14.12. bis 11.01.2007

Morgens geht es los zur Grenze nach Chile, die ist gleich erledigt, dann fahren wir den Lago General Carretera entlang zur Carretera Austral.
Das ist die Strasse bzw. Piste, die von Pinochet bis in den tiefsten Süden von Chile, bis Villa O’Higgins, vorangetrieben wurde. Der Ausblick auf See und Landschaft ist anfangs wahrhaft grandios. Je weiter wir aber nach Chile hinein kommen, um so schlechter wird das Wetter und es fängt bald an zu regnen. Trotzdem können wir oberhalb des Sees am Steilufer entlang mit herrlichen Ausblicken die Piste geniessen. Die Piste ist üppig eingesäumt von breiten Strauch-Rabatten voller gelber Blüten, vielleicht gar eine Lupinienart? Ein wunderschöner Anblick! Vorallem bei dem Wetter, denn je weiter wir an das Ende vom See kommen umso mehr regnet es und die Wolken liegen förmlich auf dem Wasser. Gegen Abend, bei dramatischer Wolkenstimmung und nur noch etwas Nieselregen bleiben wir in Puerto Rio Tranquillo, gleich hinter der Touristinformation am Strassenrand stehen. Kein Ton ist nachts zu hören, selbst die Hunde schlafen.

Am nächsten Tag geht es die Piste weiter. Sie ist z.T. sehr schlecht, zwischendurch sind ständig Baustellen, es giesst in Strömen, rechts und links der Strasse fliessen kleine Bäche, der Wald wird dichter; kalter Regenwald umfängt uns. An Puerto Murta fahren wir vorbei. Murta ist ein kleines Nest mit einigen Cabanas, einem Lebensmittelgeschäft und „Hotels“ für Angler, sonst nichts. Es ist alles jetzt ganz unwirklich, kein Mensch ist mehr unterwegs, es giesst weiter, ganze Wasserfälle kommen aus dem Wald gestürzt! Und bald können wir den Flusslauf des Rio Ibanez ausmachen, leider aber nicht den Vulkan Hudson sehen. Die Carretera führt durch vom Vulkan Hudson verwüstetes Gebiet. Ganze Wälder wurden unter meterhohe Asche begraben, der Rest ist bis weit oben am Berg abgebrannt. Meterhoch wurde die gesamte Vegetation und Siedlungen des ganzen Gebietes hier vom Ascheregen erstickt, ganz Patagonien in Mitleidenschaft gezogen. Auch im Lago General Carretera liegt noch meterhoch die Asche auf dem Grund, die ganze Landschaft wurde verändert, z.T. überschwemmt. Der Fluss läuft hier sehr hoch, hat auch ein neues Flussbett finden müssen, so wie die Piste neu durch die Lava angelegt werden musste. Es ist gespenstisch und gar nicht so lange her! 1991 hat sich diese Katastrophe ereignet.

Wir kommen nach Villa Cerro Castillo. Ein kleines, neu aufgebautes Städtchen und das Wichtigste hier: es geht auf Asphalt weiter hoch zum 1100m hohen Ibanez-Pass. Wir kommen durch eine langsam dichter bewohnte Gegend mit vielen Estancias, wenig Wald, viel Weideland, und der Blick öffnet sich bis weit hinaus in die Gegend von Coihaique. Und! Es regnet nicht! Der Camping in Coihaique ist so klein, dass wir nicht ‚drauf kommen. So gehen wir einkaufen in einem riesigen Supermarkt. Das Angebot in Chile ist hervorragend, besser wie in Argentinien aber auch teurer. Aus der ganzen Umgebung kommen die Leute mit ihren Pick-ups zum Einkaufen. Die Stadt ist sehr geschäftig, an der Plaza ist der Weihnachtsmarkt aufgebaut! Wie zu Hause bieten hier Kunsthandwerker in kleinen Buden ihre meistens selbst hergestellten Waren an. Alles ist sehr nett und mit viel Liebe dekoriert. An der Strasse nach Norden ist ein Campingplatz, auf dem wir für 2000$p.P. über Nacht bleiben. Alles ist da: Strom, Wasser, heisse Duschen, ein überdachter Sitzplatz und Sturm und wieder Regen. Ein schöner Platz, wir stehen gut geschützt. Die Toiletten und Dusche sind wie fast immer sauber aber abenteuerlich.

