Teil 6: Peru – Teil II

 

Nun sind wir bald in Huanuco, das Asphaltband hat uns wieder!

Huanuco bis Inapari/Grenze nach Brasilien 
vom 19.05.2016 bis 21.06.2016

Route Peru

Also, wir haben noch nie verstanden, dass es Reisende, und nicht nur die, gibt, die unbedingt Piste fahren wollen und davon träumen, endlich mal eine unter die Gummis zu bekommen. Wir fahren halt Erdstrassen und Pisten, weil wir nicht auf einer anderen Strasse als eben einer solchen an unser Ziel kommen! Manchmal waren gepflegte Erdstrassen sogar besser wie eine sich langsam auflösende Asphaltstrasse. Aber richtige Pisten, das ist ganz ‚was anderes, nehmen wir nicht um jeden Preis unter die Räder. Da muss das Ziel oder die Landschaft schon absolut ausserordentlich sein!
Hier, in diesem Fall, waren wir froh um das Gleiten auf Asphalt wie auf einem Teppich!

Wir kommen langsam ‚raus aus dem Hochgebirge, über Cerro Pasco fahren wir auf einer großen Hochebene an zig großen und relativ modernen Minen vorbei, kommen durch die Seenlandschaft von Junin bis es auf ein Mal wieder so richtig bergab geht. Von über 4000m hinab an die Pazifikküste, von ziemlicher Kälte hinab in die Wärme, von der glasklaren sauberen Luft tauchen wir ein durch Sand, Smog und Dreck in der Luft in die Feuchtigkeit der Küste.
Erst war es uns zu viel Verkehr, dann zu kalt und windig, dann nicht schön genug bis wir schliesslich anhalten mussten für die Nacht. Es war relativ spät, der Platz war hässlich-selber schuld.

Am nächsten Morgen reihen wir uns ein in die LkW-Kolonne, die durch das enge Tal zieht. Sie kommen von den Minen im Hochland und gehen an die Küste bei Lima, zu den Häfen. Abwechselnd mal im Tal mal über Viadukte verlaufen die Schienen der Eisenbahn, manchmal sieht man sie an Ausweichstellen stehen-die Schienenführung ist ein Meisterwerk seiner Zeit. Sie fährt von Cerro Pasco über La Oroya nach Lima. Eine Wahnsinnsstrecke und eigentlich ein Muss für Eisenbahn-Freunde. Allerdings wissen wir nicht, ob man die Strecke auch als Passagier fahren kann. Wir haben nur Güterzüge gesehen, die langsam durch das Tal ziehen wie Spielzeugeisenbahnen.

Am Strassenrand finden wir einen Peruaner, der wie viele andere auch vor Lima Autos wäscht: Das Wasser kommt irgendwie aus einem Schlauch vom Berg, das Auto wird nass gemacht und aus einem Eimer mit viel Putzmittel per Hand bzw. Schrubber gewaschen. Danach wird alles abgespült, das Wasser fliesst die andre Seite den Berg hinab, wir machen Fotos, bezahlen und tschüss. Alles ist blitzeblank-limalike! Umweltschutz? Lachhaft! Geht auch gar nicht: viel zu teuer, der Mann und seine Familie hätten keine Arbeit, würden so dahin vegetieren oder in den Slums landen. Also ist Autowaschen wie bisher besser und sehr vernünftig.

Bald kommen wir an die Stadtgrenze. Smog und viel, zu viel, Sand in der Luft vom starken Wind, alles kommt zusammen. Keine schöne Begrüßung. Beim Deutschen Club können wir nicht bleiben, da findet ein Sportfest statt, also weiter in den Bezirk Miraflores ins Hitchhiker Hostel. Mit Glück und viel Rangieren finden wir noch einen Platz. Es ist sehr eng aber gut-wir treffen viele nette Leute, Hermine steht auch schon hier. Zum Bus ins Zentrum, zum Supermarkt, zur Küste und zum edlen Einkaufszentrum fürs Shopping-alles ist leicht zu Fuss erreichbar. Im Hostal gibt es ein tolles Internet, nette Kontakte, Bummeln am Meer, in der Dämmerung ist es dort sehr schön. Natürlich fahren wir auch zweimal ins Zentrum-aber Lima gefällt uns nicht wirklich, allein vom Gefühl her. Dabei hätten wir sogar über drei Ecken Kontakt zu Einheimischen bekommen. Wir haben lange überlegt, zum Schluss wären wir vielleicht noch ungerecht zu unseren Gastgebern geworden. Nein, lieber nicht.
Nein, wir fahren weiter: durch zunächst hässliche Landschaft, viel Dunst, vergammelte Siedlungen, dann aber auch hohe Sanddünen, die uns wieder etwas versöhnen.

