Teil 7 : Brasilien – Teil I

Von Inapari/Grenze Brasilien bis Belém
vom 21.06.2016 bis 09.07.2016

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Die peruanische Grenze in Inapari, auch schon modern geworden und nicht mehr zu verfehlen, ist gleich erledigt.
Nun kommen wir also zur brasilianischen Grenze von Assis Brasil. Vor 10 Jahren waren wir hier schon einmal gewesen. Damals war kein Grenzposten in Sicht, nur ein übergroßes Grenzgebäude, in dem sich ein Soldat in der Einsamkeit wohl eher gefürchtet hat. Das hat sich geändert. Die Grenze wurde inzwischen eingerichtet, ausgesprochen spärlich, und schaut aus, als wenn sie bald wieder verfällt. Wird sie auch. Geldwechseln geht immer noch nicht.
Wir kommen hin, ein freundlicher Herr von der Immigration kommt, gut, dann kommt der Herr vom Zoll in Privatkleidung. Er ist stockbeleidigt, als wir ihn nach den Herren der Aduana fragen, was natürlich ganz kleine Absicht war, wenn schon jemand so ankommt! Den anderen Damen und Herren hingen die Gesichter bis zum Boden ‚runter, unter dem Herrenmenschen war das Arbeitsklima ja wohl hervorragend. Er hat versucht, uns nach Methoden herum zu kommandieren, und zu kontrollieren, die wir eigentlich aus anderen Ländern und sehr viel früheren Zeiten kennen und als Uwe ihm nicht erlaubt hat, in unseren Sachen herum zu wühlen, wurde er leicht tätlich, dem ich dann sofort dazwischen bin und ihn angeschrie’n habe, was er denn für ein Wicht ist-trägt nicht ‚mal ne Uniform, sind das neuerdings Geheimdienstmethoden? (métodos de inteligencia-welch ein Hohn!). Er wurde ruhiger, kamen ja auch noch andere Touristen als Zuhörer, und erklärt uns, dass das alles wegen der Terroristen sei, die nach Rio zur Olympiade kommen. Wir lachen ihn einfach aus: Pensionisten aus Deutschland an der Grenze von Peru nach Rondonia/Brazil! Er zieht sich zurück.
Wir bekommen unsere Papiere und Stempel im Büro, die entschuldigen sich ganz leise für ihren Chef und wir bedauern sie, dass sie mit dem zusammen arbeiten müssen.

Friedlich fahren wir unserer Wege, können an einer Tankstelle beim Polizeiposten übernachten. Alles tranquillo, niemand ist hier hysterisch wegen Olympia-Rio ist irre weit weg!! Wir sind angekommen in Brasilien, wie wir es kennen: sehr freundlich, hilfsbereit, immer einen Weg finden zu aller Zufriedenheit, nicht hetzen, gemütlich leben und leben lassen.

So geht es also dann weiter. In jeder zu durchfahrenden kleinen Ortschaft versuchen wir Geld zu wechseln, in einer klappt es sogar: in Cobija.
Rechts und links der Strasse gibt es nur noch Viehweiden, dort, wo noch Bäume stehen kommt man nicht hin-deshalb stehen sie ja auch noch.