Wir fahren am nächsten Tag weiter nach Norden bis Villa Manihuales. Danach geht bald wieder die Piste los durch dichten Regenwald. Wieder kommen ständig Baustellen, mit z.T. sehr üblen Umleitungen, noch dazu bei dem Regen, der die neue Piste auch schon wieder fast wegschwemmt. Nach dem Abzweig nach Puerto Cisne ist die Piste sehr gut aber auch sehr schmal. Ein Fahrzeug muss hier, vorallem wenn es so glitschig ist, nicht unbedingt entgegenkommen! Ausweichen geht nicht, dann muss einer von beiden kilometerlang zurück.

Wir sind nun im Queulat-Nat.Park. Rechts und links geht der Wald steil hoch, mächtige Wasserfälle rauschen nebeneinander ins Tal, manchmal auch an den Strassenrand, der große Chilenische Rhabarber begleitet uns. Wir sind von allem hier fasziniert. Kein Auto kommt uns entgegen, Gott sei Dank. Nebelschwaden ziehen durch das Tal und den Wald. Riesenschachtelhalm, ein Art Bambus wächst an den Strasssenrändern.
Aber die Carretera Austral bei strahlend schönem Wetter? Das wäre nicht echt, das wäre „Hollywood“!

Am Sento Ventisquero, einem Meeresarm, wird es etwas besser. Es ist ein schöner Fjord, in dem Lachs gezüchtet wird. An ihm liegt die von Deutschen gegründete Ortschaft Puyuhuapi. Dort ist gerade ein „Ball“ im Gange: Leute aus dem Ort sitzen auf Holzbänken, Musik spielt vom Tonband, andere lungern am Eingang herum. Tanzen haben wir niemanden gesehen, vielleicht erst ab 23°° Uhr? Wir bleiben „am Hafen“ über Nacht stehen. Es ist sehr kalt, wir müssen wieder mit unserem POD heizen!

Über die Brücke vom Walter Hopperdietzel, dann am Friedhof vorbei, fahren wir am nächsten Tag weiter. Die „büffeligen“ Leute aus Puyuhuapi lassen wir hinter uns. Wenn man ‚was gefragt hat, erhielt man fast keine Antwort, niemand hat hier zurückgegrüßt. Kein freundliches Wort oder Lächeln. Ein komischer Ort!

Der Rio Palena, der Raftingfluss überhaupt, begleitet uns nun. Rechts und links stürzen wieder gewaltige Wasserfälle herab, kein Wunder, dass die Flüsse so stark und hoch sind. Die Piste ist gut, einzelne Anwesen, Estancias und Ferienhäuser liegen am Wege; so geht es weiter bis Villa Santa Lucia. Ein absolutes Nest mit einer kleinen Holzkirche, die von den Dorfbewohnern richtig nett hergerichtet wurde. Die Leute hier wohnen nicht, sie hausen, was wir sehen können, wenn wir einen Blick in die von unten total nassen Häuser erhaschen können. Viele Türen gehen auf, denn: „Was wollen die Fremden denn hier?“. Innen ein Tisch, Stuhl, Matratzen und eine Blechschüssel, weiter konnten wir nicht hineinsehen. Eine traurige Gegend, obwohl die Ortschaft ja eigentlich direkt an der Carretera Austral, Abzweig Argentinien, liegt. Auch hier: jeder vermeidet Kontakt mit uns Fremden. Man ist wahrscheinlich eine nur auf sich selbst eingeschworene Gemeinschaft.
Wir fahren nun im Tal des Rio Futaleufu entlang. Auch er ist sehr mächtig, reissend und für Wildwasser- und Raftingmeisterschaften bekannt. Ab und zu sieht man Cabanas und Veranstalter für Raftingtouren. Der Fluss ist sehr, sehr schwer zu befahren. Die Piste ist gut und führt uns durch vom Hochwasser oder durch Brandrodung vernichtete Wälder nach Futaleufu zur Grenze nach Argentinien, die aber um 20°°Uhr schliesst. Dort verstecken wir uns auf Geheiss der Polizei unter den Bäumen. Nicht umsonst hat uns der chil. Grenzer dorthin geschickt. Nachts kommt ein fürchterlicher Sturm auf und obwohl wir total geschützt stehen, besser geht es nicht, müssen wir nachts um ½ 3 Uhr unser Dach zuklappen und unten weiter schlafen. Ein kleine Aktion!

