Zentraltibet

Von Lhasa bis zur Freundschaftsbrücke in Zhangmu, der Grenze nach Nepal.

Karte-Tibet1

Wir müssen uns von Lhasa verabschieden.
Ob wir es je im Leben wieder sehen werden?

Thupten, unseren Guide Nr. 2, müssen wir „hergeben“ weil er keine staatliche Genehmigung hat, als Reiseleiter westl. von Lhasa tätig zu sein. Er ist ein überaus netter Kerl und ist hervorragend mit allen Schwierigkeiten, die diesen Reiseabschnitt begleitet haben, fertig geworden.

But Chung (gesprochen „Butschung“, auf Deutsche „kleiner Junge“), wird unser neuer Guide bis zur Grenze nach Nepal. Auch er ist Tibeter und quasi, wie Thupten auch, „gelernter“ Mönch.

Unser nächstes Ziel wartet und wir hoffen, genug brav gewesen zu sein, genug Gebetsmühlen gedreht zu haben. Es geht zum Mt. Everest und da sollte doch schon alles passen! Zwischendurch gibt es aber noch viel zu sehen! But Chung sitzt, wie schon Wang und Thupten vor ihm, bei Markus vorne im Auto.

Fahren wir los!

Von Lhasa aus geht es am Morgen Richtung Südwesten.Wir fahren zuerst ins Brahmaputra-Tal: welch herrlicher Blick über den Fluss, in die unfassbare Weite der Landschaft. Wir strahlen mit der Sonne um die Wette. Zum Samye-Kloster, dem ältesten Kloster Tibets, aber auch einem der „aufrührerischsten“, dürfen wir nicht mehr hin. Wir erfahren, dass man den dortigen Abt verhaftet hat, das ganze Gebiet, heisst es, wurde zum Sperrgebiet erklärt.

Wir sind durch die Verzögerung anfangs in Shangri-La sowieso nicht mehr im Zeitplan. Und ob das mit der Sperrung überhaupt auch so stimmt, können wir eh nicht mangels chinesischer Sprachkenntnisse nachprüfen. Da kommt dann schon der leise Verdacht auf, dass unsere Agentur unser Zeit-Problem elegant lösen möchte. Aber vielleicht ist das Kloster tatsächlich für Touristen abgeriegelt. So ‚was gibt es öfters in China. Was sollen wir machen, so kann China Tibet und die Chinesen uns Reisende reglementieren.

Fahren wir weiter. Die Strassen sind ganz neue, zur Olympiade 2008 fertiggestellte, super Asphaltbänder. Sie schlängeln sich durch archaisch anmutende Dörfer, an Bauernhäusern vorbei, durch eine Landschaft, die jetzt andeutungsweise aus dem Winterschlaf erwacht. Die Bauern fangen wie in alten Zeiten an, mit ihren Yaks und dem Holzpflug ihre Felder zu bearbeiten. Es ist immer eine Gemeinschaftsarbeit ganzer Familien, z.T. auch der ganzen Dorfgemeinschaften.

Auf den Dächern der Bauernhöfe sehen wir die tibetischen Gebetsfähnchen wehen. An besonderen Plätzen, an heiligen Orten, über Stupas, auf den hohen Pässen, an besonderen Orten am Brahmaputra, wehen die bunten Fähnchen natürlich besonders zahlreich. Sie tauchen manche Pässe ein in ein Meer der traditionellen Farben Blau, Weiß, Rot, Grün und Gelb, die für die 5 Elemente Himmel/Luft, Reinheit, Feuer, Wasser und Erde stehen. Die Fähnchen sind bedruckt mit Gebeten, die der immer währende Wind empor trägt zu den Göttern. Das ist genauso praktisch und zeitsparend wir die Verwendung der Gebetsmühle. In den Gebetsmühlen sind lange, mit Gebeten bedruckte Papierstreifen aufgerollt. Dreht man die Mühle, so werden automatisch die Gebete „abgespult“. Einfacher geht es nicht, wenn man lange und zu jeder Zeit sitzend oder laufend beten möchte. Die modernsten „Mühlen“ werden schon im Auto per kleiner Solarzellen angetrieben. Da hat man die Hände sogar frei und lässt beten.