Nach drei Tagen sind wir in Porto Velho, der Hauptstadt vom Bundesland Rondonia am Rio Madeira und finden im Hotel Regina auf dem Parkplatz vom Haus nette Aufnahme bei der Chefin. Wir haben Internet und alles ‚was man so braucht. Auch eine Waschmaschine!
Jetzt geht es ums Verschiffen nach Manaus-wir sind sehr gespannt, was nun so alles kommen und passieren wird.
Erstmal machen wir uns mit unserem Auto auf in den Hafen, es gibt mehrere davon: immer gerade aus, an der Mauer am Ende der Strasse links, 1. Strasse rechts. Dort gibt es, fast schon am Wasser, wo die Passagierboote liegen, ein paar kleine Ticket-Verkaufsstellen für die Passagierboote, fragende Blicke unsererseits und schon werden wir angesprochen.
Die abenteuerlichsten Möglichkeiten, die Preise, Fahrtdauer, alles bekommen wir zu hören. 
Dann kommt endlich ein sog. Agent. Auf der Stadtseite liegen die Pontons für die LkW, bzw. die Aufleger. Der Agent bringt uns mit seinem Auto zu einem Ponton mit Schubschiff auf der anderen Seite vom Fluss. Dort liegen die Pontons für Stückgut, d.h. Holz, Mais, Zucker werden derzeit hauptsächlich verladen.
Der Ponton, den er uns zeigt, schaut sehr klein aus. Ein PkW und ein Klein-Lkw stehen schon ‚drauf. Unser Auto müsste auch über die Poller ‚drüber kommen. Per Wippe ginge das. Da könnten wir also gleich morgen früh mitfahren.
Wir überlegen, prüfen, Uwe sagt, das geht, mir steht jetzt schon der Schweiss auf der Stirne, ich würde sagen, es geht nicht.
Schlussendlich: Wir zahlen für den privaten kleinen Ponton für 5 Tage Verschiffung, Auto, 2 Personen mit Vollpension umgerechnet 450.-€ und tatsächlich kommen wir per Wippe über die Poller am Steg und über die Festmacher am Ponton hinweg ‚drauf.
Es ist schon dunkel; manchmal ist es wohl gut, wenn man nicht alles sieht. Bis spät abends wird noch der restliche Mais und die Zuckersäcke geladen, dann geht es am nächsten Morgen los- auf dem Rio Madeira!
Wir legen ab. Ja, jetzt heisst es tatsächlich „auf nach Manaus!“ Unser alter Traum wird wahr.

