Teil 8 – Weihnachtsbrief 2016

 

Weihnachtsbrief 2016

Ihr Lieben,

zu Hause in der Familie, irgendwo derzeit in Europa auf der Flucht vor dem Winter, unterwegs auf irgend einem Kontinent dieser großen, herrlichen Welt!

Für uns war dieses Jahr „lang“, ereignisreich und komplett gesund.

Das Jahr 2016 fing für uns in Kolumbien an, im Tierradentro, in San Augustin zusammen mit lieben Reisebekannten.

Silvester: Figuren, mit Stroh ausgestopfte Kleidung, Sinnbild für das alte Jahr, wurden verbrannt. So wie die Einheimischen haben auch wir das empfunden: Es lebe das neue Jahr!

Zunächst einmal gab es viel „altes Gemäuer“, Gräber, natürlich auch Landschaft, sicher atemberaubend wenn das Wetter besser gewesen wäre. Aber so? Nebel, nichts als Nebel.

Dann ging es bei nicht so tollem Wetter zur nächsten Grenze, nach Ecuador. Ecuador, wo wir das erste Mal 1979 waren, erkennen wir fast nicht wieder, jammern ebenfalls natürlich, den „alten Zeiten“ nach, dennoch ist Ecuador noch immer super schön, die Leute noch immer super freundlich, das Land noch immer eine Reise wert!! UND es ist viel bequemer geworden dort zu reisen. Welch ein Unterschied: Tolle Pisten, tolle Strassen, öffentliche Verkehrsmittel, Supermärkte! Na gut, die Märkte sind nicht mehr so „ursprünglich“, wie man heute sagt, aber doch super schön! Die Leute so nett wie damals, was sehr selten ist.

Und ich sag immer, eins muss man wissen: Wenn wir von Romantik, den schönen alten Zeiten, sog. nostalgischen Zeiten, sprechen, dann bedeutet das immer Armut, ein viel schwereres Leben und Entbehrungen für die einheimische Bevölkerung. Der Handel auf den Märkten läuft immer gleich, ob nun Tonschüsseln oder Plastikschüsseln verkauft werden. Plastikschüsseln und Wellblechdächer sind eben doch einfacher und praktischer-das müssen wir ihnen schon gönnen. Zur Hütte am Chimborazo kann man fahren, früher musste man vom Tal aus laufen. Zu den Lagunen kann man fahren, früher waren sie nur zu Fuss erreichbar. Vieles ist sehr bequem geworden. Nostalgie ist nicht immer angebracht! Für uns nicht, schon gar nicht für die Einheimischen.

Von Ecuador sind wir nach Peru ‚rüber gefahren. Peru ist für uns quasi „Neuland“, umwerfend schön und dazu auch noch absolut toll zu bereisen-ein Traum! Das darf man eigentlich gar nicht so laut sagen! Ist aber so!

Ja, erst viel Kultur, Kuelap usw. und sofort, dann Trujillo mit Chan Chan, den Pyramiden, dann kam für uns DER Höhepunkt von ganz Peru: die Cordillera Blanca. Hier verbirgt sich ein Juwel der Natur: die 6000er von traumhafter Schönheit reihen sich aneinander, die Dörfer sind von einfacher, natürlicher Schönheit und Schlichtheit geprägt, die alten Städtchen sind in ihrer Struktur von der Bevölkerung getragen und gefestigt.

Natürlich folgt Lima, eine riesig große Stadt. Nazca als Touristenhochburg, na, ja.

Dann kommen wir wieder in die einsame, sehr kalte Pampa, mit vielen Vicunas, die uns ständig über den Weg laufen und uns erfreuen. Letztendlich wird uns die Strasse durch herrlichste Landschaft bis nach Cuszco bringen-bei quasi Kaiserwetter! Wir sind 14 Tage in dieser alten, lebendigen Stadt, in der jeder Stein eine ewig lange Geschichte erzählen könnte, wo es immer ‚was zu feiern gibt, wo die Märkte überquellen, wo uns einzigartige Bauwerke erwarten. Allerdings, 1979 durfte man noch in jede Kirche/Kloster kostenlos hinein und wir haben viel gespendet-jetzt nicht mehr.

Dann geht es hinab nach Puerto Maldonado-Gott, wie ist die Strasse inzwischen komplett und Maldonado jetzt groß geworden, nach inzwischen bloss rund 10 Jahren!

Und es wird warm, richtig warm!! Ja, und dann?