Wir fahren weiter, der nächste Pass, der Kamba-La mit 4700m, lässt nicht lange auf sich warten! Auf Asphalt schweben wir förmlich nach oben und sind überwältigt! Ca. 250m unter uns liegt der Yamdrok-See, auf Tibetisch Yamzhog Yumco, in reinstem Türkis in dieser Wüstenlandschaft. Er liegt ca. 4440m hoch, in der Ferne grüßen die ersten 7000er. Welch ein Anblick.

Der See ist mit 130 km Länge und 70 km Breite der größte See am nördlichen Himalaya und einer der drei heiligen Seen Tibets. Wir fahren lange mit wunderschönen Ausblicken an seinem Ufer entlang. Ein Genuss! Ständig halten wir an, um zu Schauen und zu Fotografieren. Wir haben allerdings auch das herrlichste Wetter, das man sich vorstellen kann! In einem kleinen Dorf machen wir Mittag und ab sofort weiss unser Guide But Chung, dass wir nicht das touristische, sondern das tibetische Leben kennen lernen möchten. Wir werden zusammen noch viel Spass haben.

Nicht mehr lange und wir kommen, leider bei nicht so tollem Wetter, zum Karo La („La“ heisst auf tibetisch „Pass“) mit 5001m. Hier kommt der gleichnamige Gletscher bis an die Strasse herab. Der Pass ist natürlich von religiöser Bedeutung, wovon der Chörten und die vielen, vielen fotogenen Gebetsfahnen zeugen. An der Strasse verdienen sich Tibeter etwas Geld durch Andenkenverkauf für die Touristen und durch den Verkauf von Gebetsfähnchen und Gebetsmühlen für die chinesischen Buddhisten. Man kann etwas Tee oder eine Limo trinken und das war’s dann auch schon. Es ist absolut keine Saison für Touristen-Gott sei Dank!

Gute zwei Stunden nach unserer Fahrt durch Dörfer, tolle Landschaften mit wahnsinniger Fernsicht, vorbei an noch brachliegenden Feldern, sehen wir in der Ferne, im Dunst, die Festungsanlage von Gyantse. Sie liegt früher uneinnehmbar auf einem Hügel über der Stadt. Den beschämend überlegenen Angriffen der Briten 1904 unter Younghusband allerdings konnte sie nicht widerstehen.

Unterhalb der Festung stehen wir auf einem großen Hof, einer Art modernen Karawanserei: Läden, Werkstätten, Arzt, Gasthaus zum Übernachten, Garage, Friseur, was auch immer noch. Es war nicht alles so genau zu definieren. Die Altstadt ist quasi um die Ecke.

Nachdem wir angekommen sind gehen wir in die Altstadt, durch die engen Gassen, die alle im Prinzip Richtung Kloster verlaufen.

Die Kühe und Kälber stehen angepflockt vor den Eingangstüren zu den Bauernhäusern am Rande der Strassen. Manchmal ist vor dem Haus ein kleiner offener Stall angebaut. Der Dung wird als Fladen an die Mauern geklatscht, getrocknet und dann auf den Eingangsmäuerchen als vorrätiges Brennmaterial aufgeschichtet.

Auf der Strasse ist natürlich auch der Brunnen für Trinkwasser und zum Wäsche waschen vorhanden. Der ideale Platz für den Dorftratsch. Vor den Häusern parken die Autos, Motorräder und Pferdekarren. Hunde und Katzen beobachten uns Fremde sehr genau. Hier gibt es keine Hektik.

Etwas oberhalb des Viertels erklimmen wir einen wunderschönen Aussichtspunkt, der uns einen herrlichen Blick auf Kloster, Burg, Neustadt und Umgebung gewährt. Es ist kalt und stürmisch. Immerhin sind wir weiterhin auf 4000m Höhe.

Am nächsten Morgen gehen wir alle zur Burg hinauf, warten etwas, bis die netten Leute dann doch noch das Tor öffnen, so dass wir hinauf steigen können. Wer denkt denn auch schon daran, dass da auf einmal unangekündigt fünf Touristen auftauchen?

Der Blick von der ehemaligen Festung ins Land hinaus ist fantastisch und wir sehen auch ein, dass dieser Ort strategisch ausserordentlich wichtig war! Oben gibt es nicht viel zu sehen, ausgenommen den Blick in die Ferne. Die Burg ist eben eine Ruine. Unter uns stehen, ganz klein wie Stecknadelköpfe, brav unsere Autos. Der Überblick über das nahegelegene Kloster Pelkhor Chöde ist schon mal sehr schön. Gehen wir nun hin.

