Asien

Indien – I

24.07.2010 bis 04.09.2010

Von der nepalesischen Grenze nach Rajasthan

Nun stehen wir also in Sonauli kurz vor der Grenze von Nepal nach Indien.
In Lumbini hatten wir übernachtet, so war es heute nicht mehr weit.
Wer weiss, wie lange das hier dauert. Der Regen kommt sintflutartig auf uns nieder.
Zunächst: Badelatschen anziehen, Schirm greifen und Haltung bewahren!
Es ist auf den ausgelegten Holzbohlen über die kleinen „Regenwasserseen“ so richtig glatt.
Aber alles geht gut, die Grenzer kennen sich sehr gut mit dem ganzen Papierkram an der Grenze aus und ohne Probleme geht es weiter. Natürlich, das übliche Gewarte, Suchen und Umhergeschickt werden darf nicht fehlen-aber wir haben nicht einmal auf die Uhr geschaut. Vielleicht haben uns die zahlreichen Regengüsse des verspäteten Monsuns davon abgehalten.
Nein, es wurde alles freundlich und zügig erledigt.

Auf der indischen Seite war das schon anders:
ein ganz normaler Stau, jeder steht bis über die Knöchel im Sumpf, die anderen balancieren wild über die Strasse.
Die Polizei und der Zoll wollten natürlich nicht zu unserem Auto laufen. Also mussten wir immer unter wilden Manövern und heftigem „Verkehr regeln“ der Polizei hin und her fahren. Mal vorwärts, dann wieder zurückstossen, einmal war die Strasse blockiert, weil der Zöllner unbedingt wollte, dass wir umdrehen! Bitte! Einmal schauen, ob der Zollstempel ok ist, dann wieder umdrehen. Bitte. Dann ab zur Immigration. Wir hielten genau vor den Offiziellen, mit und ohne Uniform. Sie sassen unter einem Vordach. Gleich sieben bedeutende Leute in Reihe! Jeder nahm unseren Pass in die Hand. Der eine hat gestempelt, der andere hat das Datum ‚reingeschrieben, der nächste hat irgendwelche Zettel ausgefüllt und der letzte Herr hat bedeutungsvoll unterschrieben.
Wir haben anschliessend die Pässe in Empfang genommen, angeschaut und siehe da, das Datum war falsch. Der Tag wäre egal gewesen, aber nicht der Monat! Also alles retour.
Das Ganze hat hier weit über zwei Stunden gedauert, dabei waren wir die einzigsten Touristen.
Nepalesen und Inder brauchen keine Papiere lt. Abkommen zwischen den Ländern.
Deshalb weiss wahrscheinlich auch niemand so richtig, wie viele Nepalesen indischer Abstammung sind!

Die Strassen sind inzwischen trocken, der Regen hat aufgehört. Es geht weiter.
Alles dreht sich und bewegt sich hier, jeder fährt dorthin, wohin er gerade will oder muss, jeder bleibt stehen wo er gerade will oder wo er meint, zu müssen. Die Rinder haben sowieso Narrenfreiheit, und die Dromedare sind auch immer fröhlich hoch erhobenen Hauptes mal auf der rechten, mal auf der linken Strassenseite unterwegs.
Dazwischen sind in den Städten und Dörfern die Fussgänger, Mofas und Radl-Fahrer.
Es braucht so seine Zeit, um durch Indien zu fahren.

Wir wollen Richtung Varanasi. Uwe war schon vor 40 dort, da hiess es noch Benares, nun wollen wir noch einmal hin. Hinter Gorakhpur, bei Mau, finden wir einen Parkplatz an einem Hotel.
Es gibt keine Gäste, der große Zaun schützt uns vor Neugierigen, der Platz ist betoniert. So können wir für ganz wenig Geld ruhig stehen und schwitzen, duschen und uns sammeln.
Am nächsten Tag kommen wir über etliche Baustellen, die wieder unseren Forscher-Geist fordern, nach Varanasi/Benares. Es ist am Tage noch unheimlich heiß, „nur noch 40°C“, tröstet man uns. Vor ein paar Wochen waren es 50°C; besonders schlimm dieses Jahr, viele sind gestorben.
Und jeden Abend kommen die schweren Gewitter mit heftigem Regen. Aber auch mit leichter, sehr leichter Abkühlung in dieser Hitze! Wir haben den 24. Juli, wobei man sagen muss, dass der Monsun dieses Jahr fast sechs Wochen zu spät kam, wie man uns sagt.

