Teil 4: Ecuador – Teil II

von Manta bis zur Grenze nach Peru
vom 28.02.2016 bis 11.04.2016

Ecuador- Teil II

Von Manta fahren wir also zurück gen Süden. Aber nicht zu Samuel, sondern an den Playas de los Frailles vorbei nach Salango zu Samuels Freund Christian auf dem Camping Islamar. Auch er hat viel aus seinem Leben zu berichten, beide sind zur See gefahren, beide haben Frauen aus Ecuador geheiratet und beide lassen das Arbeitsleben nun langsam ausklingen. Sein Platz ist ein Traumplatz hoch über den Klippen mit Blick auf Salango und die dazugehörige, vorgelagerte Insel. Unser Blick schweift auf unserem Übernachtungsplatz aus dem Auto heraus weit über den Pazifik. Wir bleiben
5 Tage, wäre ja eine Sünde, gleich wieder loszufahren.
Zwischendurch machen wir noch einen kleinen Bootsausflug auf die Isla de la Plata. Hier gibt es viele Blaufusstölpel, die Schwimmhäute sind nur bei den alten Tölpeln richtig blau. (Bei uns gibt es nur alte Tölpel, die blau sind!) Die männlichen Fregattvögel haben in der Balzzeit einen rot leuchtenden Kehlsack, sonst ist er normal schwarz wie sie selbst. Für uns ist es die falsche Jahreszeit, um sie in ihrer vollen Pracht sehen zu können. Mit einer Gruppe vom Boot machen wir eine Wanderung über die Insel mit Blick auf das Meer und die vielen Vögel in den Klippen. Auf der Rückfahrt sehen wir noch viele, viele sehr große Wasserschildkröten, die aber angefüttert werden. Dennoch waren sie schön anzuschauen. Und nahe den Klippen konnten alle von Bord und zwischen bunten, braun, gelb und blau gestreiften Fischen schnorcheln, die es bei uns nur im Aquarium gibt. Es war für uns ein gelungener Ausflug, Schifferl fahr’n ist immer wieder schön. Und was haben wir gelernt? Wenn man keine blauen Füße hat, kann man kein richtiger alter Tölpel sein!

Es geht weiter, Erinnerungen auffrischen und nicht mehr enttäuscht werden.
Wir wollen nach Salinas, westlich von Guayaquil.
Es war einmal: ein wunderschöner, von Palmen bestandener Sandstrand, Fischerboote, die abends Schwertfische brachten und die man gleich im Restaurant am Strand verspeisen konnte, nur beim Klang der Wellen. Kleine Bambushütten von Einheimischen und zwischengelandeten Seeleuten standen am Strand unter Palmen, bei denen wir auch im Zelt übernachten konnten. Wir hatten ja nur ab und an einen Leihwagen in den 4 Wochen Urlaub.
Das war vorvorgestern.
Heute: breite Strassen, mords Verkehr, bis zu 20-stöckige Geschäfts-und Appartementhäuser, Supermärkte, Einkaufszentrum, Autohäuser, Werkstätten vom Feinsten, Discos, Clubs, z.T. ohrenbetäubende „Musik“. Es gibt inzwischen einen Yachthafen mit großen Segel-und Motoryachten der Reichen aus Guayaquil an der noblen Strandpromenade. Die Spitze der Halbinsel hat das Militär besetzt. Die einschlägigen Hotelketten laden zum Schlafen und zum Feiern ein.
Allerdings, so bequeme und gut bestückte Supermärkte gab es damals nicht.

