sie sind unterwegs mit ihren schwer bepackten kleinen, schon „antiken“ Mofas, Mopeds und Motorrädern. Ein bisschen „Woher, wohin“, ein paar Erinnerungsfotos, dann fahren sie vor die Stadt zum Zelten. Nach zwei Tagen ziehen auch wir weiter.

Wieder geht es über Pässe, durchs Gebirge, über schöne Weideflächen. Aber zum Schluss landen wir natürlich auf Baustellen. Irgendwie sind wir, wie es scheint, zwei Jahre, wenn es reicht, zu früh hier in der Mongolei.
So kämpfen wir uns langsam über (nur) landschaftlich sehr schöne Gebirgsstrecken weiter bis zum Tolbo-See vor. Er liegt wunderschön zu unseren Füssen, aber wie den ganzen Tag schon, müssen wir in unserem „Schnecken-Häuschen“ bleiben, die Mücken sind hier ekelhaft, selbst in 2100 m Höhe! Das Wetter trübt sich nach dem herrlichen Sonnenuntergang auch wieder ein.
Hier beginnt wieder ein langer Strassenbauabschnitt. Am nächsten Vormittag giesst es, die Spuren neben der Baustellen-Strecke werden glitschig. Dank 4×4 mit Untersetzung, dazu unsere Stollen-Reifen und bei ganz langsamer Fahrweise haben wir aber keine Probleme. Allerdings muss man nun schön brav auf der Spur bleiben, egal ob sie gut oder hundsmiserabel ist.
Diese „Baustellen-Umgehungs-Kathastrophen“ haben es immer in sich. Wir können zuschauen, wie sich die Gräben, alte Reifenspuren, Tümpel rechts und links von der Piste mit Wasser füllen und langsam zu kleinen reissenden Bächen werden. Zu allem Überfluss liegen die Wolken so tief, dass nur wenig von der Landschaft zu sehen ist.

Langsam kommen wir nach Ölgii. Der Fahrweg ist immer noch schrecklich aber immerhin trocken und Mücken gibt es hier auch keine. Was wollen wir mehr. Von der Anhöhe vor der Stadt blicken wir hinab auf unser Tagesziel. Irgendwie sind diese Tiefblicke immer wieder beeindruckend.
Ersteinmal müssen wir vor der Einfahrt in die Stadt, noch oben an dem Übergang, zur kostenlosen Registratur wegen der Maul-und Klauenseuche. Dann geht es hinab und auf dem Hof von einem kleinen Traveller-Ger-Camp können wir die nächsten Tage stehen. Hier gibt’s sogar eine Waschmaschine. Die Toiletten sind rein mongolisch, d.h. „Plumsklo“, wofür man doch ein gewisses Gleichgewichtsgefühl mitbringen sollte. Natürlich heisst es wieder einkaufen gehen, auf den Markt, Wäsche waschen, den Tag mit Internet, Telefonieren und Mailen verbringen, Tagebuchschreiben, Fotos sortieren, also das immer für uns Normale erledigen. Hier trifft man auch recht viele Touristen, mit denen man mal den Tag verbringen und Neuigkeiten erfahren kann.

Wir hören zu unserem Leidwesen, dass die Gebiete von Saksei, Ulankhus und Tsengel von Ölgii aus weiterhin gesperrt sind. Von hier geht keine andere Piste in den Altai Tavan Bogd-NP, zu den, wie es heisst herrlichen Seen, zu den Bergen wie dem höchsten, dem Chüiten Gipfel und den Gletschern des Altai. Die Maul-und Klauenseuche ist noch nicht vorbei, besagte Strassen in diese Gebiete dürfen nicht befahren werden. Wie lange das so geht, kann uns niemand sagen. Die Touristik-Unternehmen hier leiden schwer, gebuchte Touren können praktisch nicht legal durchgeführt werden.
Man müsste bis fast zur russischen Grenze fahren, dann nach Richtung Süden und von hinten ‚rein und sich dort durchkämpfen. Die Pisten sind auf unserem Navi und der Landkarte nur ganz zart bis gar nicht eingezeichnet. Sowas bezeichnen wir eher als breiten Trampelpfad. Und wir hören dann auch von Engländern, dass es schlimm war, manche Teilstrecken ging es im Bachbett entlang. Wenn das schon Engländer sagen, die sicher nie zimperlich sind und alles eher sportlich sehen! Es waren allerdings auch UAZ-Fahrzeuge mit Fahrer, mit denen sie unterwegs waren. Diese Strecken da oben werden wohl auch inzwischen immer seltener befahren.

Wir beschliessen, diese Tortur weder uns noch dem Auto zuzumuten und verzichten schweren Herzens. Zu allem Übel gehen so ziemlich täglich im Gebirge schwere Gewitter ‚runter. Da wollen wir dann auch nicht unbedingt in den Tälern stecken und zu sehen ist die ganze Umgebung nur am Vormittag, mittags fallen fast täglich die Wolken ein. Schade. Wir haben eben schon fast Mitte August, d.h. Regenzeit.
Na gut, das Leben ist ja hoffentlich lang, von Russland aus kann man auch noch ins Altai, …so bleibt uns immer noch ein Ziel übrig für spätere Zeiten.
Unser Weg führt uns also nach ein paar Tagen direkt zur mongolisch/russischen Grenze am Tsaagan-Nuur vorbei ins russische Tashanta. Die Piste bis dorthin ist in Ordnung und direkt am Grenzort übernachten wir, verbringen unsere letzte Nacht in der Mongolei. Wir stehen nachmittags inmitten von Tieren, Kindern und netten Mongolen. Es folgt noch einmal eine sehr schöne, ruhige Nacht.

Wir hatten keine Rad/Reifenpanne, sind immer ganz langsam gefahren, hatten keinen einzigen Schaden, weder am Auto noch an der Kabine, sind nie im „Morast versunken“.
Ohne Probleme konnten wir dieses für uns so wunderschöne Land bereisen. So einmalige Übernachtungsplätze, die so einfach zu finden sind, werden wir auf unseren weiteren Reisen sicher nicht mehr haben! Wir kennen kaum ein Land auf der Welt, das so unproblematisch zu bereisen ist.
Wir hatten ein Dreimonatsvisum, mit dem mongolischen Altai-Gebirge wäre diese Zeitspanne genau richtig gewesen. So hatten wir auch nie Zeitdruck, konnten alles langsam und gemütlich angehen. Hatten viel Zeit, um uns in dieses Land „hineinfallen“ zu lassen.
Alles stimmt im Sommer: Essen und Getränke, Tankstellen, die Preise, das angenehme Klima, Internetverbindungen per Stick, die für uns sehr schöne Landschaft! Wir brauchen keine Bäume zum Glücklichsein! Die Fernsicht ist einmalig. Das Land ist sicher, die Menschen haben wir als unheimlich freundlich und ehrlich kennen gelernt!

Wir sind sehr beeindruckt und glücklich, in der Mongolei gewesen zu sein!

Nun geht es wieder weiter in ein Land, das wir schon etwas kennen, jedoch in eine ganz andere Region. Wo andere Volksgruppen leben und die Landschaft eine ganz andere ist. In ein Land mit Asphaltstrassen!

Morgen geht es nach Russland hinein, zunächst ins russische Altai.
Wir werden weiter berichten.