Zum Schubschiff kommen wir nicht, der „Weg“ an der Ladung vorbei ist nur akrobatisch mit einem Fuss im Wasser machbar und zu Fischfutter wollen wir ja noch nicht werden. Zwischen dem Eingang in unsere Kabine und dem Fluss ist genau Platz für unseren Campingstuhl! Wir stehen ganz vorne, bei Wellengang durch Gegenverkehr schwappt das Wasser hoch. Gleich anfangs haben wir uns noch zwei Paletten geschnappt und am Kabinen-Eingang doppelt hingelegt. So kommen wir trockenen Fusses in die Kabine, Wasserflaschen werden angebunden damit sie nicht weggespült werden. Auch das ist nun perfekt. Wasser würden wir von der Besatzung bekommen, die ab und an bei uns vorbeischauen und sehr traurig sind, dass sie nicht mit uns reden können. Sie sprechen nicht einmal Brasilianisch/Portugiesisch, es ist eine mit Portugiesich verschmischte Sprache der Indigenas.
Zu Essen haben wir genug mit, auch zu trinken, alles passt. Brot backen wir bei Bedarf selbst und Kuchen auch. Unsere Toilette ist wie überall hier der große Fluss. Den Motor vom Schubschiff hören wir fast gar nicht, der leichte Fahrtwind bringt angenehme Temperaturen und verscheucht Mücken.
Jetzt können wir hier den ganzen Tag sitzen und schauen!
Es gibt viel zu sehen:
Am Ufer und auf Pontons, die immer zu Verbänden von rund 8 Stück in Reihe zusammen gebunden werden, arbeiten die Goldwäscher, die mit ihrem Quecksilber den Fluss vergiften. Zig Pontons mit Pumpen und Wasser/Sandrutschen, ihren Aggregaten und Hüttchen ‚drauf ziehen so aneinander gekoppelt am Flussufer entlang. Manchmal sieht man sie quer über den Fluss in andere Gebiete umsetzen.
An Dörfern ziehen wir vorüber, die nur per Schiff/Boot zu erreichen sind. Kleine Kirchen grüßen uns aus der Ferne, manchmal tönt eine Glocke oder ein Kirchenlied herüber. Kühe, Pferde und Schweine fressen auf Grünland und abgeernteten Feldern, ab und an arbeiten die Leute auch selbst auf dem Acker. Die Frauen waschen Wäsche, Dorfschulen sehen wir, vor denen die kleinen Boote der Schüler liegen, nachmittags baden und toben die Kinder im Fluss.
Am Fluss gibt es Bars mit Billardtischen, kleine Läden, Restaurants-alles genau so wie an Land, nur, dass die Strasse aus Wasser ist. Auch etliche Handwerksbetriebe liegen am Rio Madeira: Tankstellen sowieso, aber auch kleine Sägewerke, Zimmereien, Schmieden, ganz kleine „Baumärkte“, wo man z.B. Wellblech kaufen für die Dächer oder ein paar Mauersteine.
Natürlich beobachten wir auch den Fluß und haben ab und an Glück, rosa Flussdelphine zu sehen. Jedes Mal muss ich mich ärgern, dass ich es nie schaffe, sie zu fotografieren. Es gibt auch noch viele andere, sehr große Fische, die wir als Salmler-,Welse- und Karpfenarten erkannten, bzw. meinten, es wären welche. Jedenfalls waren sie oft recht imposant.
Natürlich kamen uns viele Schiffe entgegen oder haben uns überholt mit manchmal recht lauter Musik. Das waren dann die öffentlichen Passagierschiffe nach Manaus. Die Leute hängen alle in ihren Hängematten ‚rum, dösen, quatschen-was sonst.
Sehr große Schubverbände haben uns mit Baumstämmen aus dem Urwald überholt. Das war erschreckend zu sehen, und welche Dicke diese uralten Urwaldriesen hatten! Das ist jedes mal wie ein Stich ins Herz-unfassbar. Was Korruption, Geld-und Machtgier bewirken können! Die Vernichtung riesiger Urwälder, mit ihnen die Menschen und Tiere. Wir haben quasi keine Papageien oder andere Vögel des Urwalds mehr gesehen! Nur Rinder, Pferde, Hühner, Puten, ein paar Reiher.
Bei Porto Velho ist ja schon ein großes Wasserkraftwerk tätig und etliche Kilometer flussaufwärts das zweite Kraftwerk. Die Industrie und gut 500.00 Menschen in Manaus, mit ihren Klimaanlagen, die Häfen brauchen Strom. Es soll nun aber ziemliche Probleme mit dem Fischfang geben, die Fische können nicht mehr zu ihren Laichgebieten flussaufwärts wandern oder werden vom Quecksilber vernichtet- Lebensraum von Mensch und Tier werden weiterhin unwiederbringlich zerstört.
Andererseits werden riesig große Schneisen im Wald geschlagen, Strommasten aufgestellt und fast alle kleinen Dörfer und Siedlungen am Fluss haben inzwischen auch Strom. Diese Leute werden nicht wegen der Erhaltung der natürlichen Flusssysteme und des Urwaldes darauf verzichten wollen. Hier arbeitet man auch lieber mit elektrischen Kreissägen als mit dem Fuchsschwanz und will Fernsehen schauen.
Dennoch geht am Morgen wunderschön die Sonne auf, die Sonnenuntergänge sind grandios, die Sterne leuchten über dem Fluss-ab und an sieht man ein Lämpchen am Ufer leuchten.
Es ist faszinierend auf dem Rio Madeira unterwegs zu sein!
Nach fünf Tagen ist Manaus am Rio Negro (nicht Amazonas!) in Sicht.
Wir kommen nachmittags in einem der Häfen, dem Porto do Demetrio für Stückgut, an.
Es war super schön und hätte noch lange so weiter gehen können.