Das Kloster ist bekannt für seinen ausserordentlichen Kumbum, einem Chörten aus dem Jahr 1440, der der größte und architektonisch einer der bedeutendsten Tibets ist.

Hier in der großen Schule sind seit alters her drei Glaubensrichtungen des Buddhismus untergebracht. Ebenfalls eine Besonderheit und Einzigartigkeit. Der große Chörten, den man auch besichtigen darf, ist vier Stockwerke hoch und hat 108 Kapellen. Viele, viele Wandbilder, Skulpturen, Altäre fordern zum Gebet auf, uns mehr zum Besichtigen.

Man kann ihn hinauf bis zur obersten Plattform ablaufen. Man muss aufpassen wenn man den Aussengang im Freien nach oben geht! Es gibt nirgends ein Geländer! Unter dem Dach wird man von den riesigen charakteristischen Augen Buddhas begrüßt.

Das Pelkhor Kloster wurde wie fast alle Klöster während der Kulturrevolution ziemlich beschädigt. Ist aber wegen seiner künstlerischen Ausgestaltung, der Einmaligkeit seiner Bibliothek auch für China ein Juwel. Das Kloster steht natürlich unter Denkmalschutz und gehört inzwischen zu den großen Denkmälern Chinas.

Das Kloster, vor allem die Haupthalle, in die man kommt, beherbergt wunderschöne geschnitzte Skulpturen, herrliche Wandmalereien, goldene Buddhastatuen, viele alte originale Seiden-Tangkas. Im Halbdunkel ziehen die Gläubigen durch die Gebetshallen, murmeln ihre Gebete, stiften den Mönchen Geld oder stiften es den Heiligen indem sie ihnen kleine Geldscheine vor die Füße werfen. Riesige, Hitze verströmende Butterlampen und wunderschön geformte Butterskulpturen werden damit bezahlt. Meist sind die Butterlampen die einzige Beleuchtung. Diese Lichter, die Gerüche der Räucherstäbchen, das Gemurmel der Gläubigen, die umher huschenden Mönche schaffen eine ganz besondere, unvergessliche Atmosphäre. Wir geniessen es, hier sein zu dürfen und saugen regelrecht das Fremdartige in uns auf. Wir nehmen uns Zeit für die Einzigartigkeit dieser Augenblicke.

Die nächste Stadt, Shigatse, ist nicht weit entfernt, ebenfalls am Brahmaputra gelegen, der auf tibetisch Yarlung Tsangpo heisst. Nach Lhasa ist Shigatse die zweitgrößte Stadt Tibets.

Wie öfters schon übernachten wir für einen kleinen Obulus auf dem Hof eines Hotels (s.Stellplätze unter „Infos“). Hier gibt es Toiletten und heisse Duschen! Unser Stellplatz liegt in einem neuen Stadtteil, zur Altstadt fahren wir mit dem Taxi.

In Lhasa residiert das religiöse Oberhaupt, der Dalai Lama. Er lebt, wie man weiss, in Nordindien. Hier, im Trashilhünpo-Kloster residiert derzeit normalerweise der 11. Panchen Lama, der weltliche Führer Tibets.

Er wurde von der chinesischen Regierung ausgesucht und lebt bis auf weiteres in Peking. Der offiziell von Mönchen gesuchte und vom Dalai Lama anerkannte Panchen Lama, wurde noch als Kind entführt, Aufenthaltsort unbekannt. Das Kloster ist gleichzeitig die größte buddhistische Universität der Gelug-Schule in Tibet. Man kann sagen, das Kloster selbst hat schon Ausmasse einer kleinen Stadt. Vor der Kulturrevolution lebten hier bis zu 7000 Mönche, das muss man sich mal vorstellen! Unter Mao wurde die Klosteranlage großteils zerstört, seiner Schätze beraubt, die Mönche ermordet, verschleppt, „umerzogen“. In den 80er Jahren aber, als Religionsausübung wieder erlaubt wurde, wurde das Kloster durch die chinesische Regierung und viele Spenden wieder neu aufgebaut. Es leben und studieren auch wieder etliche Mönche hier.