Wir fahren zurück bis Ballenitas, gleich nördlich von Salinas und gehen in die Hosteria Farallon Dillon, die dem alten Kapitän Alfredo Dillon und seiner Frau gehört. Sie haben das Anwesen mit Kirche gekauft, umgebaut zu einem sehr guten Restaurant mit Zimmervermietung und Swimmingpool und mit einem sehr großen Parkplatz. Fast jedes Wochenende finden Hochzeiten oder andere Feste statt. In unserem Fall eine Hochzeit. Das Restaurant ist ausgeschmückt wie eine Hafenbar in alten Filmen: lauter Seemannströdel ist massenweise untergebracht, drapiert, natürlich ist auch seine Kapitänsuniform dabei. In der ehemaligen Kapelle haben sie ein Museum eingerichtet zum Schauen und auch zum Kaufen von Antiquitäten. Wenn jemand von Euch also eine schöne Galionsfigur statt Kuhhörner am Auto vorne mag, der ist für so ‚was z.B. dort gerade richtig. Es sind zwei tolle Leute, der Platz ist, wenn man oben vor dem Hoteleingang stehen kann, ausserordentlich. Wäsche durften wir bei der Chefin persönlich waschen.

Es zieht uns langsam wieder in höhere Lagen, wir machen uns auf den Weg Richtung Chimborazo.
Am frühen Sonntagmorgen, das ist immer die beste Zeit, um durch Millionenstädte gut durch zu kommen, starten wir gen Guayaquil, können auch zügig durchfahren und flüchten gleich weiter nach Babahoyo.
Die Strassen sind noch ziemlich leer und weiter im Gebirge werden sie sowieso nicht so voll.
Bei Balsapampa sehen wir schon ein fast überfülltes Freibad-man vergnügt sich!
Nun geht es wieder durch die tief eingeschnittenen Täler hoch in die Wolken, die Bananenstauden werden weniger, die Leute tragen keine Sonnenhüte mehr.
Indios haben hier ihre Häuser gebaut, die Alpacas stehen auf den Weiden, die Leute sind dick angezogen und tragen Umhang und Filzhut. Die kleinen, von uns so geliebten Felder bilden wie gewohnt den hübschen grünen Fleckerlteppich der ecuadorianischen Anden.

Über Guaranda kommen wir nach Salinas de Guaranda, ein kleines altes Dorf in 3550m Höhe und damit eines der höchsten von ganz Ecuador. Hier gibt es auch uralte oberirdische Salinen, deswegen sind wir aber nicht dort, sondern allein wegen dem Käse! Ein Schweizer hatte hier 1978 angefangen, eine Molkerei aufzubauen, die Käseproduktion dann zusammen mit den Campesinos betrieben und noch heute kommen jeden Morgen die Indios mit Lamas, Pferden, Esel, von weiter her per Kleintransporter aus den Dörfern und bringen ihre Kuh-Milch zur Weiterverarbeitung. Der Käse wird inzwischen auch in Supermärkten des Landes verkauft. Der Käse, es gibt viele verschiedene Sorten wir Emmentaler, Gruyère, Tilsiter, Dambo, Parmesan usw., ist sehr lecker, nicht so ganz nach Europäischem oder Schweizer Standard aber immerhin für uns sehr, sehr schmackhaft! Dieser Käserei folgten nach gleichem Muster inzwischen noch mehrere in Ecuador.
Es ist gelungen, das Dorf auf finanziell solide und vor allem eigenständige Füße zu stellen.
Im Dorf kann man auch hervorragenden geräucherten Schinken, geräucherte oder luftgetrocknete Würste wie Salami und vieles andere mehr kaufen. Schokolade wird auch selbst hergestellt-alles 100% natural.
Übernachten darf man hinter der Molkerei und bei der Käseproduktion zuschauen kann man auch, wenn auch aus hygienischen Gründen nur durch eine Glasscheibe hindurch. Das Dorf ist noch sehr ursprünglich und hübsch aber auch sehr rührig! Und es ist sehr streng: wenn die Schüler anfangen, an der Schulbushaltestelle zu bolzen, zu drängeln, zu rennen, werden sie sofort zur Ordnung gerufen. Jeder muss sich hier nacheinander einzeln in die Reihe stellen und warten, bis er dran zum Einsteigen ist!