Nach fünf Tagen auf dem Wasser und einem weiteren Tag im Hafen von Manaus , es musste erst Mais und Zucker abgeladen werden damit der Ponton höher kommt, können wir unser Auto auch ‚runter holen.
Natürlich, wie oft so üblich hier, wartet man mit den kniffligen Arbeiten bis es dunkel ist.
Also wieder Paletten stapeln, dicke Bretter hinlegen, mit unserem eigenen Allrad und Untersetzung, mit Unterstützung eines überaus freundlichen Brasilianers, der uns mit seinem Landcruiser ziehenderweise unterstützt, kommen wir so ziemlich unbeschadet vom Ponton. Etwas Plastik an der Stossstange hat Federn lassen müssen. Das ist aber kein Problem.
Eine Nacht noch können wir auf einem anderen Ponton, auf den man lässig ‚drauf fahren kann, übernachten, dann geht es am nächsten Morgen in die Stadt.
Im ioverlander hatten wir gelesen, dass man beim Hotel Ibis stehen darf. Das wäre für uns ideal, denn der Hafen mit den Schiffen nach Belém wäre nicht weit und wer weiss schon, was uns nun wieder alles erwartet. Also hin.
Das muss man sich mal in Europa vorstellen! Geht man ‚rein ins Hotel, fragt, ob man auf dem Parkplatz für 4-5 Tage übernachten darf wegen der Verschiffung, Manaus und überhaupt. Man spricht gut Englisch! Sofort springt die junge Frau von der Rezeption auf, zeigt die Toiletten, gibt das Passwort fürs Internet, und als kleiner Geheimtipp wird einem offenbart, dass man die Angestellten, die für Ordnung, Sauberkeit und Grünanlagen zuständig sind, fragen soll, dann könnte man bei ihnen auch duschen. Der Fernseher steht natürlich auch zur Verfügung, Relaxen im Sessel mit Klimaanlage sowieso und das alles, natürlich, kostenlos!
Unwahrscheinliche brasilianische Gastfreundschaft!!! Und Europa? Die jagen einen sicher davon, da darf man ja kaum zur Toilette gehen-nur für Hotel-Gäste heisst es immer!
Was sind wir froh, dass das so geklappt hat. Ausserdem ist es ein Hotel, bei dem ständig eine Taxe vor der Tür steht. Hier gibt’s kein Warten am Strassenrand, im Dreck-nein, einsteigen und losfahren! Welch ein Luxus.

Ganz unbeschwert schauen wir, wo der Industriehafen ist, dann werden wir so lange weiter geschickt, bis wir den Hafen Chibatao, davon den Bereich Ceasa und schliesslich das Ticketbüro finden. Auch hier spricht der nette Herr Englisch, was die Sache deutlich vereinfacht.
Wir können uns den Tag der Abfahrt aussuchen und so beschliessen wir, dass drei Tage für Manaus in dieser Juli-Hitze reichen müssen für: Oper, Markt, Stadtbummel mit Bank suchen und Geldwechseln und im Supermarkt  einkaufen.
Wir bezahlen, auch wieder ca. umgerechnet 500.-€ für 5 Tage inkl. Vollpension.

Die Sucherei und Reservierung der Schifffahrt auf dem Amazonas wäre erledigt, das dauert einen ganzen Tag, nun können wir uns am zweiten Tag auch der Stadt Manaus, der Altstadt, widmen:
Mit der Taxe fahren wir ins Zentrum und zur Oper, dem Teatro Amazonas, 1896 gegründet. Es ist bekannt durch Caruso, der dort angeblich gesungen haben soll, die Callas, Nurejew und allen anderen Größen der klassischen Musik und Darstellung.
Erbaut, direkt oder indirekt vom Geld der Kautschukbarone, bietet es für damalige Zeiten, noch dazu im Urwald, den es damals noch richtig bis zum Stadtrand gab, unermesslichen Luxus. Die Reichen wollten darauf nicht verzichten: Spiegel aus Venezien, Leuchter und Lampen aus Murano-Glas, Sitze aus Frankreich, Gemälde, Treppenaufgänge usw. aus italienischem Marmor, Möbel, Toiletten von den damals ersten Adressen Europas! Viele kleine intime Logen gibt es und ein kleines Parkett-alles in allem Platz für 701 Personen, die auf rotem Samt sitzen dürfen! Alles damals Luxus pur für die Reichen in Manaus, heute angestaubte aber noch immer beeindruckende Geschichte. 1907 wurde das Teatro aus Geldmangel geschlossen, der Kautschukboom war vorbei. Erst 2001 wurde die Oper nach mehreren Restaurierungen aus privaten Geldern von 2,5 Mio. USD wieder eröffnet.
Die Oper wird auch heute noch regelmäßig bespielt, es gibt neu ins Leben gerufene Festspiele, aber leider nicht in den Tagen, in denen wir dort waren. Die großen Künstler kommen wohl mehr, wenn es Ferien hat in Manaus. Die Film-Festspiele sind im April. So machen wir die Führung mit durch die öffentlich zugänglichen Räume, leider ist die Bühne und alles was dahinter ist, nicht zu besichtigen.
Wir ziehen weiter durch die Stadt, machen unseren Bummel hinab zum Wasser. Na, ja so toll ist es da nicht: Baustellen, Bruch, Häuser, die nur im Parterre und bis maximal 2. Stock bewohnt werden gibt es viele. In Baulücken haben sie Kleidungsstände aufgemacht mit Waren aus Brasilien und China. Oft werden wir angesprochen, gemeinsam fotografiert-wir sind alle Amigos bis in den Tod. Die Leute hier sind glücklich und stolz europäische Touristen in ihrer Stadt zu sehen. Wir haben keinen anderen Touristen gesehen, auch nicht in der Oper, es waren alles Brasilianer.
An einem der Zeitungskiosks an der Strasse bekommen wir unseren Strassenatlas „Guia Quatro Rodas-Rodoviario“ von Brasilien-wir sind altmodisch und brauchen noch immer das Papier in der Hand, schon mal wegen des Überblicks. Er ist von 2014, immerhin.