Wir laufen durch zahlreiche Gebetshallen, lauschen den gemurmelten Gebeten der Tibeter. Gehen durch die Gassen der Klosteranlage, beobachten die Mönche, die hier und da Blumen giessen putzen, kochen, die weissen Schals sortieren. Gebetsfähnchen bedrucken, Bücher und für uns Nichtlesbares auf weisses Papier drucken. Wir kommen an vielen kleineren Stupas vorbei, drehen die bronzenen Gebetstrommeln, die überall zu finden sind. Handwerker arbeite hier, reparieren, bauen neue Gebäude, junge Frauen in blauer Arbeitskleidung sind sauer, als sie von uns fotografiert werden. Warum, das verstehen wir nicht. Es ist für uns das erste Mal, dass sowas passiert.

Über den bemalten Fensterrahmen hängen überall in Tibet, vorallem in den Klöstern, kurze „Gardinen“ als Fensterschmuck. Wenn der Wind leise weht, gefällt es mir besonders zu sehen, wie er die Gardinchen gefällig in lustige, wellenförmige Bewegung versetzt.

Natürlich bewundern wir den knapp 27m hohen sitzenden Buddha, den Maitreya, den zukünftigen Buddha. Aus purem Gold und Bronze, mit Edelsteinen verziert sitzt er da und wartet auf die Zukunft. Und natürlich gehen wir auch in die große Halle der Grabstupas.

Die bedeutendste ist die des Panchen Lama, der erst 1989 mit 61 Jahren, offiziell lt. Chinesischer Regierung durch Herzversagen, zu Tode kam. Die Chinesische Regierung liess seine Stupa aus „614 kg Gold, 868 wertvollen Steinen und 246.794 Juwelen“ errichten und schmücken, wie man bei Wikipedia nachlesen kann. Sie ist aus der Zeit nach 1950, wie man weiterlesen kann, das wertvollste Grabmal ganz Chinas.

(Die Chinesen werden doch kein „schlechtes Gewissen“ gehabt haben?)

Die Geschichte des 11. Panchen Lamas ist, wie oben angesprochen, wenig schön und wer die Probleme in Tibet kennt, kennt auch diese Geschichte. Es ist kein Einzelfall, nur eben bekannt geworden weil er eine bedeutende Persönlichkeit für den tibetischen Buddhismus ist. Wir halten uns aus der Politik heraus, beobachten, staunen und wundern uns auch manchmal.

In der Stadt schauen wir uns wenig an: der Markt ist fast gar nicht besetzt, die Altstadt von unserem Hotel leider ziemlich weit weg, die alte, neu aufgebaute Festungsanlage ist wohl noch nicht zu besichtigen. Morgen geht es schon wieder weiter.

Unsere Fahrt führt uns wieder über ein paar niedrigere Pässe, durch öde braune Landschaft. Weit und breit ist kein grüner Frühlingsbote zu entdecken.

Durch Zufall kommen wir mit But Chung darauf zu sprechen, wo seine Familie wohnt und er erklärt uns :“in Lhazê“. Das ist ja gar nicht weit von hier, nahe des Brahmaputra! Eine Schotterpiste führt uns in das kleine Dorf. Hier kennt er jeden Bewohner zwischen 0 und 100 Jahren, im Kloster Phuntsoling hat er seine Ausbildung als Mönch und Schüler begonnen. Früher lebten hier 800, heute nur ca. 50 Mönche und viele, viele Hunde. Nachts schlafen die Braven, Gott sei Dank.

Das Kloster stammt aus dem 13./14. Jahrhundert, ist natürlich nicht so bedeutend wie die großen Klöster, die wir bis jetzt gesehen haben. Dafür strahlt es eine ungeheuer friedliche, intime Atmosphäre aus.

Das ist für uns ein wundervolles Erlebnis, können wir doch hier am Kloster übernachten. Natürlich kommen die Mönche zu uns allen, sind genauso neugierig wie wir, wenn wir in ihre Küche und jede andere Ecke des Klosters schauen. Wir versuchen miteinander zu reden, mit Händen und Füssen, aber kaum einer spricht Englisch, wir nicht Tibetisch.

Die Mönche sind sehr freundlich und behandeln uns wie entfernte Verwandte. So können wir dabei sein, wenn die Mönche ihre Texte rezitieren, beten, lesen.