Am nächsten Morgen haben wir Glück, wir fahren über die Pisten von Salinas über Pachancho und direkt weiter in den Chimborazo NP zum Rifugio Carell auf 4800m Höhe. Auf dem Weg dorthin macht es etwas auf und wir sehen den Chimborazo (6310m, höchster Berg Ecuadors) total eingeschneit vor uns liegen. Durch alte Kulturlandschaft hindurch kommen wir zur Hauptstrasse nach Ambato, überqueren sie und fahren weiter zum NP-Eingang. Rund um den Chimborazo kann man noch viele, viele Vicunya Herden beobachten, eine Wildform der Lamas und Alpacas. Wir fahren hoch bis zur Carrel Hütte, die es 1979 genauso wenig wie die Whymper Hütte, etwas höher auf 5000m Höhe, gab. Touren auf den Gipfel sind bei diesem Wetter nicht möglich.
Uns ist es zu kalt zum Übernachten und zu hoch, ausserdem sind wir nicht „höhentrainiert“-man weiss ja nie. Aber neugierig sind wir schon, ob wir noch den Weg zur damals einzigen Hütte weiter nordwestlich Richtung Pogyos finden. Wir suchen und fahren und fragen: die Hütte gibt es noch, der Weg wird aber eigentlich nicht mehr gegangen. Wir hatten wegen Wettersturz und nach drei Nächten Hoffen auf Besserung auf 5900m damals umdrehen müssen.
Das passiert und ist gut, solange man noch umdrehen kann. Drei Nächte da oben hatten uns ganz schön zugesetzt. Als „Flugtourist“ ist man eben nicht so gut akklimatisiert-noch dazu bei nur gut 4 Wochen Flug-Urlaub.

Also fahren wir weiter ‚runter nach Riobamba, der Berg ist inzwischen längst wolkenverhangen und auf dem Weg nach unten geht, wie damals, ein schweres Gewitter am Chimborazo ‚runter. Die Ausläufer mit Hagelschlag, Sturm und Schnee holen uns auf der Asphaltstrasse ein.
Das Wetter beruhigt sich und wir erreichen Riobamba. Im kleinen Hostel Oasis bekommen wir paar Querstrassen weiter einen schönen Platz im Garten einer kleinen Villa zugewiesen. Mit eigener Dusche und Toilette, Küche im Freien, Internet, aber auch viel Asche. Sehr viel Asche!
Wir wundern uns, jeden Tag muss ich paarmal Putzen und Fegen.
Der überaus aktive Vulkan Tungurahua, 5023m, ist wieder ausgebrochen, leider für uns hinter Wolken und nicht sichtbar, aber sehr spürbar. Ganz Riobamba hustet weil der Wind die Asche Richtung Stadt weht. Aus dem Internet und von den Einheimischen erfahren wir, dass die Strassen und Pisten um Banos gesperrt sind und einige Dörfer evakuiert wurden. Wir hören auch, dass der Cotopaxi wieder heftig ausgebrochen ist, und dass der Nationalpark auf weiteres geschlossen bleibt. Der Cotopaxi hatte bei unserem Besuch schon kaum noch Schnee, wie mag er wohl jetzt aussehen? Aber das interessiert und betrifft uns nicht mehr.

Wir bleiben in dem netten Städtchen Riobamba, gehen zum Bahnhof, der war damals voll in Betrieb, die Eisenbahn ist noch gefahren, nötigenfalls sassen die Leute auf dem Dach. Heute ist dort ein kleines Museum, nett hergerichtet. Wir schlendern zu manchen Kirchen, Plätzen, gehen auf die Märkte, auch den großen Mercado Central, eine Art Großmarkt, wo man vieles nicht in kleinen Mengen zu kaufen bekommt.
Eine Pracht, ein Überfluss an frischem Obst, Gemüse und Kräutern!
Riobamba, mit seinen z.T. schon restaurierten alten Häusern gefällt uns.

