27.07. bis 08.08.2007

Nun schauen wir uns in Cusco noch die große Sonntagsparade vom Militär an.
Das war ganz lustig mit vielen Redenhalten, Musik und Vorstellung aller Militäreinheiten, einschließlich Feuerwehr, eine der Hauptattraktionen.
Am späten Nachmittag gehen wir noch zu den Ruinen von Sacsayhuaman oberhalb vom Campingplatz. Langsam werden die Besucher weniger, die Sonne bringt eine schöne Foto-Beleuchtung und wir lassen uns einstimmen auf Machu Picchu.

Viele Globetrotter sind z.Zt. bei Helmie und alle zusammen machen wir noch ein Abschiedsbarbecue.
Wer weiss, ob und wo wir uns jemals wiedersehen werden.
Nach langem Hin und Her haben wir uns entschlossen, das Auto sicher bei Helmie stehen zu lassen, mit Bus und Bahn und zwei Übernachtungen nach Machu Picchu hin und zurück zu fahren. Die Strecke nach Santa Teresa ist angeblich z.Zt. nicht befahrbar wegen Erdrutschen.

Also geht es morgens um 5°°Uhr im Dunkeln mit der Taxe ‚runter in die Stadt, ein Fahrer vom Reisebüro bringt uns die Fahrkarten, Eintrittskarten und einen Zettel mit der Hotelbuchung und bringt uns dann zum Bus, der uns zum Bahnhof von Ollanta fährt. Die Wolken hängen noch recht tief als es endlich aus Cusco hinaus geht. Nach ca. zwei Stunden Fahrt sind wir am Zugbahnhof von Ollanta. Jetzt scheint schon die Sonne, so dass es beim Anstehen nicht ganz so kalt ist. Unsere Fahrkarten haben wir, bald sind wir im Zug drin und los geht es weiter nach Aguas Calientes.
Die Fahrt ist recht schön durch das enge Tal immer am Fluss entlang. Manche Leute steigen unterwegs aus, denn hier beginnt auch ein Inkatrail.

In Aguas Calientes kommen wir am 1.Klasse-Bahnhof an, unser Hotel steht schon mit seinem auf gut boarisch „Taferltrager“ da, aber unser Name fehlt. Er nimmt uns erst mal mit. Unsere Buchung ist unbekannt. Letztendlich werden wir umquartiert und mit Glück bekommen wir ein nagelneues Zimmer. Es funktioniert auch noch alles und es ist ruhig! In der Toilette fehlt noch das Fenster. So neu ist hier das Haus.

Wir setzten uns auf die Plaza und sehen die Touristen kommen und gehen, Indiogruppen machen Musik, Kinder spielen, die Wanderer vom Inkatrail kommen ziemlich aufgelöst, viele humpelnd und nicht gerade sehr glücklich nach fünf Tagen hier an. Kein Wunder, das Wetter war vor ein paar Tagen sehr schlecht.
Am nächsten Morgen stehen wir kurz vor vier Uhr auf, essen unsere gestern hier gekaufte Verpflegung und laufen zum Bus, der uns zum Sonnenaufgang zu den Ausgrabungsstätten fährt. Alles läuft trotz oder wegen der Dunkelheit reibungslos.

Oben angekommen werden wir noch belehrt, dass nur kleine Rucksäcke mitgenommen werden dürfen! Was natürlich ein Problem ist, denn man muss Essen und Trinken für den ganzen Tag mitnehmen, oben gibt es keinen Kiosk, keine Toilette, nichts für das leibliche Wohlergehen. Und die dicken Jacken, die man am Morgen braucht sollen später auch noch verstaut werden. Die Tickets bekommen am Eingang eine Unterschrift und dann geht es in die alte Inkastadt.
Jeder sucht sich erst einmal seinen optimalen „Fotografierplatz“ für den Sonnenaufgang.
Das Wetter ist überragend schön. Wir haben unendliches Glück, denn allzu oft hängt hier der Nebel, manchmal tagelang. Und dann?

Wir warten eine schöne Stunde lang, schauen zu wie das Licht sich ändert, die ferne Andenkette langsam angestrahlt wird. Eigentlich erwarten wir keinen Sonnenaufgang, sondern nur den Zeitpunkt, wo die Sonne den Tempelbezirk erreicht. Endlich kommt die Sonne nahe dem Sonnentor hoch und leuchtet auf uns und die Ruinen herab.
Ein wundervoller und ganz besonderer Augenblick. Jeder ist doch irgendwie ergriffen von der Sicht auf die gesamte Anlage, die Meter für Meter von der Sonne erobert wird! Eine kurze andächtige Zeit und dann werden wir wie alle anderen Touristen aktiv.