Wir gehen hinunter zum alten Markt, der sehr hübsch restauriert wurde aber inzwischen nur Touristenessen, Souvenirs, und „echt brasilianische Lebensmittel“ auch für Touristen anbietet. Am Hafen dann liegen hunderte der Personenschiffe, die in die ganze Umgebung am Fluss fahren. Gegenüber ist der echte Mercado. Hier kann man alle Lebensmittel kaufen, die man braucht. Sonntags macht alles mittags zu! Das moderne Manaus schauen wir nicht an, die ganze Stadt hat um die 2 Mio. Einwohner! Und die modernen Shopping-Malls schauen auf der ganzen Welt eh alle gleich aus. Insgesamt werden wir ca. 10 Tage auf den Flüssen verbringen. Bei 35°C +/- ein paar Grade mehr haben wir keine Lust, noch mit Booten in den Urwald, der die Stadt umgibt, zu fahren.
Wobei ich eigentlich immer die großen Blätter und Blüten der Vitoria Regia-Seerosen in der freien Natur sehen wollte. Man kennt sie ja nur vom Botanischen Garten, vor allem in Berlin. Nun, das Fleisch ist manchmal doch recht träge und vielleicht sehen wir sie ja doch noch Mal.

Nun müssen wir natürlich auch noch Geld ziehen und zum nahen Supermercado gehen. Einkaufen für 8 Tage ist nötig. Kann ja sein, dass der Schiffs-Motor mal für 3 Tage ausfällt oder wir wieder keine Vollpension aus irgendwelchen Gründen bekommen.
Nein, wie immer heisst es: autark sein!

Die genauen Koordinaten und wo genau man ‚was findet stehen in unserer Homepage www.m-weinreich.com unter Stellplätze Brasilien Teil 1 ‚drin. Werde es aber später nochmals bei den Infos reinsetzen.

Am Morgen sind wir wieder verabredet im Hafen, der Watchman weiss Bescheid, die Papiere müssen noch fertig gemacht werden und, und, und. Und natürlich geht es nicht vormittags los, sondern erst abends halb im Dunklen. Logisch. Aber ganz lässig mit ordentlichem ‚Rauffahren.
Endlich sind alle sieben LkW mit Fahrer, wir und zig Aufleger auf unseren Ponton ‚drauf gekommen oder wurden geschleppt.