Einer der Mönche sagt zu Uwe, dass er hier wohl eines Tages wiedergeboren werden wird. Das Kloster gefällt ihm: Klein und gemütlich, fernab vom großen Trubel. But Chung fährt gern, wenn Zeit ist, mit seinen Touristen hierher.

Am nächsten Vormittag, nachdem wir alles besichtigt haben, den herrlichen Blick vom Klosterdach zig mal fotografiert haben, die guten, selbstgemachten Karamel-Bonbons probiert haben, müssen wir schon wieder weiter ziehen. Schade.

Dem nächsten Höhepunkt unserer Reise „fiebern“ wir entgegen.

Das Wetter ist weiterhin fantastisch! Wir erreichen den 5220m hohen Gyatso La. Hier liegt der noch kostenfreie Eintritt in das (Mt.Everest) Qomolangma Naturschutz Gebiet. Es wird quasi Ernst.

In Shegar (New Tingri) übernachten wir. Solange die Sonne scheint können wir gut draussen sitzen und uns wärmen lassen. Auf Duschen wird aber verzichtet, es ist nicht gerade warm hier auf knapp 4500m, die Duschen nicht beheizt. Eine heisse Yaksuppe schmeckt dann besonders gut!

Man sieht fast keinen Touristen, es ist noch nicht die Zeit. So geht es auch hier noch überall recht ruhig zu. Am nächsten Morgen fahren wir weiter.

Bald hinter Shegar kommen wir auf sehr guter Strasse vorwärts. Plötzlich halten wir alle mit den Autos wie auf Kommando an: da vorn! Der erste Blick zum Everest und zum Cho Oyu! Wir sind begeistert und statt hinzufahren machen wir Bilder mit dem größten Zoom. Wer weiss, ob das Wetter hält!

Bald kommen wir zu einem Haus mit Schlagbaum. Der Truck von Karl-Heinz mit gut 3,50m Höhe kommt gerade so durch-was wäre wenn nicht? Also LkW-Fahrer aufpassen und ggf. die Durchfahrtshöhe nochmal abklären bevor es losgehen soll! Ab Schlagbaum geht es nur weiter, wenn man die wunderschöne „Eintrittskarte“ vorzeigen kann.

Diese bekommt man in Shegar. Unser Auto und zwei Personen haben so ca. 500Yuan = ca. 60€ gekostet. Dann geht es viele Serpentinen auf Schotterstrasse bald wieder richtig hoch.

Unser nächster Pass ist der Pang La in 5210m Höhe. Der Pass selbst ist nicht spektakulär, aber der Weitblick!!!! Wenn man ihn denn hat. Wir kommen hoch und denken: „Oha“! Vor uns sind die Achttausender wie auf einer Perlenkette aufgereiht: Vom Makalu über den Lhotse zu Mt. Everest und Cho Oyu.

Wir stehen wieder, schauen, fotografieren und sind begeistert über diese Fernsicht bei diesem herrlichen, wir würden sagen „Kaiserwetter“.

Unter uns sehen wir schon den Weiterweg: die Strasse bringt uns über angeblich 64 spektakuläre Kehren hinab in ein weiteres Tal, das uns dann nach einer ganzen Weile Richtung Rongbuk-Kloster zum Fuß des Mt.Everest bringt.

Die Wellblech-Piste ist in Ordnung, aber welche Wellblech-Piste fährt man schon gern?

Unterwegs kommen wir durch kleine Ansiedlungen. In dem einen Dorf gehen wir in einem kleinen tibetischen Restaurant essen. Es schmeckt recht lecker und das Drumherum ist wie immer unheimlich interessant! Vor lauter Räumlichkeiten begutachten, Tibeter anschauen, wie sie sind, was sie tun usw. ist mein ganzes Essen kalt geworden. War eigentlich gar nicht mehr richtig heiß, als es vor mir stand, aber war trotzdem lecker!

Dann geht es weiter, unterwegs kommen wir noch an einer Stupa/Chörten vorbei, Uwe legt schnell einen Stein ‚drauf, dass nichts mehr schief geht und bald sind wir im Rongbuk-Kloster.