Die Reisegruppen sind schon längst unterwegs, manche konnten das Sonnenspiel gar nicht anschauen, wurden weiter gehetzt. Sie tun uns leid, sie haben viel in ihrem Reise-Stress versäumt!
Wir schlendern hinüber zum Wachhaus, und wissen jetzt schon, dass wir uns den ganzen Tag mit dem Fotografieren beherrschen müssen. Es ist einfach wunderschön hier. Die Inkas haben gewusst, „wie sie wo was bauen“!
Wir schlendern durch die Oberstadt, zum Tempelbezirk, zur Unterstadt, zu den Wohnhäusern, kaum etwas entgeht uns. An herrlichen Plätzchen mit wunderschöner Aussicht lassen wir uns von der Sonne bescheinen, machen Mittag und genießen den ganzen Tag.

Um 16 Uhr treten wir langsam den Rückweg an, kurz vor 17 Uhr fahren wir nach Überwindung der ersten Schwierigkeit mit dem Bus zurück nach Aguas Calientes. Erst jetzt im Hellen stellt sich heraus, dass die Gültigkeitsdauer unserer Fahrkarten um Tage überschritten ist! Nun, wer hoch kommt, kommt auch runter, was hier auch gilt. Nebenbei merken wir, dass unsere Eintrittskarten auch abgelaufen waren, aber Gott sei Dank war es heute früh noch ziemlich dunkel und der Stempel mit dem Gültigkeitsdatum sehr schwach. Wir übernachten nochmals und am nächsten Tag fahren wir mit dem Zug zurück nach Ollanta. In den Zug einsteigen müssen wir aber am Bahnhof für die 2.-, sprich Backpacker- und Indio-Klasse auf den Gleisen mitten im Ort. Für Ollanta haben wir einen Zettel bekommen auf dem steht, wer uns nach Cusco zurück holt. Natürlich ist niemand da, das interessiert auch keinen.
Bis der nette Herr „Busorganisator“ sich unser erbarmt, mit unserem Reisebüro telefoniert und vereinbart, dass wir mit einer Taxe zurück fahren, den Taxifahrer bezahlen und morgen das Geld im Reisebüro zurück bekommen.
Wir bedanken uns überschwänglich und fahren los. Der Fahrer ist rasant unterwegs, aber unsere letzte Stunde ist wohl noch nicht gekommen. Wir kommen gut in Cusco an, inzwischen ist es fast stockdunkel.

Wir dirigieren den Fahrer zum Reisebüro, holen die arme Angestellte an das Taxi und während sie mit dem Fahrer verhandelt, sind wir schon mit einem herzlichen „Muchas gracias“ und „Buenas noches“ weg, verschwunden in der Dunkelheit. Mit einer anderen Taxe fahren wir noch schnell zum Megamarkt einkaufen und gegen 22°°Uhr zu Helmie hoch zu unserem Camionetta. Der Ordnung halber: Das Ganze hat 350 USD gekostet und war ein riesen Erlebnis!
Wir bleiben noch eine Woche in Quinta LaLa bei Helmie, dann wollen wir weiter.
Unser Ziel ist der Urwald von Peru und das Pantanal in Brasilien.

D.h. wenn wir die Strecke fahren wollen, dann muss die Piste absolut trocken sein. Die Regenzeit beginnt, sagt man, im Oktober. Natürlich kann es später aber auch früher sein!
Wir überlegen lange und entscheiden, nicht mehr nach Arequipa, nach Pisco, nach Huaraz zu fahren, sondern gleich Richtung Puerto Maldonado. Und das war gut so, dadurch sind wir auch nicht in das schwere Erdbeben an der Pazifikküste von Peru geraten.

Diese ganze Strecke, die wir fahren wollen bis zur brasilianischen Grenze, das sind ca. 800km Piste, nennt sich „Inter-Oceánica Peru-Brasil“ und wird mit Hilfe der Weltbank finanziert und unter brasilianischer Federführung ausgebaut und asphaltiert. Ca. 100km sind asphaltiert. Da gibt es viele Bauabschnitte! Die großen Baustellen mit ihren Umleitungen sind zeitweise für den Verkehr gesperrt.