Es geht los, aber nicht weit! Gerade mal um den nächsten Vorsprung vom Steilufer, da machen wir im und am Sand fest. Ob das normal ist? Schon kommen Zweifel auf, was ist?
Es ist normal, die LkW-Fahrer sind total relaxt. Nachts liegen wir allein da, das Schubschiff verzieht sich auch, na, gut. Sie haben uns augenscheinlich gut vertäut.
In aller Herrgottsfrühe hören wir es scheppern, krachen, rumpeln. Die Neugier treibt uns ‚raus und siehe da, noch zwei große Pontons wurden, vollbeladen mit Auflegern an unseren angekoppelt.
Das kann ja heiter werden, alle führen Kühlaggregate!!
Wir machen uns ganz vorsichtig schlau und werden beruhigt: Sie sind alle üblicherweise leer, entladen in Manaus. Aber flussaufwärts, ab Belém NACH Manaus, da sind sie voll! Großes Aufatmen unsererseits!
Das Schubschiff kommt, haut schwarzen Rauch aus dem Schornstein, dass es eine wahre Pracht ist. Habt Ihr schon mal gesehen, wie es qualmt, wenn am Strassenrand z.B. alte Gummireifen verbrannt werden? Sicher nicht in Europa-da gibt es absolut nichts vergleichbares! Es ist, als würde man 50 Autoreifen verbrennen! Aber wenn der Motor erstmal rund läuft, dann ist es bald i.O.
Endgültig geht es los-jetzt heisst es: Auf nach Belém!

Zu Essen bekommen wir morgens Kaffee und paar Kekse, mittags und abends Rind-oder Schweinefleisch mit dunklen Bohnen und Reis. Das ist das Standardgericht, das gibt es jeden Tag mit etwas Salat oder sogar mal mit einem Apfel. Zu trinken bekommt jeder Wasser mit Früchten drin, soviel man will. Das Fleisch ist gut, lagert es doch in Tiefkühltruhen und die Früchte in Kühlschränken. Wir stehen ganz hinten und müssen immer etwas Klettern wenn wir zu Dusche und WC wollen-es ist alles alt und verrostet wie eben das Schiff, aber sauber!
Wir müssen nicht arbeiten, wir können wieder schauen.
Dazu nehmen wir wie alle hier unsere Klappstühle, wandern ganz nach vorne zum Fahrtwind und staunen:
Hochseeschiffe fahren flussaufwärts nach Manaus, kleinere sogar bis Porto Velho, hören wir. Vollbeladen mit Gas, Diesel, manche nur mit Wasserflaschen, andere mit Gasflaschen, mit Lebensmitteln wie Reis z.B.. Flussabwärts wird Holz transportiert, mal fertig schon als Bretter, mal als ganze Baumstämme. Viel Fracht geht in den Hafen von Belém und gleich weiter über die Ozeane. Anfangs ist der Amazonasfluss, dessen viele Flussarme hier verschiedene Namen tragen, noch überschaubar. Wir kommen durch viele Nebenarme, die zwar noch breit genug sind, aber von vielen Hochseeschiffen wegen der Tiefe nicht befahren werden. In den Seitenarmen aber man kann die Ufer besser sehen. Kleine Dörfer, Estancias, Schulen, Läden, Kirchen usw. liegen auch hier am Ufer, natürlich auch wieder Handwerker und Tankstellen. Morgens und nachmittags queren die Kinder den Fluss, wenn sie von der Schule kommen. Die kleinen werden von einem erwachsenen geholt, die größeren paddeln schon allein und freuen sich und winken den großen Schiffen und Schubverbänden zu.
Hier sehen wir allerdings keine Goldschürfer mehr wie am Rio Madeira. Auch keine Fische und keine Vögel. Keine Bäume, mehr oder weniger nur wertloses Gestrüpp.
Ab und an kommen auch Einheimische mit ihrem Einbaum, der natürlich einen Motor hat, an „unser“ Schiff und verkaufen z.B. Krabben, Fische, Früchte, Säfte usw. Es wird nicht langweilig! Nur einmal haben wir ziemlichen Starkregen, da verkriechen sich die LkW-Fahrer gleich in ihre Hängematten, die sie im Trockenen unter den Fahrzeugen aufgehängt haben. Wenn das Wasser wieder abgelaufen ist, kommen sie wieder vor.
Wir gehen in der Mannschaftsdusche duschen, es gibt Toiletten, alles kein Problem und alle sind unheimlich nett! Einer von ihnen, Marco,  spricht Englisch und wir gehen öfters mal auf die Brücke, Uwe darf auch selbst den Schubverband steuern. An den großen Städten wir Santarem und Macapá halten wir nicht, kommen leider nur nachts vorbei.
Wenn man nach Santarém oder Macapá will, dann muss man das schon in Manaus entsprechend buchen.
Die Wolkenstimmungen sind auch umwerfend toll! Die Wolken türmen sich auf, vergehen, bilden neue Türme, die Farben wechseln von gleissend Weiß zu Dunkelgrau und gegen Abend Feuerrot, bis endlich die Nacht kommt und dem Schauspiel ein Ende bereitet. Dann kommt der tief beeindruckende Sternenhimmel! Leider aber nicht immer, die Wolken versperren die Sicht. Dafür erleben wir aber Wetterleuchten in der Ferne vom Feinsten. Es ist so weit weg, dass man nicht einmal ein leises Grollen hört. Es ist nie langweilig, immer faszinierend! Und wenn wir denken, es ereignet sich gerade nichts, dann schauen wir mal wieder aufs GPS um zu sehen, in welchem Wasserarmen wir unterwegs sind.
Am letzten Tag wird der Fluss richtig breit, Wasserpflanzen treiben entlang, der Schiffsverkehr nimmt schon lange immer mehr zu. Hochseefrachter, Schubverbände, Personenfähren sind auf nun mehr dem gleichen Wasser zahlreich unterwegs.
Endlich Belém am Rio Pará in Sicht. Man sieht rundherum nur Wasser, bis zum Horizont! Ab und an kleine Inseln, bewohnt oder auch nicht. Da ist es eigentlich schon egal, ob es der Amazonas oder der Rio Pará ist, man kann es vom Schiff aus eh nicht unterscheiden.