Irgendwann müssen wir ja nun los und so fahren wir bei sehr tief hängenden Wolken weiter und haben Glück, in Cajabamba ist Wochenmarkt. Schnell anhalten und schauen. Der Schlamm steht teilweise fast knöcheltief, aber auch hier, wie fast überall schon in Ecuador, haben sie neue Marktplätze gebaut, meist erhöht, überdacht, Betonboden, so dass es für die Einheimischen sehr viel besser ist. Wer will auch schon von Regen und Matsch durchgeweichte Kartoffeln und Karotten kaufen? Manche Touristen bedauern es, dass die alten Märkte mit viel „Ursprünglichkeit“ verschwinden. Leider bedeutet aber „Ursprünglichkeit“ auch „Dreck“ und Umstände, die wir zu Hause auch nicht haben wollten. Wir sollten den Einheimischen ruhig etwas Moderne, sprich Bequemlichkeit und Sauberkeit gönnen, auf Kosten eines „romantischen Ambientes“ früherer Zeiten. Früher ist nun mal vorbei.

Bald sind wir anschliessend in Alausi, wo die sog. Teufelsnase ist, ein Fels um den die alte Eisenbahnstrecke von Riobamba nach Guayaquil spektakulär herum führt.
Bei diesem Wetter trieft die Teufesnase und der nächste Zug fährt erst morgen. So begnügen wir uns damit, über den Markt zu laufen. Hier gibt es knallbunte kurze Plissee-Röcke der einheimischen Frauen zu kaufen, für uns eher was zum Fasching. Und es gibt Hüte! Hüte aus Filz, die sie alle hier tragen im quasi alpenländischen Stil. Aber nicht mit Edelweiss oder Gamsbart, sondern mit Pfauenfeder! Also auch ich bin dabei.
Nach langer Diskussion mit der kleinen Verkäuferin, mit Strassenpassanten, nach dem zigsten Blick in den Spiegel fällt die Entscheidung: Ich nehme den Braunen, mit Pfauenfeder!
Beruhigt können wir weiter fahren.

Auf dem Weg nach Süden kommen wir durch schöne aber leider weiterhin wolkenverhangene Berglandschaft. Die Landschaft ist nicht verregnet, nein!, sie ist hier wieder mystisch. Hört sich ja auch besser und nicht so triefsinnig an.
So kommen wir langsam an unser heutiges Ziel, die Ruinen von Ingapirca. Die Inkas wussten schon, wo man ‚was hin baut und wir werden hier mit einem wunderschönen Sonnenuntergang belohnt!
Die Ruinen sind die besterhaltenen, dem hat man aber schwer nach geholfen, Inka-Ruinen von Ecuador. Die Anlage stand wahrscheinlich schon vorher, erbaut von den Canari, sie wurde von Inkas eingenommen, zerstört und von ihnen als Sonnentempel und Wehranlage neu aufgebaut. Von hier kann man den Tageslauf der Sonne komplett von Auf- bis Sonnenuntergang, zu jeder Jahreszeit, verfolgen. Zudem hatte der Ort auch aufgrund des weiten Blicks ins Umland strategische Bedeutung. Heute ist nicht mehr viel erhalten, die Stadtanlage lässt sich erahnen, der Sonnentempel als solcher ist noch (wieder) gut zu erkennen, die gesamte Anlage sehr schön gelegen und gepflegt. Wir finden einen wunderbaren Übernachtungsplatz vor.

Auf der Panamericana weiter kommt man an dem Dorf Biblian vorbei, das man schon fast zu den Vororten von Cuenca zählen kann, so dicht ist hier die Besiedelung.
Über Biblian liegt die halb in den Berg gebaute Wallfahrtskirche der Jungfrau von Rocio. Die Kirche selbst ist nicht der Hit aber die Aussicht sehr schön, lag ja an der Strasse und war kein Umweg.