Also machen wir uns auf den Weg. Zuerst zurück von Cusco bis Urcos. Von dort geht die Piste nach Ccatca über einen kleinen Höhenrücken. Hier hinter Urcos ist die Strecke nur zwischen 18°°und 6°°Uhr früh befahrbar.
Wir warten und es gibt vieles zu sehen: Z.B. WIE hier gebaut wird, wie gelebt wird in dem kleinen Bauernhaus bei dem wir parken und, und, und. Die Zeit vergeht und kurz nach 17°° können wir alle weiter, die Kolonne Autos und LkW’s zieht durch die Dunkelheit. Die Baustelle ist weiter unter voller Beleuchtung im Gange, manchmal ist die Wegführung nicht ganz so ersichtlich, sind Lampen ausgefallen und der Sand in der Luft steht wie dicker Nebel. Also den Einheimischen, die die Strecke kennen, hinterher fahren und wir kommen gut nach Ccatca. Auf der Plaza können wir übernachten. Bei den Frauen auf der Plaza holen wir uns unser Abendessen: unsere zwei tiefen Schüsseln voll Eintopf. Schmeckt hervorragend und macht unheimlich satt!

Am nächsten Morgen treffen wir die „Lausers“ aus Österreich, die es von Alaska mit ihren Fahrrädern schon bis hierher geschafft haben! Alle Achtung! (http://lausers.heim.at) „Ratschen“ lange miteinander und dann fährt jeder in seine Richtung weiter. In der Ferne sehen wir das Massiv des Nevada Ausangate (6.384m) leuchten. Wir kommen durch mehrere Dörfer, in denen viele Frauen noch ihre Trachten tragen. In Tiquani, hier gehen auch Trekking-Touren rund um den Ausangate los, geht es langsam hoch gen Pass. Die Landschaft wird immer karger. Durch Baustellen und kleine Bäche kommen wir zu einem Abzweig: rechts oder links? Nach rechts soll schon die neue Strasse direkt am Ausangate-Gletscher entlang befahrbar sein, nach links geht die alte Piste über den Paso Huala-Huala. Wir wollen über den Pass.
Anfangs kommt uns ein Baufahrzeug entgegen, sonst niemand mehr. Gott sei Dank, denn die Strecke kann man als einspurig mit kleinen Ausweichstellen bezeichnen. Die 180°-Serpentinen sind sehr eng, der Blick fällt steile 1000m hinab. Schwindelfrei sollte man sein! Aber der Blick ins Tal, mit einzelnen tiefblauen Seen, einsamen Sommersiedlungen mit Lamaherden, auf die Andengipfel und die Gletscher ist bei dieser glasklaren Luft atemberaubend! Endlich sind wir auf dem Pass mit gemessenen 4800m. Ein eisiger Wind weht uns entgegen und in der Ferne sehen wir auf der anderen Seite dicke Wolken aus dem Urwald aufsteigen.
Auch hier kommen wir wieder an Sommersiedlungen vorbei, steil geht die Piste in weiteren engen Serpentinen bergab. Immer noch kein Gegenverkehr!

Auf einmal sehen wir LkW’s uns entgegen kriechen. Ab sofort müssen wir oft ausweichen. Später bekommen wir mit, dass die Straße bergwärts erst ab 15°° befahren werden durfte wegen der Baustellen an der neuen Strasse, die hier irgendwo abzweigt. An umgestürzten Autos und ‚runter gefallenen LkW’s vorbei kommen wir am späten Nachmittag nach Marcapata, ein kleines Städtchen oder großes Dorf (?) auf ca. 3500m Höhe.
Die „Lausers“ hatten uns von der Kirche und dem netten alten Padre Peter aus Dänemark erzählt, der auch sehr gut Deutsch spricht. Ihn wollen wir auch besuchen. Wir dürfen sogar im Pfarrgarten bei ihm übernachten.
Ein wunderschöner Platz mit sehr freundlichen und interessanten Gesprächen im Pfarrhaus.
Er hat vor ca. 40 Jahren in diesem Dorf angefangen zu leben und zu predigen. Dazu gehört natürlich aber auch in diesen Ländern, das Dorf mit aufzubauen, Arbeit und Sozialwesen, Wasser und Strom zu den Menschen zu bringen. Er hat mit seinen etwas über 80 Jahren fast jeden Bewohner hier getauft erzählt er uns. Ihm ist es auch zu verdanken, dass die kleine fast 450 Jahre alte Kirche in Lehmbauweise mit Strohdach erhalten blieb und mit Spenden aus Deutschland langsam renoviert werden kann. Wir haben noch an seinem kleinen Gottesdienst teilgenommen, den er sehr rührend und voller Liebe zu seinen Dorfbewohnern gestaltet hat.
Morgen fahren wir weiter. Die Piste führt durch kleine Dörfer immer in 1000 Höhenmeter-Absätzen langsam bergab.
Es wird grüner und wärmer!

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