Teil 6: Honduras

HondurasBildschirmfoto 2015-10-19 um 02.09.31

vom 08.10.2015 bis 13.10.2015

Honduras ist ein armes Land, von Bürgerkrieg und hoher Kriminalität gezeichnet.
Als Tourist bekommt davon wenig mit. Aber Wehe, man kommt den Drogendealern in die Quere, versehentlich in eine Gegend, wo sich Banden verschiedener Kartelle bekriegen. Als wir in Honduras waren, hat uns jeder davon abgeraten, an die Karibikküste von Honduras zu gehen. Das nicht so gute Gebiet zog sich hin bis zur Karibikküste Guatemalas. Fredy ist letztes Mal als wir bei ihnen waren zum Hafen Puerto Barrios unweit der Grenze nach Honduras mit Sicherheitsservice vorn und hinten für seinen eigenen Konvoi mit 5 LkW’s und eigener Bewaffnung gefahren. Wir haben ihn noch auf dem Hof der Kardomom-Fabrik verabschiedet und konnten es gar nicht glauben. Martha war sehr unruhig. Fredy war u.a. mit seinem ältesten Sohn und Erben unterwegs, hat aber alle paar Stunden bei ihr angerufen. Die Drogenroute geht auch an diesem Hafen vorbei, von dem das Kardamom hauptsächlich nach Europa und Saudi-Arabien verschifft wird.
Der Rest des Landes Honduras sei derzeit „tranquillo“, d.h. ruhig. Wir hatten es eigentlich nicht wirklich vor, aber es war doch bezeichnend, und wir haben die Idee mit der Küste dann nicht weiter verfolgt. Im Moment scheint es dort in der ganzen Küstenregion sehr ungemütlich zu sein. Bevor wir nach Honduras kamen haben wir noch gehört, dass es an der Küste gerade keine Probleme gibt, z.Zt. alles „tranquillo“. Andere konnten später dann wieder an die Küste fahren und einen Tauchkurs machen.
Nun, ja, das ändert sich öfters, man muss ‚rumhören. Meist sind die Toten der Mafia zugehörig oder arbeiten für sie.

Bei Copan, mit P, gehen wir von Guatemala aus über die Grenze nach Honduras. Alles geht sehr ruhig und gemütlich zu. Wie immer erst zur Immigration, ein kleiner Plausch, der erste Geldwechsler kommt auch schon, er zeigt uns gleich den Weg zum Copyshop, denn die Einreisestempel müssen für den Zoll 3mal kopiert werden. Auch das geschieht ohne Hektik. Dann fahren wir zum Zoll, der Aduana-Mensch, zuständig für die Autos, ist aber gerade nicht da. Er kommt bald und überreicht uns als erstes eine schöne und gute (!)Landkarte von Honduras. Vielleicht mussten wir deshalb etwas warten? Ein kleiner Plausch mit ihm, Zettel ausfüllen, Foto von uns machen, zurück zum wieder neue Kopien machen lassen, wieder zurück zum Zöllner, bisschen was bezahlen gegen Quittung, noch kurz ein Blick ins Auto und wir werden per Handschlag entlassen.
Wenn ganz Honduras so ist, wie die Grenze, dann freuen wir uns schon. Mittelamerikaner sind halt etwas kompliziert und haben die Ruhe weg. Das weiss man ja und wir haben Zeit.

Natürlich geht es als erstes zu den alten Stätten der Maya, zu den Ruinen von Copan.
Gegenüber von der Tankstelle bei den Ruinen, die Tankstelle wird gerade großräumig renoviert und erweitert, finden wir einen Übernachtungsplatz. Es scheint Verwandtschaft oder Freundschaft von einem der Angestellten im archäologischen Bereich zu sein. Uns soll’s recht sein. Der Platz ist gut und wir können gleich noch unsere Besichtigungstour starten.