Und nun sind wir schon nahe am Ziel.
Zwei Tage bleiben wir aber erst noch auf einer Pferdehazienda etwas ausserhalb der Stadt. Es könnte hier sicher sehr schön sein, aber dann wird es uns bei dem Regen dort zu dumm.
Kein Geschäft, kein Museum, kein Internet, das sind so die Sachen für schlechtes Wetter, nur Matsch um uns und bald auch im Auto.
Wir fahren ‚runter in die Stadt und gehen auf den Parkplatz am Parque de la Madre, an der Av. 12 de Avril, direkt am Rio Tomebamba-also schon mitten in der Stadt Cuenca. Wir haben WC und perfektes WiFi, Strom, sogar eine kalte Dusche könnten wir benutzen. In 10 Minuten sind wir die Treppe hoch im Zentrum, in 10 Min auf dem Mercado und in 10 Minuten in die andere Richtung im Supermarkt. Abends kann man etwas joggen, die Trimm-dich-Geräte benutzen oder zuschauen, wie sich die andere quälen. Wenn man nahe die Treppe in die Altstadt hoch geht, gerade aus weiter und immer weiter die Hno. Miguel, über die Mariscal Sucre hinweg kommt man zu einer sehr guten Deutschen Bäckerei! Wenn die Bäckerei offen ist, hängt linkerhand die deutsche Fahne draussen.
Das unglaubliche ist, dass der deutsche Bäcker mit deutschem Meisterbrief und Pass geborener Marokkaner ist und eine ecuadorianische Frau geheiratet hat. Total verrückt.
Insgesamt bleiben wir hier 14 Tage. Hermine trifft auch nach einer Woche ein, ein junges Paar aus Berlin kommt, Argentinier mit zwei VW-Bussen, so ist auch da für Abwechslung gesorgt.

Einkaufen auf dem Markt ist nun nicht mehr vergnügen, sondern Notwendigkeit und wir entdecken, dass es auf dem Mercado in der Calle Larga Schweineschmalz gibt. Dazu das Brot vom deutschen Bäcker-hervorragend! Natürlich, nicht nur für den Magen, auch für den Geist haben wir ‚was getan.
Museen haben wir uns mal gespart-irgendwann mag man nicht mehr.
Allerdings waren die Kirchen von der Frühmesse bis zur Abendmesse tagsüber geschlossen.
Von Gründonnerstag bis Ostermontag waren sie aber immer offen, Eintritt frei. Dann konnten wir sie alle anschauen, alle nicht, aber die wichtigsten. Alle wäre zuviel gewesen.
Zur Stärkung sind wir täglich zur deutschen Botica y Drogueria Central, die im Haus des Deutschen Konsulats und Deutschen Clubs im Parterre liegt, gegangen. Sie existiert seit 1909 und bietet seit damals ihren „Wundertrunk“ mit stärkender und aufbauender Wirkung an. Schmeckt gut und löscht den Durst. Ob wir ohne Trunk schwächer gewesen wären, können wir nicht feststellen weil wir ihn ja jeden Tag in der Stadt getrunken haben.
Für die Messen am Palmsonntag haben die Blumenstände, geschickte Frauen am Strassenrand und vor den Kirchen wunderschön geflochtene Gebinde aus Palmenwedel, Stroh und Kräutern kombiniert verkauft.