Wir kommen nach Varanasi, finden dank Navi auch ziemlich einfach das Hotel, wo wir die nächsten Tage stehen wollen, nämlich das Hotel Surya. Ein nicht schöner aber guter Platz. Nebenan Duschen und Toiletten mit Swimmingpool-oder anders herum? Es geht bei uns nach Wichtigkeit. Und Uwe, als ehemaliger Herr über Technik und Chemie von Schwimmbecken, geht sowieso nicht in nicht selbst gepflegtes und geprüftes Wasser. Gleich neben uns ist die Küche für die Angestellten, die wir aber nur äusserst heimlich in Anspruch nehmen dürfen. Die Gerichte sind einfache Hausmannskost, richtig indisch und absolut super im Geschmack. Der Koch ist für uns ein Meister! Das Hotel will natürlich seine Touristenmenüs verkaufen und das zu richtigen Touristenpreisen.
Nach zwei Tagen essen wir nicht mehr heimlich mit, denn der Koch bekommt Ärger und das wollen wir ja auf keinen Fall. Für ein Taschengeld hätten sie auch unsere Wäsche waschen können, aber auch das hat die Hotelobrigkeit verboten. Wir sollten zum Hotel gehen und für 5€ waschen lassen. Nun, ich habe selbst gewaschen und dann auch selbst gekocht. So war niemandem gedient.

Am nächsten Tag fahren wir mit einem Taxi vom Hotel schon vor Sonnenaufgang zum Ganges.
Viel Elend sehen wir auf den Strassen, viele menschliche Exkremente, fein ausgedrückt, sind noch nicht weggeräumt. Auf dem Rückweg hat man dort, wo Touristen hinkommen könnten, schon sauber gemacht. Zu viele Obdachlose gibt es hier, wo sollen sie hin, mit sich und ihrer Notdurft?
Wir fahren an die zwei Stunden auf dem Ganges. Es ist sehr interessant, aber nicht schön.
Verbrennungen finden fast keine mehr statt denn in Varanasi soll es jetzt große, geschlossene Krematorien geben.

An den nächsten Tagen gehen wir einkaufen, fahren mit dem Taxi auf einen Supermarkt, streifen durch die Stadt. Es ist stickig und laut. Wie überall in Indien gibt es viele vierfüßige Nachbarn, Ratten und Mäuse, die hauptsächlich am Abend erscheinen. Wir haben aber nie welche im Auto gehabt!
Die Hitze und Feuchtigkeit macht uns noch immer zu schaffen.-Wir haben inzwischen Ende Juli.
Schön langsam wollen wir aufs Land, wo es doch bessere Luft, wo es ruhiger ist und man eine Ahnung von Abendkühle hat.

Wir machen uns auf, in der Ganges-Ebene weiter zu fahren.
Die nächste Ortschaft ist Khajuraho mit den bekanntermassen „unkeuschen“ Darstellungen in den Tempelfriesen. Wobei diese speziellen Reliefs nicht pornografischer Zielsetzung, sondern religiöser Intuition sind. Vielleicht wollte man die schönen und friedlichen Seiten des Lebens darstellen, man ist sich in der Wissenschaft bis heute wohl nicht über die genaue Bedeutung einig.
Die Tempelanlage ist sehr lohnend, die Reliefs und die ganze Gliederung der Tempel wunderschön.
Die Steinmetzarbeiten vermitteln eine imponierende Leichtigkeit, Anmut und Schönheit.
Die Anlage ist einmalig, die Touristen konnte man an einer Hand abzählen.
Die Tempel leben aber nicht mehr, sind inzwischen reines Museum. Schade.

Aber Achtung! Erst wenn man die Eintrittskarte schon hat, dann muss man entweder die Filmkamera abgeben oder gleich nochmals richtig zahlen! Filmen kostet!! Das steht vorher nirgends dran und dann gibt es Ärger. Fotos kann man kostenlos machen-indische Logik.
Zum Übernachten finden wir hier bei den Tempeln keine Ruhe. Alle Tuk-Tuk-Fahrer wollen mit uns quatschen einer konnte sogar Deutsch. Klar, sie haben Langeweile und wir sind für sie der Ersatz für die Zeitung „Die Welt“.
Wir suchen uns wieder einen Parkplatz an einem kleinen Hotel.

