Meknes – Ziztal – Erg Chebbi – 22.11.2008 bis 09.12.2008

Durch abgeräumte Felder, spätherbstliche Landschaft kommen wir nach Meknes. Nach mehrmaligem Fragen finden wir den Campingplatz hinter der Stadtmauer, gleich gegenüber quasi von den alten Stallungen des Sultans, die man besichtigen kann.
Der Herrscher des Campingplatzes, Achmed, nimmt uns in Empfang, gibt uns Strom und bald Tips, wo man gut und preiswert einkaufen kann und wo es in die Altstadt geht. Fragt natürlich auch, ob wir bayerische Medizin mitgebracht hätten. Nein, haben wir nicht, aber spanische und die schmeckt dem netten Schlitzohr natürlich auch sehr gut. Abends, in der Dämmerung, können wir noch kurz in die Medina bummeln gehen, dann regnet es.
Die ersten Tage ist das Wetter bescheiden, reicht gerade mal zum Einkaufen „um die Ecke“ ausserhalb der Stadtmauer auf dem kleinen Markt. Dann gibt es endlich schönes Wetter, wir wollen in die Medina.

Erst die alte Stadtmauer entlang, über den Vorplatz vom Sultanspalast, am Grab vom Sultan Ismail vorbei zum Bab Mansur. Wir finden dieses große Tor nicht! Wir sind doch damals vor über 30 Jahren schon durchgegangen, haben vor dem Tor ausserhalb der Stadtmauer zwischen zig Eselskarren geparkt. Und abgerissen ist es sicher nicht!

Da sehen wir es: der Platz existiert nicht mehr, durch das Tor kann man nicht mehr gehen, rundherum stehen irgendwelche Gebäude und Parkplätze. So ändert sich manches. Wir gehen durch die Altstadt, geniessen es, wieder einmal einen schönen orientalischen Markt zu sehen und zu riechen mit den wundervollen Gewürzständen, Schönheitsmitteln und Kräutern, Fleisch, Kleidung und vieles mehr. Meknes ist nicht sehr touristisch, zur jetzigen Jahreszeit sowieso nicht. Wir schlendern weiter auf unserer seit langem ersten Entdeckungstour durch das Labyrinth einer im Halbdunkel liegenden Medina.

Hier gibt es Schmuckgeschäfte mit echten und unechten edlen Metallen, sogar noch Teppich-bzw. Kelim-Webereien. Endlich finden wir die Medersa Bou Inania. Man kann sie besichtigen, sie ist heute ausser Betrieb. Der Innenhof mit dem Brunnen ist klein aber reich verziert mit den typischen Holzschnitzerein Marokkos. Und, was besonders schön für uns ist, man kann aufs Dach steigen und auch aus den ehemaligen Zimmern der Koranschüler heraus die Gassen in der Medina beobachten. Da tut man sich mit dem Fotografieren schon leichter.Wir lassen uns treiben, schauen in die eine oder andere Ecke und kommen dann abends wieder heim zum Auto. Bald geht es weiter von Meknes über den Mittleren Atlas.

Vorher wollen wir aber noch im Forêt de Cèdres bei Azrou die Affen begrüßen! Bei Azrou gehen wir auf den Campingplatz, man steht dort lt. Führer wunderschön unter Kirschbäumen. Stehen wir auch, aber bereits im ersten Schnee! Wir haben scheusslichen Schneeregen und müssen wieder tüchtig heizen. Unser neuer Dieselofen ist Gold wert! Am nächsten Tag geht es richtig in den Schnee, zu den Affen, die ihr dickes Winterfell angelegt haben. Sie sehen richtig kuschelig aus, sind friedlich und anständig, eben wie wir Menschen. Sie wissen ja nicht, wie Menschen, diese Raubtiere, sind.
Von den Affen, den Makkaken, (Kein Schimpfwort! Sie heissen so!) die hier überall in den Wäldern wohnen, nicht nur an der großen inzwischen abgestorbenen Zeder, geht es hoch auf den Col de Zad ( 2178m).

Tiefster Winter überrascht uns. Die Straße ist spiegelblank vereist, es bläst ein eisig kalter Wind. Wie zu Hause im Januar. Wollten wir doch nicht! Gott sei Dank kommen wir gut ‚rüber und die schlitternden und rutschenden Marokkaner kommen auch alle gut und seeeehr langsam über den Pass. Und wir sind froh, dass der Pass überhaupt offen war.
Auf der anderen, der Südseite, gibt es keine Wolken mehr, einen herrlichen Blick auf die Ausläufer des Hohen Atlas und die davor weidenden Schafherden. Bald kommen wir in das Tal des Ziz, die Wüste macht sich breit und durch den Tunnel der Legionäre kommen wir erst in die herrlichen Schluchten des Ziz und dann zum Stausee Hassan Abdhakhil bei Ar-Rachidia. Später erfahren wir: wenn der voll ist (wie derzeit) oder gar überläuft, dann gibt es in Rissani, nördlich vom Erg Chebbi schwere Überschwemmungen.

Nun muss natürlich jeder Marokkofahrer die Blaue Quelle von Meski gesehen haben, fahren wir also auch hin! Die Leute, alles „Prödl-Verkäufer“, sind ausgesprochen lästig, der Platz ist nicht so toll, finden wir und ein deutsches WoMo-Paar. Waltraud und Richard, die wir noch öfter treffen werden. Am nächsten Tag beschliessen wir, unten im Tal in Oulad Chaker den wunderschönen Camping Tissir anzuschauen.