Von der Grenze fahren wir weiter nach Esquel, einem touristischen Ort mit Skigebiet im Winter. Ein nettes Städtchen, wo wir uns ein super Asado-Essen gönnen. Den Rest nehmen wir mit und essen noch einen ganzen Tag davon weiter. Dann kochen wir mal Kartoffelsuppe, das ist dem Wetter angemessen! Es ist ausgesprochen kalt, wir müssen immer heizen. Seit der Nacht giesst es wie aus Kübeln, es stürmt und heult der Wind. Einheimische erzählen uns, dass das Wetter so nicht normal ist! Morgen wollen wir weiter nach El Bolson. Dort soll es warm, trocken und windstill sein, denn sie haben angeblich ein besonderes Mikroklima. Mal sehen! Bei herrlichstem Wetter fahren wir noch zum Skigebiet La Hoya und werden mit einer schönen Aussicht belohnt, aber es weht ein schneidend kalter Wind, der uns nicht lange da oben verweilen lässt.

Wir kommen nach El Bolson und tatsächlich ist es hier mehr oder weniger warm und windstill! Wir gehen auf den Camping „Cervezeria El Bolson“ , ein guter Name. Dort essen wir eine hervorragende Pizza für $8 p-P., trinken das gute selbstgebraute Bier und bleiben. Es gibt für 5$ eine Waschmaschine, Strom, Wasser, Sitzgruppe und Grill am Auto. So bleiben wir auf unserem Platz am Gewächshaus. Und!!! Bei den Toiletten kann ich dank WeLan ins Internet. Das wird weidlich ausgenützt. Und Ida und Jeanoaolo aus Bergamo lernen wir auch kenn, zwei ganz liebe Italiener, die wir sicher zu Hause besuchen werden.

So verbringen wir gemütlich den 24. Dezember, Weihnachten! Abends wird es laut, es wird geschossen um 24°°Uhr, gejohlt, gefeiert, gegrillt und Musik auf Teufel komm ‚raus gespielt. Jeder eine andere CD oder einen anderen Sender. Wer das lauteste Radio hat, ist für den Rest der Nacht der Sieger! Das heisst für uns: Ohropax! Die nächsten Tage laufen wir ‚rein in die Stadt, was uns bekannt macht (wer läuft hier schon? Entweder Auto, Fahrrad oder Pferd!), viele Grüßen uns freundlich oder sprechen uns an. Durch Zufall treffen wir Gerardo und kurz darauf auch Jan und Gerry. Wir freuen uns, einander wiederzusehen.
Viel müssen wir erzählen.

Zu Silverster wechseln wir zum Camping La Chacra, wo wir alle gemeinsam mit jungen Argentiniern Silvester feiern wollen. Gerardo wollte zwar lieber zur Salsa-Fiesta in El Bolson, wurde aber von der Jugend überstimmt. So bauen wir noch schnell unser Vorzelt auf, stehen im Regen am Grill, trinken bischen Wein, retten uns ins Zelt zum Essen. Aber das Fleisch ist nicht zu essen, es ist total zäh, typischer „Pansen“, die Würste taugen auch nicht viel. Solches Fleisch, das die Mehrzahl der Argentinier zum Grillen kauft, gibt es bei uns in keinem Laden oder beim Metzger zu kaufen. Das geht sicher bei uns in die Wurst. Das Kilo kostet ca. 4$,das ist 1€, was soll man da erwarten? Wir reden ‚rum, machen Blödsinn und um 24°° wird eine Strohpuppe verbrannt, die Jugend springt durchs Feuer. Um ½ 3 Uhr kommen wir ins Bett. Die Jugend macht noch weiter, aber das hören wir schon nicht mehr. Ausserdem regnet es schon wieder und klappert auf unser Dach.
Wir wollen die nächsten Tage Ruhe haben und gehen für zwei Tage ins Gebirge zum Co. Piltriquitron, die letzten 200m geht Uwe allein zum Gipfel weil ich plötzlich Probleme mit der Achillesferse bekomme. Der „Weg“ war sehr steil, sehr viel „Schutt“ und zum Schluss noch leicht zum Klettern. Die Sicht aber war wunderschön, auch von etwas weiter unten schon für mich. Wir können unser nächstes Ziel, den Monte Tronador im
Nat.Park Nahuel Huapi schon sehen, wo wir einen Tag später hinfahren wollen.

Die Fahrt ist einmalig schön und in Pampa Linda übernachten wir auf dem Camping agreste am Bach. Ein feiner Platz, eben „lindo“! Abends grillen wir unser Fleisch, die Pferde kommen zum Anfassen nahe ans Auto und schauen herein und der Hund bekommt das Fleisch, das wir sowieso nicht mehr schaffen.
Kein Mensch ist in der Nacht zu hören, nur der Bach rauscht.