Es lockt uns die Halbinsel von Paracas. Wir bleiben direkt am Meer stehen bei den Kitern. Erst sind die Flamingos da, dann die vielen kleinen Vögelchen zahlloser Namen, die auch ihr Futter suchen und natürlich die Pelikan-Gruppen, die knapp über dem Wasser die Küste entlang fliegen. Die Insel selbst ist wunderschön, mit tollen Steilküsten und tollen Ausblicken auf das Meer. Dass die Sonnenuntergänge einmalig sind, das ist schon fast zu erwarten. Wir werden hier nicht ein einziges Mal enttäuscht-die Natur enttäuscht sowieso fast nie. Die Steilküsten sind wirklich spektakulär und mit den vielen Fischerboten davor liefern sie auch super Fotos! 
Dann fahren wir von der herrlichen Halbinsel weiter zu der Oase von Huacachina bei Ica, auf die ich mich eigentlich schon freue: In den Dünen umher laufen, am Kleinen See der Oase übernachten, abends bummeln,….

Aber hier, das ist eine einzige Enttäuschung: die ganze Oase ist am Zusammenbrechen, verdreckt, voller Buggy’s, die die Touristen auf die Düne hochfahren, damit sie wieder ‚runterrutschen oder dem Sandboarding frönen können. Auf dem kleinen See schwimmen Schwäne, Drachen, Blumen als Tretboote. Rundherum sind Hostels, Bars, Restaurants dicht bei dicht. Die Clientel ist ziemlich schrill. Nein-furchtbar! Bloss weiter.

An weiten Dünen-Feldern, soweit das Auge reicht, an richtig großen Dünen vorbei, kommen wir in eine Steinwüste, ein großes Plateau mit ein paar Hügeln, in den Tälern liegen die wenigen Oasen. Dieses große Wüstengebiet zieht sich hinab bis an den Pazifik.

Ein Stück weiter Richtung Nazca sieht man zunächst bei Rio Grande ein paar Geoglyphen, dann kommt man bald zu den schöneren im Gebiet von Palpa. Auf der rechten Seite etwas ins Gelände hinein stehen ein kleines Museum und ein Aussichtsturm. Von hier kann man die ersten bedeutenden Geoglyphen auf dieser Strecke in den Berghängen sehr gut bewundern. Wer war das wohl, wie haben die Leute ausgeschaut, die das hier gemacht haben? Noch ein kleiner Plausch mit dem Museumswärter, der uns ganz nett bittet, etwas schneller zu schauen, denn er möchte doch nach Hause zum Mittagessen und zur Siesta fahren. Na, machen wir doch. 
Wir nähern uns anschliessend langsam dem Einzugsgebiet von Nazaca, wo die berühmten Nazca-Linien gefunden wurden. Wer hat nicht schon davon gehört, wie der Herr Däniken voll davon überzeugt war, dass die Linien von Ausserirdischen stammen. Heute geht man davon aus, dass es sich um Prozessionswege handelt, möglicherweise für Fruchtbarkeits-Rituale. 
Bald sehen wir den Aussichtsturm am Strassenrand, natürlich gehen wir auf den Turm hoch und halten Ausschau nach den berühmte Linien. Man sieht sie ja auch ganz gut. Sie sehen irgendwie mystisch aus. Wohl deshalb, weil wir uns noch immer nicht sicher erklären können, von wem sie warum und wann und zu welchem Zweck entstanden bzw. angelegt wurden. Das ganze Gebiet rechts uns links der Strasse ist unheimlich groß, verschiedene eingeritzte Spuren stellen Tiere, Pflanzen, Hände und noch vieles mehr dar. Genau und am Besten sieht man das natürlich bei einem Rundflug. Allerdings steht bei uns das Interesse an den Linien in keinem Verhältnis zu den Kosten eines Fluges. Uns reicht der Aussichtsturm. Wobei uns die von Palpa eigentlich besser gefallen haben, sind ja auch wesentlich „handlicher“ zum Betrachten. In Nazca übernachten wir und dann geht es am nächsten Tag auf der Routa 26a wieder in das Hochland zu den Indios. Sie sind uns einfach die liebsten Leute, bei ihnen fühlen wir uns richtig wohl.