Nach einem großen Parkplatz mit Andenken- und Steineverkäufern geht eine Straße steil hinab gerade zu auf den netten Platz. Klein aber fein! Und sehr nette Leute. Man kann von hier auch wunderbar, am Besten mit dem Fahrrad, die ganze Oase erkunden, die Tajine schmeckt sehr gut und wird uns im Auto serviert.
Mit Richard und Waltraud verbringen wir hier schöne Tage. Eine richtige marokkanische Idylle in einer (noch) intakten Oase.
Wir fahren das ganze Ziz-Tal weiter nach Süden bis wir nach Erfoud kommen. Wir gehen auf dem Markt einkaufen, zum Übernachten finden wir nichts, der Camping ist verkommen und geschlossen. Die Leute alle kleine „Baraber“. In Erfoud fängt schon die Zeit der großen Viehmärkte an-das islamische Hammelfest oder auch „Fête de Mouton“ naht! Überall in den Seitengassen vom Markt sind die Hammel und Ziegen festgebunden zur Begutachtung und zum Verkauf. Geschlachtet wird erst am Morgen des großen Festes zu Hause! Und der Imam predigt, dass die Leute die Tiere ordentlich und schonend töten, sie sollen nicht leiden.

Man kann sich also vorstellen, was da abläuft, wenn der Imam schon so reden muß in der Moschee. Übrigens hat uns das Amar, ein Marokkaner, erzählt.
Unser nächstes Ziel ist Merzouga am Erg Chebbi. Wir kommen erst durch Rissani durch.
In der Oase stehen alle Palmen tief im Wasser, die Felder sind überschwemmt. Die Wasser-Kanäle in der Oase laufen über, manche Straße steht unter Wasser. Die Leute versammeln sich, staunen, ängstigen sich und diskutieren. Wir staunen auch, sind wir doch in der Wüste! Der besagte Stausee läuft über und das ist hier nicht lustig! Merzouga, ca. 30 km entfernt an den Sanddünen wurde schon einmal fast weggeschwemmt, die Ruinen kann man noch sehen.

Hinter Rissani geht es schnurgerade aus und zig Schilder versuchen, die Touristen und WoMos in jede der einzigartigsten von den besten der Auberges zu locken.
Wir wollen zum „kleinen Prinzen“-“Le petit Prince“! Soll schön sein und das bilden wir uns so ein, hört sich auch gut an und wer hat das Buch von Saint Exuperie nicht schon gelesen?
Nachmittags kommen wir beim „Kleinen Prinzen“ an und finden hinter dem Eingang, sozusagen auf dem Hof, einen wunderschönen Platz: vor uns eine kleine Düne, Palmen, Dromedare. Dusche,WC, Strom, abgewaschen und gekocht wird in der Küche-ideal!

Die Jungs sind sehr nett, eine Waschmaschine gibt es auch und für einen Gemeinschaftsratsch stehen Tische und Stühle da. Sehr gemütlich!! Letztendlich sind wir vier Autos: ein WoMo aus Dresden; Michael, der Marokkofuchs; zwei Puchheimer Westafrikafüchse und wir. Eine lustige Truppe.

Wir sitzen abends zusammen, gehen auf die Düne hoch, fahren, Dank an Marokkofuchs, nach und in die Umgebung von Rissani, z.B zum Lamdouar, wo schon Hollywood-Filme gedreht wurden. Die Aussicht von dem Berg ist wirklich traumhaft, ein herrlicher Stellplatz am Gipfel! Dank Michael waren wir mit Jenny und Amar oben. Aber auch der Weg zum Sonnenuntergang auf die große Düne, zwei Schritte vor, einer zurück, war ein Erlebnis. Nur der Sonnenuntergang wurde uns leicht vermasselt: oben angekommen, hat sich die Sonne hinter den Wolken versteckt. Trotz allem ein schöner Blick in die Wüste bis Algerien: die länger werdenden Schatten und der ohnehin schon rötliche Sand färbt sich immer stärker bis auf ein Mal die Landschaft in Blaugrau bis hin ins Schwarz der Nacht getaucht wird.
Zum Hammelfest wollen wir Steaks essen. Also mit Amar und Michael nach Rissani auf den Markt zum Einkaufen. Es ist schwer ‚was los, überall hängt frisch geschlachtetes Fleisch. Lebende Ziegen, Hammel und Hühner werden verkauft, in Schubkarren oder auf Fahrradanhängern abtransportiert. Das Gemüse, Obst und Kräuter gibt es bergeweise, und natürlich auch die edlen Datteln aus Tunesien. Das Rindfleisch könnte so gut sein, aber sie schlachten, verkaufen und essen sofort. Nichts wird abgehangen, kaum dass es ausblutet. Und so wird jedes ordentliche Fleisch zur „Ledersohle“. Unsere Steaks waren dennoch in Ordnung! Aber wir haben uns nicht getraut, uns an die argentinischen Steaks zu erinnern. Wein und Bier hatten wir durch sehr gute Rationierung auch noch-so hat letztendlich alles gepasst.

Und Linettes und Hans Adventsfeier war auch super toll gelungen: wir waren beide gerade auf der Düne, kommen im Dunkeln zurück und sehen die anderen dick angezogen an einem festlich gedeckten Tisch mit rot-goldener Weihnachtsdekoration sitzen. Sie haben extra auf uns gewartet für die gemeinsame Adventsfeier mit Linettes selbst gebackenem Kuchen, Gebäck und Glühwein! Wir haben es sehr genossen! Das war dann bald unser letzter gemeinsamer Abend, jeder ist seiner Wege gegangen:
Mit Amar, Jenny und Michael werden wir zu Amars Schwester über Mharech nach Tafraoute (Fougani) fahren. Und dann durch die Wüste gen Norden in das Dades-Todra- und Rosental.

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