07.02. bis 16.05.2007

Nach unserer ersten Nacht in Uspallata auf einem sehr merkwürdigen Campingplatz gleich hinter der Touristinformation gehen wir einkaufen und Ausschauhalten nach einem besseren Platz für 2-3 Tage.
Es ist fast unmöglich aber wen treffen wir? Gerardo mit der ganzen Clique, dann auch Gerry und Jan. Durch Gerardo, „um fünf Ecken“ arrangiert, fahren wir auf eine Estancia, die „Cueva Norte“ und feiern dort Zayras, Gerardos Frau, 23. Geburtstag!

Jorge, ein Freund der Estancia, holt uns ab, bischen Kuchen und Kerzen für die Geburtstagstorte einkaufen, dann geht es los. Auf der Estancia angekommen wird eine Ziege geschlachtet und solange dann dort gekocht wird, lassen Jorge und Gerardo mit uns in ihren Autos „die Sau raus“. Es geht kreuz und quer über die Estancia, bergauf und bergab, über ausgetrocknete Seen kurvenfahren, durch Schluchten und über Höhenrücken. Unser Auto steht in Uspallata. Das ist auch besser so, denn wo und wie Jorge fährt, das ginge mit unserer Camionetta nicht! Dann schauen wir noch ein bischen ‚rum, helfen beim Tischdecken, und endlich wird gefeiert, gesungen, gegessen und getrunken.
Am nächsten Tag fahren wir alle mit unseren eigenen Autos zur Estancia. Wir essen gut und dann geht es los: die Pferde werden zusammen getrieben, jedem wird je nach Können bzw. nach Nicht-Können sein Pferd gesattelt und wir gehen reiten. Gute vier Stunden über einen Teil der Estancia. Sie ist 63.000 ha groß,haben wir richtig verstanden? Sie zieht sich bis Mendoza! Diego, der Sohn der Besitzerin, schaut bei der Gelegenheit nach seinen Rinder-, Schaf- und Ziegenherden. Wir kommen über herrliche Höhenrücken, durch tiefe Schluchten und zu guter Letzt noch in den dicksten Nebel. Nach der ersten halben Stunde haben wir „Nichtkönner“ Vertrauen zu unseren erfahrenen Pferden gefasst, die uns sogar auf Zügelzug gehorchen und so haben wir den Tag unheimlich genossen und werden die Zeit auf der Estancia nie im Leben vergessen. Wir übernachten alle oben, nur die Pferde scharren mal mit den Hufen in der Nacht, Hund und Katze schlafen auch bald und über uns ist dieser phantastische Sternenhimmel von Südamerika- unfassbar klar und schön.
Noch einen Tag verbringen wir zusammen mit allen anderen „Reisegefährten“, wer weiß ob und wann wir uns wiedersehen. Wir fahren über das Gebirge weiter nach Villavicencio, dem ehemaligen Mineralwasserort Argentiniens, und dann nach Mendoza. Früher kam das Wasser sogar aus den Wasserhähnen des kleinen Thermalbades, das ist aber jetzt längst vorbei und das Mineralwasser trägt zwar noch den Namen aber kommt nicht mehr aus dieser kleinen Quelle.

Nach Mendoza, wo wir noch zwei Tage mit Ruth und Marcel verbringen, fahren wir weiter Richtung San Luis. Westlich von San Luis, in Baden, auch einem Thermalbad, gehen wir baden. Wir m ieten uns ein „Doble“, ein Zimmer, für eine Stunde. Eine riesige Mosaik-Wanne mit drei Stufen ist im Fußboden eingelassen. Warmes Thermalwasser von 40-45°C fließt ein und wir gehen dort baden wie bei den alten Römern. Mit eiskaltem Wasser, das von oben aus der Wand kommt, kann man sich zwischendurch abkühlen. Am nächsten Morgen leisten wir uns nochmals ein Bad und anschließend lassen wir uns eine Ganzkörpermassage angedeihen. Sie dauert fast eine ganze Stunde und ist sehr, sehr angenehm!