Am nächsten Morgen ziehen wir also unser Camionetta von Null auf fast Mont Blanc-Höhe hinauf. Die Strasse ist super Asphalt und führt zunächst am Cerro Blanco, der mit 1176m höchsten Düne der Welt vorbei. Schaut richtig super aus! Man könnte sogar noch näher ‚ran fahren aber eine Düne dieser Ausmasse 1100m hochlaufen, nee, das ersparen wir uns, wir wissen sehr wohl, wie das ist. Wir bewundern sie also zunächst von unten. 
Die Strasse führt in tausend Kurven hinauf, ganz dicht am Cerro Blanco vorbei auf einen Pass und die Düne liegt schliesslich über 1000m unter uns. Wir haben wieder blicktechnisch diesen Flugzeugmodus. 
Einmalig, diese Reliefkarte unserer Erde!!! Mittendrin die Düne, die von hier oben natürlich nicht mehr so spektakulär aussieht.

Die Strasse schraubt sich weiter hoch. Auf fast 4000m wächst das Pampasgras, die ersten Vicuna-Gruppen stehen im Gras, fressen, schauen und machen dann einen großen Bogen um uns. Sie sind unheimlich scheu. 
Im kleinen Museum vom NP Pampas Galeras werden wir freudig begrüßt. Die junge Frau zeigt uns alles, wofür der Park steht: das kleine Museum, die verschiedenen Lama-Arten, zu denen die Vicunas auch gehören. Erzählt uns aber auch von dem großen Fest, wenn die Tiere aus der ganzen Umgebung zusammen getrieben und geschoren werden, und welche vielen uralten Riten zu diesem Anlass die Einheimischen, die Indios, zelebrieren. Und sie erzählt uns auch, dass dieses Fest praktisch touristenfrei sei, paar Einheimische natürlich ausgenommen. DAV, TUI usw. kommen nicht, die sind alle in Macchu Picchu. Das Fest findet aber erst in 4 Wochen im Juni statt! Was machen?
Es bleibt uns nichts anderes übrig, als alles auf eine weitere Reise nach Peru zu verschieben.

Wir sind nämlich zeitlich gebunden: Zum Einen müssen wir bis ca. 10.07., das sind in ca. 6 Wochen das Land verlassen haben (3 Monate Aufenthaltsgenehmigung) und zum Zweiten dürfen wir nicht so viel später ‚raus aus Peru, denn diesmal wollen wir nach Brasilien und den Amazonas ‚runter bis Belem. Und die Regenzeit, die sich auch verschieben kann, brauchen wir dazu überhaupt nicht! 
Diesmal also keine Chance zum Mitfeiern-wir kommen wieder! (Hoffentlich) Das gleiche Problem lässt uns auch am großen Fest am Asaungate nicht teilnehmen. Zwei so große Feste und 4 Wochen sind um. Das geht im Moment gar nicht.

Also fahren wir weiter über Puquio, ein größeres Agrarzentrum, weiter durch die Hochebenen mit vielen, vielen Viehherden von domestizierten Lamas und Alpacas und den „wilden“ Vicunas. Schafe gibt es auch, aber nicht so zahlreich. Wir überlegen uns, dass die Gegend bei dieser Vegetationsdichte sicher stark überweidet ist und der Bodenerosion Vorschub geleistet wird. Die Leute denken aber hauptsächlich an das Jetzt und nicht an Morgen. So war es schon immer und hat auch meistens funktioniert. Ein zartes Umdenken scheint inzwischen statt zu finden. 
Hier in fast 4000m Höhe ist die Landschaft bewachsen, es gibt Gras, Felder, Wasser. Puquio ist ein relativ großes Städtchen. Danach geht es noch ca. 500m höher und es öffnet sich ein grandioser Blick auf mehrere Lagunen, die wie blau/smaragdene Augen zu uns herauf leuchten. Was für ein Anblick bei diesem strahlenden Wetter in kristallklarer Luft! Zwischendrin die vielen grasenden Tiere. Aber es ist kalt, es pfeift ein eisiger Wind, da kann man nicht gemütlich draussen sitzen!