Es werden die letzten Maya-Ruinen für uns in Mittelamerika sein. Ab Ecuador beginnt das Einzugsgebiet der Inkas. Bald nach dem Eingang begrüßen uns die ersten roten Aras, die hier wieder angesiedelt werden sollen, so, wie sie hier auch offensichtlich zu Zeiten der Maya gelebt haben. Hier werden sie gefüttert und es sind schon sehr viele, die über die Ruinen fliegen. Sie sehen wunderschön aus, machen einen richtigen Lärm und, was soll’s, es ist schon eine Art „Wildfütterung“. Wo sonst sieht man sie in Mittelamerika so zahlreich in der Landschaft herumfliegen?
Wir kommen zur Ausgrabungsstätte. Im zentralen Bereich findet man die Akropolis, davor den gut erhaltenen Ballspielplatz, die inzwischen überdachte Treppe der Hyroglyphen. Wir bewundern die vielen herrlich verzierten, in Stein gemeisselten Stelen, neben denen von Palenque die schönsten, die wir von den Mayas gesehen haben. Die Gebäude hier sind relativ niedrig gehalten mit wenigen Stufen im Gegensatz zu Tikal, das natürlich auch eine ganz andere Bedeutung hatte wie dieser „vorgeschobene Aussenposten“ Copan. Auch die Wohnhäuser der Vornehmen sind noch gut zu sehen, die armen wohnten in Holz-bzw. Pfahlhäusern, die längst vergangen sind. Erst haben wir gedacht, na, ja, das ist ja nicht viel, aber wenn man durch das ganze Gelände läuft, dann ist es doch viel und recht interessant, was man da zu sehen bekommt. Selten sieht man noch die Villen der alten Maya-Edlen.

Auch in Honduras gibt es richtig schöne spanische Städtchen, nicht touristisch herausgeputzt, und das gefällt uns besonders. Z.B. fahren wir weiter in das Städtchen Gracias mit seinem kleinen Zocalo, wo man sich abends trifft, ein Eis oder eine Tasse Kaffee trinkt. Als wir da waren, gab es eine Fiesta mit Feuerwerk, die leider in dem dann einsetzenden Regen davon schwamm. Wir konnten Volkstänze sehen, Kinder mit bestickten Kleider, die uns an „Erntedank“ erinnerten, wurden prämiert. Ihre Kleider waren komplett bestickt mit Kräutern, Gewürzen, Maiskörnern, Reiskörnern usw. Sehr schön gearbeitet, man sah, dass es unendliche Mühe machte, alles so zu verzieren. Die Geschäfte in Gracias verkaufen Artikel, die man im Leben in dieser Stadt braucht, z.B. alles für die Landwirtschaft, es gibt Apotheken, Haushaltswarengeschäfte, die noch kleine Zinkwannen und -eimer anbieten. In den Lebensmittelgeschäften gibt es fast keine Fertiglebensmittel in Büchsen oder Tüten. Hier wird die Tomatensosse aus Tomaten selbst gekocht, Erbsen werden gepult und dann gekocht, Würste gibt es fast gar keine, Käse einfacher ist Frischkäse zum Backen und Kochen. Importwaren findet man fast keine. Ausgenommen Kleidung, oft natürlich Made in China, relativ wenig Ropa Americana. Ropa Americana ist gebrauchte Kleidung aus den USA. Manche ist sehr gut, kaum als solche zu erkennen, manche hat aber auch ziemliche Tragespuren und ist entsprechend billig.

Wir sind dann weiter gezogen nach La Esperanza, eine richtige Agrarstadt. Auch in den Geschäften und am Markt dreht sich alles um die Landwirtschaft. Aber es war Wochenende und nicht soviel los. Hier konnte man Sättel, Pferdedecken, Viehfutter, Schaufeln, Spaten, Zäune vom Meter mit den dazugehörigen Pfählen usw. kaufen. Weniger Obst und Gemüse, denn die meisten Einheimischen sind Selbstversorger. Solche Märkte und Geschäfte auf dem Land sind immer sehr interessant.