Genug der Pflege, wir müssen weiter fahren. Immer westlich der Sierra de Comechingones, der Sierra de Achala und der Sierra Grande entlang, auf deren anderer Seite Cordoba, Alta Gracia und unser Ziel für die nächste Zeit, nämlich Villa General Belgrano liegt. Hier erleben wir wieder eine ganz andere Landschaft wie bei Mendoza:
Es schaut bald gar nicht mehr sehr argentinisch und „pampamassig“ aus. Es ist alles sehr grün, dicht bewachsen, die Dörfer sind mehr Streusiedlungen, die Straßen z.T. Piste; alles ist noch sehr urwüchsig, hier herrscht sehr oft noch das Pferd als Fortbewegungsmittel vor oder natürlich der Uralt-Pick-up. Dann kommen wir durch eine Gegend mit vielen schönen Yuca-Palmen. Es ist die Umgebung von Papagayos, einem kleinen Dorf mit einem Freibad wo wir übernachten. Es wir ein recht lustiger Nachmittag: für Groß und Klein gibt es eine Theatervorstellung von einem
„ Drei-Mann-Wandertheater“ . Man macht sich z.B. über die chilenischen Lebensmittelkontrollen an der Grenze lustig! Leider können wir den Text nicht verstehen. Abends gehen alle wieder nach Hause, nur wir bleiben über Nacht.
So kommen wir langsam nach Villa Merlo, ein Touristenort mit viel Trubel. Von dort wollen wir auf die Sierra zum Rincon del Este, dem Aussichtsberg schlechthin, wo wir hoffen, übernachten zu können. Aber man sieht vor lauter Dunst wenig, es ist sehr kalt, ziemlich windig und ungemütlich. Wir nehmen die Piste weiter nach La Paz unter die Räder. La Paz: natürlich mit einer tollen Touristinformation auf der Plaza. Beim Schwimmbad, dem Balneario, können wir wieder übernachten. Eine große Wiese, unter Bäumen, mit Stromanschluss und dann auch Toiletten und Duschen, die extra für uns und ein argentinisches Ehepaar aufgeschlossen werden. Die Nacht wird laut: neben uns steht ein Steinturm, ein Zwischending zwischen Festungs- und Taubenturm und aus ihm fließt aus 10-15m Höhe die ganze Nacht Wasser aus einem dicken Rohr in weitem Bogen herab auf die Steine. Ziemlich viel und laut!

La Paz ist eine richtige kleine „Westernstadt“. Die Leute kommen per Pferd in die nächste Wirtschaft geritten, gehen mit Pferdefuhrwerken einkaufen, Pick-up’s kommen und bleiben mitten auf der Straße stehen zum Neuigkeiten austauschen. Es ist eine „Idylle“. Wir fahren weiter durch Weideland, Buschwerk, an vereinzelten Cabanas vorbei, dann noch ein Stück abenteuerliche Piste von San Javier nach Las Tapias. Man muss es gesehen haben, wie hier die Leute leben: Pakistan, Indien? Ist manchmal nicht viel anders!
Wir fahren über die Sierra hinweg nach El Condor. Es ist kein schönes Wetter, es regnet und wir können alles hier oben gar nicht richtig genießen. Über den zweiten Höhenrücken hinweg erreichen wir Alta Gracia, die alte Jesuitenstadt.
Es ist schon sehr spät, deshalb fahren wir weiter zum Campingplatz am Freibad. Ein häßlicher Platz: dunkel, sandig, schmutzig, Toiletten und Duschen?? Natürlich schauen wir uns das Kloster an, für hier eine Besonderheit. In Europa gibt es andere Klöster; man sollte natürlich nicht vergleichen, aber unsere Besichtigungstour ging sehr schnell.
Uns hat Alta Gracia nicht sehr gefallen.