Wir wissen inzwischen, dass es in Peru das Programa Nacional Tambos gibt: http://apu.vivienda.gob.pe/tambook/inicio Das ist eine „Service-Platform“ für die Bewohner in ländlichen Gebieten, sprich Indios, in Zusammenarbeit mit öffentlichen und privaten Einrichtungen in sozialen, landwirtschaftlichen, medizinischen  und hygienischen, rechtlichen und technischen Bereichen. Sie dient der Bildung und Unterstützung in allen Lebenslagen. Leute, die diesen Organisationen angehören oder ihnen dienen, können in Häusern auf dem Land, eben diesen Tambos, auch übernachten. Die Einrichtung der Tambos geht schon zurück auf die Inkas. Das waren damals Rasthäuser entlang der Inkastraßen. Zunächst für die Läufer, die wie im alten Griechenland Nachrichten zu Fuss überbrachten, und dann später auch für andere Reisende. Bei uns in Europa entsprechen die alten Poststationen/Umspannereien ebenso solchen Tambos.

Es war schon etwas später als wir dort, im Tambo Huraj Huma ankamen und wir konnten gleich gegenüber der Eingangstür stehen. Bekamen nach der ersten Begrüßung, dem normalen Woher, Wohin gleich Wlan-Zugang, eine Steckdose zugewiesen, konnten Dusche und Toilette benutzen. Auf die Dusche haben wir natürlich verzichtet-da kamen fast Eisstücke heraus. Sie haben auch Gästebetten und eine kleine Küche, das brauchen wir ja nicht. Aber wir fanden es unheimlich freundlich, wie sie uns gleich mit offenen Armen aufgenommen und ihre Institution vorgestellt haben. Für Radlfahrer ist das gut zu wissen und absolut empfehlenswert, in oder bei solchen Tambos zu übernachten!!

Über weitere tolle Pässe, durch tiefe Täler, durch kleine Ortschaften, ‚rauf und ‚runter geht es mit netten Übernachtungsplätzen bis auf einmal der Salcantay mit seiner stattlichen Höhe über fast 6300m zu uns herüber leuchtet. Hier ist übrigens durch einen Wächten-Abbruch Fritz Kasparek, einer der Erstbegeher der Eigernordwand zu Tode gekommen. Jetzt, gegenüber vom Salcansay wissen wir, der Weg bis Cusco ist nicht mehr lang, der Berg traumhaft schön aber eben auch gefährlich wie fast alle großen dieses Kalibers.

Eigentlich wollten wir in Cusco natürlich nach Quinta LaLa wo wir 2007 schon einmal waren. Da wurde sie noch von Helmie geführt. Unterwegs haben wir aber von einem tollen und preiswerten Hostel in super Lage, fast in der Innenstadt, erfahren. Hostal El Duende. Steht auch im ioverlander ‚drin. Probieren wir es einfach-und wir sind begeistert! Es ist freundlich, preiswert, freier Blick, Garten, Bäcker, Markt, alles quasi um die Ecke und in 10 Min. sind wir ganz locker auf der Plaza de Armas. Wir stehen im Grünen und holen uns fast jeden Tag für 2.-€ im angeschlossenen Mittagsrestaurant unser Essen-Menü wie bei Muttern (aus Peru)! Meist bringen sie es sogar ins Auto.Wir bleiben 9 Tage, obwohl wir schon viel kannten, gab es doch noch viele interessante Ecken-ohne Besichtigungsstress in Cusco zu entdecken.