Der Everest-Gipfel ist in den Wolken, im Kloster ist es sehr ruhig, die Trage-Tiere sind noch unterwegs. Also suchen wir uns einen schönen Platz vor dem Kloster am Chörten, ordnen unseren Haushalt, laufen in 5000m etwas kurzatmig herum. So kommen wir langsam an, werden uns bewusst, wo wir sind! Definitiv vor dem höchsten Ende der Welt.

Gott sei Dank haben wir hier keinerlei Kopfschmerzen, viel Appetit, schlafen gut, nur die Bewegungen sind halt etwas behäbiger oder man schnauft mehr, wenn es schnell gehen soll.

Am Nachmittag besuchen wir lange Zeit das Kloster, But Chung kennt wieder alle Leute, die hier leben und arbeiten. Kein Wunder, war er doch in jungen Jahren zu Fuß von einem Kloster zum anderen durch den Himalaja gelaufen. Jetzt kommt er mit seinen Touristen wieder.

Hier gibt es keine Mönche, sondern Nonnen! Die Männer arbeiten beim Schweine füttern, als Yaktreiber, Lkw-Fahrer usw. Abends kommen die Yaks vom Tragen zurück um zu fressen, die Nonnen kommen vom Wasserholen zurück und schauen bei uns am Auto vorbei. Sie sind alles andere als schüchtern.

Dann kommen die chinesischen Touristen aus dem nahen Hotel zu uns zum Everest fotografieren.

Aufnahmen bei Sonnenuntergang sind natürlich etwas wunderbares. Aber es wird bald so kalt, dass sie alle in ihre Zimmer, ob Hotel oder Kloster verschwinden. Und wir in die Autos.

Wir können gemeinsam mit den Yaks den Blick und die Umgebung geniessen, gespannt darauf, wie morgen das Wetter sein wird.

Vor lauter Erwartung sind wir schon früh wach um ja nicht den Sonnenaufgang zu verpassen, falls er für uns stattfindet. Er findet statt!

Es ist beeindruckend und wird unvergesslich sein!

Nach dem Frühstück fahren wir mit dem Auto zur 5km entfernt gelegenen Zeltstadt, steigen in den offiziellen Bus um und fahren mit ihm bis zur Schranke zum 1. Basecamp.

Im Bus ist die Hölle los: Michael Jackson&Co. dröhnt uns in den Ohren bis zur Taubheit! Wer bitte, findet das schön?

Wir steigen aus dem Bus aus und dürfen kostenlos zu dem nächsten Hügel hinauf schnaufen. Kostenlos. Andernfalls muss man ein paar Tausend Euro zahlen wenn man auf. ca. 6500m, wo das 2. Basecamp steht, hochgehen will und wenn man sich den Gipfel zum Ziel nimmt, dann sind es schon umgerechnet an die 30.000€, die das kostet.

Von hier, unserem Hügel, hat man den Blick über das ganze sogenannte erste Base-Camp. Etliche Gruppen von Zelten sind da drüben über diese kleine Ebene am Fuß des Mount Everest verteilt. Alle Bergsteiger wollen nach oben, werden los gehen und alle träumen davon oder glauben fest daran, auf dem Gipfel stehen zu werden. Aber so viele haben es nicht geschafft und etliche von ihnen liegen für die Ewigkeit oben an „ihrem Berg“. Sie (insgesamt ca. 300 Bergsteiger) darf man nicht vergessen, die für ihren Traum gestorben sind.

Wir freuen uns über den herrlichen Blick auf den großen Mt.Everest, den höchsten Berg, den es gibt! Der Mt. Everest oder auch Qomolangma strahlt zu uns herunter. Wir sind froh, nicht hinauf zu „müssen“.

Ein Blick zurück und wir müssen wieder zu unserem Bus, der uns dann zu unserem Auto bei der Zeltstadt bringt. Unser Weg führt uns zum Rongbuk-Kloster zurück. Noch ein letztes Foto, ein letzter Blick, wohlwissend, dass wir hier sicher nicht noch ein Mal herkommen werden.

In solchen Augenblicken tut es uns unendlich leid, nicht noch mehr Zeit hier verbringen zu können. Aber wir sind in China, das wissen wir, da gibt es kein freies „Herumzigeunern“, gemütliches Erleben und Schauen. -Wollen wir froh sein, dass wir so ein Traumwetter haben!

Im Kloster beginnt das Leben, Mensch und Tier sind im Gange-immer gleich, Tag ein Tag aus, so scheint es.