Am nächsten Tag fahren wir wieder weiter hoch in die Cebrada de Achala, das nahe Gebirge über Villa General Belgrano. Wir kommen durch eine wilde Gegend, Weideland, durch grüne üppige und durch verbrannte Wälder.
Riesige Waldgebiete sind durch Brand vernichtet. Es schaut schrecklich aus. War es unvorsichtige oder absichtliche „Brandrodung“? Wir werden es nicht erfahren. Kaum jemand wohnt hier. Durch das Gebirge, z.T. sieht es aus wie im Schwarzwald, kommen wir dann nach vielen Stunden, es wird schon fast dunkel, nach Yacante de Calamuchita. Hier ist es schlagartig tief schwarz, nicht von der Nacht, sondern schwere Gewitter begleiten uns. Wir fahren weiter nach Santa Rosa und dann endlich auf Asphaltstraße nach Villa General Belgrano. Dort fahren wir zu unserem Ziel der ersten Etappe unserer Reise in Südamerika: Camping „La Florida“.
Etliche Globetrotter sind schon da, viele haben ihre Fahrzeuge während des „Heimaturlaubs“ hier geparkt, sind Heim geflogen, wie wir es auch machen werden. Andere werden noch kommen, werden schon von Ralf Lage und Bettina, die den Platz „beseelen“ erwartet.
Wir reden mit Ralf und Bettina, die hier alles aufgebaut haben: eine Mischung zwischen „grünem“ Bauernhof, Campingplatz und Aussteigeridylle mit Schafen, Ziegen, Pferden, Hasen und Hühnern und den vier Hunden. Morgens werden wir alle auf dem Platz von den Tieren begrüßt. In den Bäumen leben ganze Scharen von kleinen grünen Papagaien. Der Platz, der kleine Viehhof, ist sehr schön, ruhig, heimelig. Wir stehen am Wiesenrand beim Spielplatz, die Hühner kommen betteln, die Ponys grasen vor dem Auto, die Schafe und Ziegen „mähen“ die Wiese. Alles ist sehr ruhig, sauber und einfach schön. Wenn Ralf oder Bettina da sind, dürfen auch die vier Hunde überall herum tollen und ihre Streicheleinheiten abholen kommen. Gegen abends haben Ralf und Bettina auch immer Zeit, bei einem Gläschen Feierabendwein zu erzählen oder auch Probleme der Globetrotter zu lösen, zu helfen zu raten.

Sonntags gibt es für den, der will, die deutsche Wochenzeitung, das „Argentinische Tageblatt“ ans Auto gebracht und um 14°°Uhr kommen (fast) alle zum obligatorischen Asado von Ralf. Es ist sehr viel, sehr gut und man braucht so seine Zeit. Viel Erlebtes gibt es zu berichten, Neuigkeiten und Wissenswertes tauschen wir untereinander aus, Ralf erzählt seine Geschichten und Anekdoten, all das Gute soll aufgegessen werden. Es wird spät, bis wir alle ins Bett kommen!
Die Tage vergehen wie im Fluge, immer ist irgend was los, ständig kommen neue Leute. Wäsche waschen, putzen, Auto wieder auf Vordermann bringen. Als Abschluss gehen wir, die gerade da sind, alle noch gemeinsam im deutschen „Bierkeller“ Essen und Abschied feiern.
Einen Tag fahren wir nach Cordoba, aber mit dem Bus. Es ist alles nicht so einfach wegen der argentinischen Geschäftszeiten, an die wir uns nie richtig gewöhnen werden. Wir kommen an, die Museen und z.T. Kirchen sind aber mittags zu und machen erst zwischen 16°° und 17°° Uhr wieder auf. Das ist leider alles mit der Busfahrt nicht zu schaffen. So schlendern wir durch die Stadt, durch die Fußgängerzone, den Altstadtkern mit den vielen alten Häusern, Kirchen, Regierungs- und Universitätsgebäuden. Einfach nur Atmosphäre schnuppern.
Am 08.03. ist es soweit, abends bringt uns Ralf zum Busbahnhof und wir fahren nach Buenos Aires. Überall und bei allen „Tschüs“ sagen. Von Anatol und Marianne bekommen wir die Adresse von einem kleinen Hotel in Buenos Aires: Hotel Ivan in der Av. Gallo, nahe Subte Carlos Gardel. Dieser Tip ist goldwert!

Mit dem Bus fahren wir in der Cocha-Cama-Klasse sehr nobel und bequem ins Capital Federal, sogar inkl. Essen und Trinken! Da kann sich die Lufthansa „eine Scheibe von abschneiden“!
In Buenos Aires nehmen wir uns noch ein paar Tage Zeit, schauen uns noch manches an, z.B. Boca und San Telmo, erledigen noch unsere Versicherungssachen, kaufen ein paar Kleinigkeiten für zu Hause ein.
Dann ist auch diese Zeit vorbei und das Flugzeug der Lufthansa bringt uns über Sao Paolo direkt nach Frankfurt/Main und weiter nach Berlin zur Familie, dann fahren wir mit dem Berliner Auto nach Fürstenfeldbruck zu unseren Kindern.
Unser achtwöchiger „Heimaturlaub“ beginnt.