Dann sind wir natürlich auch noch ins Valle Sagrado gefahren, das Heilige Tal. Allerdings war es doch eine ziemliche Abzocke weil man Eintrittskarten all zu oft nur „im Paket“, enthalten im Boleto Turistico, und dann für sehr teures Geld (36.-€ p.P.) kaufen konnte. Warum für Altertümer zahlen, die man gar nicht besichtigen will? Wir waren ja auch schon mal hier im Tal. Und man wurde z.T. von Touristen zerdrückt! Es ist die Zeit der Pfingstferien! Also gehen wir zum Haupteingang vom antiken Ollantaytambo, von dort hat man auch schon einen schönen Blick auf die Anlage. Dann schlendern wir durch das Örtchen, entlang uralter Wasserrinnen und gehen in die kostenlose Ausgrabungsstätte Pinkuylluna, genau gegenüber von Ollantaytambo auf einem Felssporn gelegen. Der Blick hinüber ist hervorragend und wir sitzen fast allein hier oben ‚rum und können schauen: Hinüber zur Attraktion, hinunter in die Höfe der bäuerlichen Häuser und auf die Plaza, wo gerade die Schulen wieder Umzüge abhalten. Sehr schön ist das hier. Und wir sehen, dass ab mittags die Touristen hier weg sind-ab nach Macchu Picchu, wo sie noch nachmittags ihre Besichtigung absolvieren müssen. Am frühen Abend, wir stehen mit unserem Camionetta nicht weit weg von der Eisenbahnstation, kommen „hunderte“ Busse voll beladen mit recht fusslahmen Touristen zurück und rauschen an unserem Übernachtungsplatz vorbei wieder Richtung Cuzco. Im Dorf Ollantaytambo wird es ruhig-Feierabend.

Auch wir fahren am nächsten morgen wieder zurück nach Cusco. 
Wir fahren von Pachar aus immer den Eisenbahnschienen entlang durch ein wunderschönes Tal Richtung Rapchi und Huarocondo. Laut unserer Karte kommt man von dort auch nach Maras zu den Salinen. Ja, aber nur mit Pferd oder Esel. Also zurück, ein schöner und lohnender „Verhauer“ zumal die Eisenbahn kam und uns lauthals begrüßt hat, Pferdetreiber sind unterwegs in die Dörfer irgenwo im Gebirge. Es war gut so.

Die Salinas von Maras liegen, genauer gesagt, in Pichingote. Liegen tief unten in einem Taleinschnitt und sind leicht von z.B. Urubamba aus zu erreichen. Und es gibt Einzeltickets über 7.-Soles. Deshalb übrigens fahren wir auch nicht zu den Dolinen von Moray, da braucht man wieder ein Bolero für mehrere Ausgrabungen. Es gibt auch Teiltickets, kosten zwar die Hälfte (18.-€), aber die sind ja nur zwei Tage gültig. Was soll das für uns! Wir bräuchten sie ja länger als zwei Tage für das ganze Valle Sagrado!

Also lassen wir Moray aus, überleben das auch sehr gelassen und widmen uns um so intensiver den alten Salinen, die seit der Inkazeit durchgehend bewirtschaftet werden. 
Salz, sagt man, wird geerntet. Hier sind wir genau in der Mittagszeit da, wo alle anderen Touristen Essen gehen und haben es damit gut getroffen. Wir haben schon viele, viele Salinen gesehen, aber die hier sind bis jetzt die schönsten! 
Auf der Anfahrt schaut man schon von oben auf diesen weiß-beige-braunen Flickenteppich aus einzelnen Wasserbecken, aus denen das Wasser verdunstet und das übrig gebliebene, getrocknete Salz nach und nach geerntet wird. Es sind hunderte kleiner Terrassen, ca. 3000 sollen es insgesamt sein, die ausschauen wie Waben. Zwischendrin verlaufen die kleinen Kanäle des Salzwassers. Es ist ein ausgeklügeltes und ein seit hunderten von Jahren gewachsenes System, das nur von EINER Salzquelle gespeist wird! Die Salzwaben sind als Eigentum auf die Familien von Maras verteilt und werden auch heute noch von den Familien bewirtschaftet. Es soll hier noch das alte Wirtschaftssystem der Inkas gelten. Und natürlich nehmen wir uns auch Salz mit: einmal gewaschen und gekauft und einmal natural, heimlich mitgenommen. Die Touristen wieder. Es war wunderschön hier, über zwei Stunden sind wir herum gelaufen und alles war so fotogen!! 
An kleineren Ausgrabungen, z.B. den Ruinen von Chinchero vorbei mit schönem Tiefblick hinunter ins Tal des Urubamba und nach Huayllabamba, an Webereien vorbei, die gerade Feierabend machen, kommen wir zurück nach Cusco, wieder ins Hostel EL Duende. Man freut sich und schon ist unser „vorbestellter“Platz, den wir letztens auch hatten, wieder frei.