La Esperanza liegt für uns auf dem Weg zum Lago de Yojoa. Ein großer See, von Bergen umgeben, der schwer gegen seinen Untergang zu kämpfen hat. Die umliegende Rodung der Wälder und die Arbeit der umliegenden Minen machen ihm wie vielen Seen schwer zu schaffen.  Noch ist er mit seinem Fischreichtum ein Vogelparadies. Wir hatten einen schönen Platz auf der Finca La Gloria und sind gleich ein paar Tage geblieben. Um uns tummelten sich die Rinder, Pferde, Hunde, die kleinen grünen Papageien flogen um unsere Köpfe herum, weckten uns morgens schon mit ihrem Geschrei und in den Bäumen durften wir uns der Orangen bedienen. Ein kleines Paradies. Wir standen vollkommen ruhig abseits vom ganzen Ausflugstrubel. Neben uns kamen die Kühe und Pferde zum grasen. Man hätte auf dem See Boot fahren können, reiten, Ausflüge in die Kaffeeplantagen unternehmen. Abends wurden wir mit herrlichen Sonnenuntergängen für unser Nichtstun belohnt.

Durch die Hauptstadt Tegucigalpa hindurch, wo uns viele Favelas aufgefallen sind, erreichen wir bald die Grenze nach Nicaragua.
Wir waren nur sechs Tage in diesem Land, haben uns immer wohl gefühlt und hatten nie ein Gefühl der Unsicherheit.
Honduras hat uns gut gefallen; es ist ein kleines Gebiet, das man gut bereisen kann, der Rest ist Tiefland bzw. noch richtiger Urwald. Das Tiefland geht kaum zu befahren, schon gar nicht mit einem Auto, eher noch mit Booten oder Flugzeug. Die Karibikküste ist wenig erschlossen, gehört zeitweise (s.o.) auch den Kartellen, die hier mit Booten ihren Handel treiben. Vom Klima her ist die Küste auch nicht unsere Sache, da wollen wir nicht hinfahren. Obwohl es dort sicher autenthischer ist als am Amazonas in Brasilien.
Die Städte in Honduras sind nett, es gibt viele kleine Geschäfte, Supermärkte in unserem Sinne sind rar aber die Geschäfte haben alles, was der Mensch braucht. Sogenannte Luxusartikel und westliche Lebensmittel findet man fast gar nicht, wer sollte das auch kaufen?
Es gibt im Gegensatz zu Guatemala z.B., von Mexico ganz zu schweigen, viel weniger Leute in den Städtchen und Dörfern. Das Land ist relativ dünn besiedelt, inzwischen ufert dafür die Hauptstadt aus, die Favelas nehmen überhand. Jugendbanden, die aus arbeitslosen, chancen-und hoffnungslosen, auch entwurzelten Jugendlichen rekrutiert werden, terrorisieren die Hauptstadt, hat man uns erzählt.
Man hat den Eindruck, das Land „dümpelt“ so vor sich hin. Die Leute sind unheimlich freundlich, nicht ganz selbstlos, was man ihnen aber nicht verdenken kann, die Arbeitslosigkeit ist hoch, jeder „fummelt“ irgend etwas ‚rum, nur um die Familie über Wasser zu halten. Ca. 50% auf dem Land haben keine Schule besucht, entsprechend hoch ist das Analphabetentum, entsprechend wenig Leute gibt es, die eine handwerkliche Ausbildung haben. Dem Land fehlt es damit an allem, was für eine Entwicklung von Nöten ist.
Es ist nicht einfach, in Honduras zu leben, abgesehen von der hohen Kriminalitätsrate hat das Land riesige Probleme. Als Reisender darf man hier nichts erwarten, nur guten Willen. Und den gibt es in jedem Bereich genug.

Wir nähern uns der Grenze nach Nicaragua. Alles ist bisschen durcheinander aber mit Fragen kommen wir gut weiter, bekommen unsere Ausreisestempel zügig im südamerikanischen Sinn und ohne Probleme.
Im nächsten Bericht lest Ihr dann, wie es uns in Nicaragua ging.
Bis dann!

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.