Unser nächstes Ziel ist Tingri, das Dorf am neuen Friendship Highway.

Aber wir fahren nicht die gleiche Strecke zurück, But Chung führt uns auf Pisten durch wunderschöne Wüstenlandschaft.

Die Größe und Weite dieser Landschaft ist absolut beeindruckend-wenn man noch dazu bedenkt, dass früher die Menschen hier alles zu Fuß bewältigt haben, im Sommer wie im Winter!

In Tingri übernachten wir auf dem Hof eines tibetischen Rasthauses. Es ist ganz schön kalt! Wir duschen auch heute nicht! Aber die Yaksuppe und der Tee im gemütlichen Gasthaus erwärmen uns wie immer. Am nächsten Morgen geht es Richtung nepalesischer Grenze weiter.

Links sehen wir die großen Berge, vorallem Mt. Everest und Cho Oyu, nach neuesten Messungen 8188m, wie Kristalle in ihrer ganzen Pracht. Der Everest ist zwar höher, der Cho Oyu aber schöner, und heisst wohl nicht umsonst bei den Tibetern „Göttin im Türkis“. Lange Zeit begleiten sie uns noch und grüßen uns zum Abschied aus der Ferne.

Es geht für uns bei herrlichstem Wetter weiter durch diese wunderschöne Gebirgslandschaft. Vorbei an Dörfern, wo die Feldarbeit mit Yaks beginnt. Schade dass wir nicht sehen werden, wie es hier später, wenn alles grün ist, ausschaut.

Noch einmal geht es über einen letzten hohen Pass, den Tong La mit 5130m. In der Ferne sehen wir den niedrigsten Achttausender, der Shishapangma mit 8027m grüßt uns von weitem.

Ganz hinten leuchten uns schon die Gebirgsstöcke des (auf Nepali) Labuche Kang Massifs entgegen, das schon in Nepal liegt. Man kann sich vorstellen, oder auch nicht?, wie oft wir hier anhalten und fotografieren. Selbst But Chung muss zugeben, dass er seit Jahren von hier aus nicht diese tolle Fernsicht hatte.

Wir befahren jetzt die Traumstrecke aller extremeren Radlfahrer: 3800m bergab bis Kathmandu! Steile Serpentinen, durch tolle Landschaft, auf hervorragender Asphaltstrasse-was will man mehr!?

Für Autofahrer, die von Kathmandu kommen kann es aber sehr wichtig sein zu wissen, das es in Nyalam das erste (von Nepal aus) -20°-Diesel gibt! Im zeitigen Frühjahr/Winter ein absolutes Muss!! Also nicht noch in Nepal die Tanks voll machen, bloss weil Diesel so billig ist!

Durch etliche Staus, nein, durch einen ewig währenden Stau hindurch kommen wir nach Zhangmu, der Grenzstadt nach Nepal. Die eigentliche Grenze ist die sogenannte Freundschaftsbrücke.

Unser But Chung findet für uns einen sehr guten Platz für die Nacht. Der Platz ist nicht schön, aber ideal. Das ist nicht einfach, hier, in diesem Kaff, das förmlich am Abgrund klebt, einen ebenen, ruhigen Übernachtungsplatz mit Ausblick über das Tal zu finden!

Schade, es giesst abends wie aus Kübeln, vorbei die klare Luft auf dem Dach der Welt. Jetzt kommen wir in die Klimazonen des Monsuns. Markus und wir trinken mit But Chung noch ein Bierchen zusammen und am nächsten Morgen geht es, dauert bisschen länger das Ganze, ‚rüber nach Nepal.

Auf chinesischer Seite erledigt But Chung die Grenzformalitäten. Dann heisst es Adieu sagen! Auf nepalesischer Seite ist die Einreise Dank Carnet bald erledigt. Es schaut alles total chaotisch aus, ist es aber letztendlich gar nicht. Alle sind freundlich und hilfsbereit und so hat man keinen Stress.

Es erwartet uns eine andere Welt: Es erwarten uns ganz andere Menschen, Mentalitäten, ein anderes Klima und andere Um-und vor allem Zustände!

Davon berichten wir, nicht mehr ganz so ausführlich wie von China, aber immerhin, im nächsten Teil der Reiseberichte!

Bis dahin!
Hoffentlich bis bald!