Ein paar Tage bleiben wir zum Einkaufen, Putzen, alles Herrichten usw. dann kommen  die ersten Strassenumzüge zur Vorbereitung des größten Festes in Peru, dem Intim Raymi. Es fängt an mit dem Tag der sozialen Gemeinschaften, d.h. der Marktfrauen, Schüler, Studenten, Regierungsmitglieder, Kinder-und Altenheime, Vereine und so weiter. Die Umzüge der einzelnen Gruppen dauern stundenlang und sind recht interessant und lustig. Unheimlich, was die Leute hier so auf die Beine stellen! Natürlich kommt jede Gruppe immer mit eigener Musikkapelle gelaufen. Die ganze Stadt quillt über von Menschen! Das ganze Zentrum der Altstadt wird zur Fußgängerzone-Wahnsinn! 10 Tage, bis zum 24.06. dem eigentlichen Festtag finden täglich Umzüge, Prozessionen usw. statt. So lange können wir nicht warten, unsere Zeit in Peru läuft ab. 
Nun haben wir Cusco ja auch genug ausgekostet und es geht endlich weiter.

Ziel: Den Amazonas ‚runter per Ponton nach Belém befahren. 
Dazu müssen wir natürlich wieder bis Porto Velho in Brasilien. 
Dank sehr gutem, manchmal fällt’s halt aus, Internet ist alles recherchiert und es kann los gehen.

Die Strasse ab Urcos ist fertig und wir gleiten über die neue Carretera Interoceanica sur ins Tiefland. Letztes Mal 2007 wurde hier noch kräftig gebaut und es ging noch über die Pisten an der herrlichen Laguna Ampatune entlang, an Hochalmen vorbei. Heute führt die Strasse direkt am Ausangate vorbei. Lange Strecken durften wir damals nur im Dunkeln und im Konvoi fahren wegen der Bauarbeiten an dem neuen Strassenprojekt. 
Beide Strecken, die alte und die neue sind absolute Höhepunkte.

Ende Mai/Anfang Juni findet am Ausangate das großartige Quyllur Rit’i – Fest statt. Das schaffen wir leider nicht. Wieder nicht. Der Amazonas lockt! Man ist ja doch in Südamerika ziemlich wetterabhängig und die Länder sind sehr groß, wir müssen um von einer Ecke in die andere zu kommen ziemliche Kilometer überbrücken! Das kostet Zeit. Aber wir wollen ja wieder kommen.

Übernachten möchten wir heute wieder in Marcapata, der kleinen Stadt schon am Rande der Anden. Ein Kleinod dieser Stadt ist das uralte Kirchlein San Francisco de Asis de Macarpata. Hier lernten wir damals den Dänen Padre Peter, Peter Hansen, kennen. Wir konnten mit ihm über die Kirche, sein Leben im Dorf und all seine Neuerungen, die er für die Indios hier einführte, plauschen. Im Kirchengarten hatten wir übernachtet. Und nun war er nicht mehr da, hatte seine Aufgaben für dieses Dorf und die Indios erfüllt, und wurde in einer der Kirchen an der Plaza de Armas in Cusco begraben. Das kleine Kirchlein ist eigentlich sehr schön, vor 200/300 Jahren von den Spaniern gebaut, noch unverändert steht es mit seinem Reet gedeckten Dach am Dorfplatz. Aber es ist kein Geld für Renovierungen da. Spenden gehen hauptsächlich zur Unterstützung der Kinder hier ein, nicht viel für die Kirche, die leider langsam verfällt, zumal sich Padre Peter nicht mehr darum kümmern kann.