Am nächsten Tag fahren wir nach San Carlos de Bariloche, kurz Bariloche. Dort laufen wir durch die Stadt, schauen bischen ‚rum. Es ist warm, viel junges Volk tummelt sich in der Stadt, liegt auf den Rasenflächen, man sitzt in den Strassencafès. Es ist eine gute Atmosphäre, Urlaubsstimmung herrscht. Wir fahren mit dem Auto hoch zum Cerro Otto, DEM Aussichtsberg schlechthin von Bariloche und dem Lago Nahuel Huapi. Wir haben herrlichstes Wetter, Sonne, kein Sturm und einen traumhaften Blick über das ganze Seengebiet, das Gebirge und die Stadt! Auf dem Rückweg kommen wir an der Skistation Otto Meiling vorbei und dem
Refugio Berghaus, der ersten Skifabrik, Skischule und Berghütte von Bariloche. Viele ehemalige deutsche Nazi-Größen hatten sich hier versteckt und niedergelassen, Hotels usw. gegründet und wohl auch sehr gut gelebt. Es gibt in Bariloche ein Buch darüber: „Bariloche Nazi“ von Abel Basti, das aber vergriffen war.
Wir fahren nach ein paar Tagen weiter auf der Ruta 40 durch herrliche, asiatisch anmutende Landschaft, durch das Tal des Rio Limay bis Confluenca und weiter zum Lago Traful, nach Villa Traful. Nach ein paar Tagen Ordnung schaffen, mit Jan&Gerry und Gerardo und den Franzosen ratschen fahren wir weiter mit Ziel Chile und der sog. chil. Schweiz.

Über Entre Lagos am Lago Puyehue fahren zum Lago Rupanco. Wir haben herrlichstes Wetter, der Vulkan Osorno zeigt sich traumhaft über der Landschaft! Überall sind Felder und Weiden, leider alles eingezäunt. Wir kommen weiter an den Lago Llanquihue. Die Landschaft mutet heimatlich an mit den Feldern, Wiesen und Hügeln; wie am Ammersee, nur die Vulkane fehlen. Bei Las Cascadas gefällt uns der Stellplatz nicht: stürmisch ist es hier und der Hanta-Virus ist verbreitet! Das brauchen wir nicht unbedingt! Bei Ensenada finden wir einen ganz netten Campingplatz direkt am See! Wir erleben den Sonnenuntergang am Osorno! Welch ein Platz!!! Am nächsten Tag fahren wir weiter zum Lago Todo Los Santos. Kurz davor liegen die Wasserfälle, die Saltos de Petrohue. Der Rio Petrohue bahnt sich hier seinen Weg durch Lavagestein und stürzt einige Meter, im Moment ist Sommer und nicht so viel Wasser, durch die Lavabrocken. Das Tollste daran ist natürlich, dass die Saltos optisch unter dem Osorno liegen. Ein super Bild, wenn nicht in dieser Jahreszeit tausende von Fliegen, doppelt so gross wie bei uns die Hummeln, einem um die Nase schwirren würden! Sonst ist der See als solcher nicht unbedingt so toll, es sei denn, man macht für teures Geld die Bootsfahrt.
Unsere nächste Stadt ist Puerto Vargas. Eine kleine nette Stadt am See gelegen, über allem der Vulkan Osorno, mehr nicht. So fahren wir am Ufer des Sees weiter entlang bis nach Frutillar. Ein kleiner Touristenort mit Musikfestspielen, Strandpromenade und Cafès, wo man nicht anhalten kann ohne sofort Parkgebühren zahlen zu müssen. Das ist eine regelrechte Unsitte, denn man kann eigentlich nicht einmal Essen gehen ohne Parkgebühr! Das Netteste im Ort ist das liebevoll eingerichtete Freilichtmuseum, das aus originalgetreu nachgebauten Häusern, die mit Originalmöbeln ausgestattet sind, aufgebaut wurde. Der alte deutschstämmige und auch noch Deutsch sprechende „Schmied“ hat es uns erzählt, sehen würde man es nicht.

Wir fahren weiter nach Puerto Octay, ein kleines Örtchen aber sehr adrett und mit einem ganz netten Campingplatz am Lago. Hier stehen wir zwischen Obstbäumen und Sträuchern sehr, sehr schön. Zum Frühstück gibt es frisches Obst, denn pflücken ist hier überall erlaubt! Ein Radlfahrer-Ehepaar treffen wir aus Deuschland, die den Süden von Chile, die Carretera Austral und Patagonien schon komplett unter die Räder genommen hatten. Bei dem Wetter eine Leistung!
Wir wollen als Nächstes ‚mal wieder das Meer sehen und so machen wir uns auf den Weg an den Pazifik,nach Valdivia.