Dann kam Karfreitag.
Am Abend ging von der Kathedrale aus ein langer Zug von Kreuzträgern, Betenden, Priestern, Musikkapellen an den frisch aufgebauten 12 Stationen des Leidensweges vorbei bis zur Kirche San Blas und wieder zurück zur Kathedrale mit anschliessender Grablegung.
Es war beeindruckend, die vielen Menschen fast stumm, nur Gebete murmelnd, hinter Priester und Ministranten hinterher durch die Stadt ziehen zu sehen. Wir sind mitgelaufen, es war sehr interessant. Aber noch sind die Altäre alle dunkel und verhangen.
Am Ostersamstag fahren Hermine und ich zum Zentralmarkt von Cuenca. Dem Hauptmarkt am Hauptmarkttag. Dieser Markt ist riesig groß, an einem Tag gar nicht zu schaffen und es gibt ALLES zu kaufen, was das Herz und der Verstand begehrt:
Schuhe über Schuhe, Stoffe, bunte Röcke und Blusen der Region, Hüte, Handys, Korbwaren, hallenweise Fleisch, sortiert nach Huhn, Rind und Schwein, Innereien, „tausenderlei“ Hülsenfrüchte, genauso Nüsse, Gemüse, Kräuter, Reis jeder Art, Mais sowieso, Handwerkzeug und, und und.
An einem Stand gehen wir essen, Hermine isst die traditionelle Karfreitagssuppe Fanesca, ich verzichte, denn die wird mit Fisch zubereitet. Ich habe probiert, es war gut so und ass statt dessen
Nudeln mit Rindfleisch und Gemüse.
Abends gehen wir zur Ostermesse in die kleine Iglesia del Carmen de la Asuncion. Erstens findet hier die Ostermesse früher statt wie in der Kathedrale und ausserdem ist diese nette kleine Kirche auch viel intimer.
Also spendiert Hermine jedem von uns eine Osterkerze, wir sind früh genug da und können noch sitzen, dann wird die Ostermesse zelibriert. Die Kerzen erleuchten, die lila Altartücher, die die Altäre komplett verhüllt hatten werden bald abgenommen und alles erstrahlt in seinem ganzen Glanz. Das dauert alles etwas, denn die Leute schleppen z.T. 5-Liter Flaschen an, die gesegnet werden sollen, wir lassen unsere Kerzen segnen, bekommen das Abendmahl
Der freudige Höhepunkt der Osterzeit, die Auferstehungsmesse ist vorbei.
Andere Höhepunkte wie Ostereier suchen und futtern gibt es hier nicht.
Ostern ist hier vorbei, Ostermontag gibt es nicht wie bei uns.
Wir schlendern durch die Stadt nach Hause zum Parque de Madre.
Ostersonntag, schauen wir uns die geschmückten Kirchen und Altäre der Stadt an.

Natürlich, eines darf nicht fehlen!!
Schon vor ein paar Tagen haben wir geschaut, geprüft, probiert, überlegt: Panama-Hut!
Es gibt sehr gute für ca. 100.- bis 200.-USD, es gibt hervorragende für ca. 1000.-USD und es gibt ganz gute für Otto Normalverbraucher für 15.- bis 25.-USD.
Beim Panama-Hut-Experten incl. kleinem Museum in der Calle Larga lassen wir uns jeder einen Hut anfertigen, d.h. nicht ganz, denn meiner war schon fertig. Nun erkennt man wenigstens, dass wir gestandene Touristen sind! Die Einheimischen kaufen sie in der Regel auf dem Markt, das sind die nur guten, manchmal schon etwas angegraut, aber auch nicht billiger.
Das war gleich so eine Art Geburtstagsgeschenk und abends gehen wir in einem „österreichischen“ Restaurant, Café Austria, zusammen mit Hermine Essen.
Damit ist unsere Zeit in Cuenca vorbei, in einer sehr schönen, heimeligen Stadt, in der man leben könnte!