Dann wollen wir endlich unser langjähriges Ziel erreichen, den Amazonas und diesen auch befahren, sagen wir mitfahren. Vor rund zehn Jahren hatten wir das schon vor, aber das Wetter ist so eine Sache-wer will schon in der Regenzeit da ‚rumgondeln? Also verschieben wir es auf inzwischen 2016.

Von Porto Velho geht es also mit einem kleinen Ponton von einem Familienunternehmen nach Manaus und von Manaus mit einem Schubverband nach Belém.

Beides war wieder ein absoluter Höhepunkt-die Stimmung auf dem Fluss, die Dörfer oder Siedlungen am Wasser, die Wolkenstimmungen von morgens bis abends, das Licht, der Fluss und natürlich auch das Kennenlernen der Besatzungsmitglieder und der mitreisenden LkW-Fahrer.

Dann führt uns der Weg an der nördlichen Küste entlang zu den karminroten Ibissen, zu den Dünen an der Küste und durch das Land, das erschreckend stark von Monsanto geprägt ist, nach Brasilia, der architektonisch umwerfenden aber leider langsam verfallenden Stadt, dem brasilianischen Regierungssitz. Und dann kommen wir in den „deutschen“ Süden von Brasilien.

Ein Besuch bei Freunden in Blumenau rundet für uns die Zeit in Brasilien ab. Es ist immer nett dort, so heimatlich „deutsch“.

Wir fahren weiter nach Uruguay.

Nun wird die Zeit für uns „endlich“ in Südamerika. Viel gibt es zu erledigen nach 13 Monaten in der „Fremde“, die für uns keine „Fremde“ mehr ist.

Was sagen wir so oft? Und wenn wir dann nach Hause fahren, dann müssen wir …… mit nehmen.

Zu Hause“ ist inzwischen auch unser Camionetta, das auf uns in Uruguay, zwischen Atlantida und Migues wartet.

Zu Hause in FFB ist es zunächst stressig-unser von Brasilien aus gekauftes Auto-unser Europa-Auto, wie wir sagen, müssen wir in Emden anschauen und abholen, nach Hause fahren nach FFB, anmelden, TÜV, Drama, geschafft, dann nach Berlin zur Familie Teil II fahren, wo im Mai/Juni 2017 Nachwuchs erwartet wird, gute Freunde besuchen, die wir schon aus der Jugend kennen. Überwinterungsplatz für unser Europa-Auto suchen. Geschafft, mit Flix-Bus nach Hause in Fürstenfeldbruck.

Dann wollen wir uns (sagen wir mal eher ich als Uwe) zu Hause auf Weihnachten vorbereiten: traditionelle Stollen backen, Reise-Freunde besuchen, die wunderbarerweise nicht so weit von uns leben, alte Rezepte vorholen und kochen, da ist schon ein klein wenig Völlerei und viel Freude angesagt.

Ein Baum, seit 2011 gab es ja keinen bei uns, freut sich auf unser Wohnzimmer. Gestern wurde er aufgestellt, heute geschmückt. Wobei die Frage war: „altdeutsch“ bunt oder doch silbern“sächsisch“?

Die Entscheidung fällt: „berlinerisch-bunt-altdeutsch“-ach ist das schön: Baum schmücken, Räucherkerzchen-Daueranzünden und unendlich mehr.

Wer weiss, wann wir mal wieder Weihnachten zu Hause sind denn es ist ja doch eine sehr kalte heimische Jahreszeit, die schön langsam auch auf unsere Knochen geht.

So, nun habt Ihr alle quasi im Rundschlag erfahren, was wir im Jahr 2016 so erfahren haben, was passiert ist, was uns gefreut und traurig gemacht hat. Genaueres bekommt Ihr schon noch zu lesen.

Gut Ding will Weile haben, noch ein paar Ausreden? Nee, jetzt wird es langsam Zeit und wir haben auch mehr Zeit.

Unser Ziel 2017?

Unser Leben geniessen, langsam durch die Welt gondeln, alles, was uns interessiert wollen wir versuchen, anzuschauen-hier, da oder dort, zunächst noch in Südamerika.

Nun wünschen wir Euch ein wunderschönes Weihnachtsfest

und
ein glückliches, gesundes und für Euch interessantes und erfolgreiches Jahr 2017!

Es wäre toll, wenn wir den einen oder anderen treffen würden!

Liebe Grüße
von

Barbara und Uwe