Von hier oben schauen wir hinab und sehen die Wolken, die aus dem Tiefland hochsteigen. Es wird warm, wärmer, schon fast zu warm. Das sind wir nicht mehr gewöhnt! 
Puh, ist das hier heiß und kein Wind weht! Gut, wenn man im Auto eine Klimaanlage hat. Und so beschliessen wir in unserer hausgemachten kühlen Luft bis Puerto Maldonado am Rio Madre de Dios weiter zu fahren. Hier hat die Annehmlichkeit ein Ende, hier heisst es, sich an die Hitze gewöhnen; es wird noch schlimmer! 
Fünf Tage bleiben wir in Maldonado und erleben viel:

Vatertag! Hier in unserem Ausflugslokal wird gefeiert, Fussballturniere ausgetragen, die Väter fotografiert mit Krönchen auf dem Kopf. Die frei umher fliegenden Papageien und Aras werden schon ganz verrückt und verstecken sich bald.
Zwei Tage danach kommt die Fiesta de San Juan, die mit der Fiesta de la Selva zusammen gelegt wird. 
Das ganze Haus wird geschmückt, die Hausfrau und ihre Töchter stellen mit Helfern zig Tische und Stühle im Chincho auf. Dann kommen Volkstanzgruppen, der Minister für Umwelt usw. kommt, Vertreter der Indios, etliche Gründer des Nationalparks, Vertreter des Tourismusverbandes, der den sanften Tourismus in Eco-Lodges betreibt, und es kommen etliche Indios von hier, die noch starken Bezug zu den Urwäldern der Umgebung haben. Natürlich auch die obersten von Polizei, Militär und der Bürgermeister. Sie alle werden uns vorgestellt. Manche können etwas Englisch. Unser Hausherr ist Obmann all der Indios dieser Gegend und Ausrichter des Festes mit viele Musik, Speis und Trank. Viele Reden werden von den jeweils bedeutenden Persönlichkeiten gehalten. Etliche nicht nur in Spanisch sondern sogar in ihrem Indiodialekt dieser Gegend, der leider auch langsam ausstirbt. 
Ein sehr gelungener Tag!

ABER man muss sich nicht vorstellen, dass, wenn wir von Indios sprechen, sie alle mit Lendenschurz und Pusterohr umher laufen. Nein, sie hatten alle die gleiche Kleidung an wie wir, haben sich bewegt und gegessen wie wir. 
Bei uns laufen die einzelnen Volksgruppen (Bayern, Schwarzwälder, Wenden und Sorben usw.) auch oft genug nur für irgendwelche Feste oder für die Touristen in Tracht ‚rum! Kaum, wenn sie zur Arbeit gehen. Das machen nur die Taxifahrer in Garmisch (für die Touristen). So ist das hier auch.
Nun heisst es noch auf dem Markt und in den Supermärkten einkaufen gehen, aufräumen und am nächsten Tag müssen wir Abschied nehmen von den Papageien, den großen Aras, dem kleinen Äffchen, den Hunden, Katzen und den überaus netten Leuten von unserer Unterkunft.

Getrost können wir „Auf wieder sehen“ sagen, denn das haben wir uns vorgenommen, wollen wir doch auch noch den Süden von Peru sehen, dann sehen wir uns vielleicht hier wieder.

In Puerto Maldonado gibt es keine Fähre mehr, sondern eine stattliche Brücke über den Rio Madre de Dios, schlagartig hört der Urwald auf, Viehweiden breiten sich rechts und links der Strasse aus, die Ortschaften sind schon ziemlich herunter gekommen-ehemaliges Urwaldgebiet eben und Tiefland. 
Die wenigen echten Einheimischen sind weg gezogen. Da ist das dann so. Sprit und Diesel kann man auch wieder schwarz kaufen, überall sieht man Rauchwolken aufsteigen. Die übliche Brandrodung wird auch hier massiv den Brasilianern nachgeahmt. 
Und schon sind wir an der Grenze nach Brasilien bei Inapari angekommen.

Jetzt ist erstmal Schluss mit Peru. Es hat uns dort unheimlich gut gefallen. So schön wird es nicht mehr so schnell werden auf unserer Reise. 
Für uns ist und bleibt (auch wieder hoffentlich) Peru ein Traumland.

Macht’s es gut und bald hören und lesen wir uns hoffentlich wieder! Ihr werdet dann erfahren, wie es uns in Brasilien erging.