Unsere drei bewilligten Monate Aufenthalt in Ecuador laufen bald ab, also müssen wir langsam an den Grenzübertritt nach Peru denken.
Wir wollen nicht den direkten Weg nehmen und erst noch über Loja etwas südlich nach Vilcabamba fahren. Hier, ins „Tal der Hundertjährigen“, die wohl nur so alt sind, weil sie vergessen haben, wann sie geboren wurden. Der Ort ist sehr alt, inzwischen von Alt-und Neu-Hippies bevölkert. US-Amerikaner, vorwiegend aber Kanadier haben in den Condominos ihre Villen gebaut, gehen aber zum Leidwesen der Leute von Vilcabamba in den Supermärkten von Loja einkaufen. Billig, wie es der Ecuador-Führer schreibt, ist es hier längst nicht mehr.
Die Umgebung ist sehr schön, das Klima angenehm. Es werden viele Reittouren angeboten und Wanderungen. Wir haben eine Deutsche, Tanja, kennen gelernt, die einen Ecuadorianer geheiratet und zwei Kinder bekommen hat. Sie haben an der Plaza ebenfalls eine Touristenagentur.
Sie sind recht gut aufgestellt und wir konnten viel miteinander reden. Sie erzählte uns von den Amerikanern und Kanadiern, die keine Unterstützung für das Dorf sind, von den Alt-und Neuhippies, die auch nicht viel beitragen und von den ausbleibenden Gruppenreisenden. Von Backpackern, die sehr sparsam reisen, wodurch die Touristenagenturen und der Pferdeverleih nicht mehr gut gehen. Durch den Dollar ist ja sowieso schon alles sehr teuer. Die besseren Restaurants haben zu knappsen, die Touristen, die nach Vilcabamba kommen gehen viel mehr wie früher billig für 1,50 USD auf dem Markt oder für 2,50 USD in den Einheimischen-Restaurants mittags essen statt für 5-10.-USD und mehr in den besseren Restaurants.
Wir stehen sehr gut im Hostal Valle Sagrado für 10.-USD/Nacht und kochen selbst.
So hat jeder seine Sorgen oder eben keine.

Von Tanjas Mann hören wir, dass die Strecke zur peruanischen Grenze im Süden bei Namballe sehr schlecht ist, teilweise hatte es durch den Regen größere Bergrutsche, die Strecke über Cariamanga und weiter nach Macara ist stellenweise nicht zu befahren weil es eben in letzter Zeit sehr feucht von oben kam.
Den Regen können wir bestätigen, war manchmal ganz schön heftig. Das ist aber normal für diese Jahreszeit.
Also beschliessen wir, zurück nach Loja und von dort auf der Hauptstrecke über Cotacocha nach Macará zu fahren. Und zwischenzeitlich giesst es weiter.

So feuchtfröhlich verabschieden wir uns von Ecuador.
Das geht aber nicht so schnell, denn es gibt Schwierigkeiten! Wer ist Schuld? Deutschland.
Warum? Weil in den Passnummern Buchstaben/Ziffern stehen, von denen man nicht weiss, ob es eine Null oder ein O(h) ist! Und wenn jemand von der Migration bei der Einreise ins Land O schreibt, statt Null? Und der bei der Ausreise meint, es wäre eine Null und kein O? Was dann? Dann muss man warten. Theoretisch, bis jemand an der Einreisegrenze zu finden ist, der dort die Einträge im Computer berichtigt. Verfluchte Technik!
Man kann aber auch närrisch werden, beim die Leute überzeugen, dass sie das ausbessern sollen, wann sie wollen, was müssen wir daneben stehen wie die Deppen. Bald ist nämlich Mittagszeit!
Und irgendwie klappt das dann auch. Wohl auch, weil sie froh sind, solche motzenden Touristen, die völlig nerven, los zu werden.

Aber, das ist noch nicht alles, die Einreise nach Peru hat es in sich.
Diese Story lest Ihr im nächsten Bericht!

Die Ecuador-Berichte haben wir auf dem Ponton von Puerto Velhos nach Manaus geschrieben.
Die folgenden Peru-Berichte schreiben wir dann auf dem Ponton von Manaus nach Belem.
Dauert also noch etwas.

Bis dahin viel Spass und weiterhin eine schöne Sommerzeit!