Und nun sind wir da, in Belém angekommen, unser Traum hat sich erfüllt, ist vorbei.
Irgendwie ist das jedes Mal traurig, wenn ein Traum zu Ende geht, es wieder einer weniger wird. Aber für Nachschub ist ja gesorgt!

Nun also Belém-eine Moloch:
Heiß, Verkehr bis zum Abwinken, 1,5 Mio. Einwohner, kein Parkplatz für uns-na, furchtbar.
Bei der Fahrt durch die Stadt sehen wir im Zentrum die schönen alten Gebäude, den Markt, aber wir wollen weiter. Haben einfach keinen Nerv dafür. Zumal wir auch keinen ordentlichen Stellplatz für unser Auto finden. Wenn wir in bewachten Parks fragen, dürfen wir nicht, auf irgendwelchen Parkplätzen im Zentrum, wenn auch bewacht, wollen wir nicht, extra ein teures Chalet mieten wollen wir auch nicht- es passt hinten und vorne nicht. Etwas ausserhalb ist die Stadt zugemüllt. Hier ist der Nationalvogel der Geier! 10/20 Stück wühlen im Müll und das an jeder Strassenecke.
Es bleibt uns für die Nacht, wie immer, ein Posto. Ruhig, Internet, Duschen, WC. Wir beratschlagen, ob wir noch am nächsten Tag mit dem Bus in die Stadt fahren sollten? Nein, keine Lust.

Wir fahren weiter, aufs Land!

Und wie es da weiter geht und was es da zu sehen gibt, das erfahrt Ihr dann im nächsten Bericht Teil 2 von Brasilien.
Bis dahin viel Spass beim Lesen und wenn Ihr auch dort hinfahren wolltet zum Verschiffen und Land und Leute geniessen, dann findet Ihr alle wichtigen Punkte vom Übernachten, übers Verschiffen, Agenturen, Einkaufen, Geldwechseln usw. mit Koordinaten in unserer Homepage, in der Rubrik Stellplätze, 2015/2016 Teil 4-Brasilien Teil1.

Bis bald mal wieder!