Am nächsten Tag geht es weiter.
Auf relativ schmalen Strassen, die LKW sind sehr gefährlich, zuckeln wir über schlechte bis sehr schlechte Strassen bis Orchha. Das mittelalterliche Orchha ist ein kleines, verschlafenes, leicht morbides Nest mit vielleicht nur 10.000 Einwohnern.
Trotzallem voller Leben durch die Einheimischen. Fast kein Tourist ist zu sehen, es ist auch keine Saison. Es ist direkt gemütlich hier. Viele Tempel, die Gräber über dem Fluss, das Fort mit dem großen Palast über der Stadt; es gibt viel zu sehen. In den Palast kamen wir allerdings nicht hinein. Nur in die Höfe.
Im etwas ausserhalb liegenden „Bundelkhand Riverside“, dem ehemaligen Jagdschloss des Maharadjas von Orchha, können wir auf dem Parkplatz stehen und Übernachten.
Der Verwalter führt uns durch die Anlage, aufs Dach mit dem Blick über die Umgebung, zu den alten Tempelruinen und zur Stadt.
Ein sehr schönes Hotel, das uns mit offenen Armen und kostenlos empfängt. Die Gebäude mit den großen Dachterrassen sind noch mit Original-Fliesen, Schnitzereien und Räumen aus dem Mittelalter ausgestattet. Wir dürfen Gastfreundschaft erleben. Das Essen, das wir natürlich bezahlen müssen, ist sehr „gschmackig“.

Es geht weiter, nach Agra.
Das Taj Mahal lockt einfach, das muss man gesehen haben, ich auch.
Uwe war, wie gesagt, vor 40 Jahren hier. Die Umgebung ist für ihn natürlich nach so viel Jahren nicht wiederzuerkennen. Ganze Stadtteile sind dazu gekommen.
Im Laurries-Hotel stehen wir in dem Vorgarten/auf dem Hof. Es ist ein guter Platz, alles, was wir brauchen ist da: ein eigenes Zimmer, das wir nur zum Duschen benutzen und einen arkadenähnlichen Gang neben uns, unter dem wir mit Tisch und Stühlen bei Regen gut sitzen können. Eine Querstrasse weiter ist der Markt, zwei ehrliche Getränkehändler, Tschabati-Bäcker und um die Ecke steht Moving-Ali mit seinem Tuk-Tuk.
Ein netter Kerl, der sein Geld verdienen will, logisch, aber auch sehr freundlich, günstig und wief ist. Durch ihn kommen wir ohne große Mühen überall hin.
Er ist Mohammedaner und mit seiner Hilfe erstehen wir sogar frisches Hammelfleisch. Den Schlächter hätte man alleine nie und dann noch zur rechten Zeit, gefunden.
Ali fährt mit uns zum Markt, natürlich auch zum Taj und zum Fort. Er hat seinen Preis, der ist gut und handeln zwecklos. Bei Moving-Ali kostet eine Einkaufsrunde von 2-3 Std. 150 rupies, Ein Andenken oder Gewürzladen muss man dabei schon in Kauf nehmen. Das ist aber auch ganz nett und stört nicht und man sieht mal ‚was anderes. Die Fahrt zum Fort und zum Taj hat auch 100-150 rupies gekostet, was im Verhältnis teurer ist als eine Einkaufsfahrt. Aber Weltkulturerbe kosten eben mehr.
Anders beim Hotel, da muss man schon schauen und den Preis verhandeln. Wir haben 50% runter gehandelt. Zum Duschen haben wir schliesslich Badelatschen in der Wanne anziehen müssen! Na, gut, für 2,50€ kann man das ja und Strom hatten wir auch (ab und zu). So oft fällt er aus, auch das ist normal hier.
Und nachdem ich zwei, drei Mal unsere Wäsche in der Wanne gewaschen hatte, war die Wanne schon richtig hell geworden. Früher war sie wohl mal weiss.
Am nächsten Tag fahren wir natürlich in das Rote Fort von Agra. Eine mächtige Festung, wobei manche Trakte nicht zugänglich sind weil dort die Militärs residieren. Viel ernster ist das Fort wie das Taj aber auf keinen Fall weniger schön. Eben sehr anders, mächtig. Eine gediegene Architektur mit tollem Blick zum Taj Mahal. Mit rotem Sandstein verkleidet heisst es nicht umsonst „Red Fort“. Herrliche Filigranarbeiten an den Balkonen und Fenstern schmücken die innen liegenden Palastbereiche, die schon leicht persisch anmuten mit ihren schönen Einlegearbeiten aus Stein. Im Innern haben uns die mit Marmor verkleideten und mit Glas und farbigem Gestein verzierten Räume beeindruckt. Viele Inder, die der reicheren Kasten natürlich, besichtigen mit uns das Bauwerk. Die bunten Saris der Frauen sind die Farbtupfer, die man für ein Bild aus Indien braucht. In der Ferne sieht man das Taj Mahal über dem Fluss „schweben“. Man kann sich vorstellen, dass die Sehnsucht von dem gefangen gehaltenen Shah Jahan nach seiner Frau, für die er das Mausoleum erbaut hatte, von hier immer größer wurde.

Ja, das Taj Mahal! Man kauft sich eine Eintrittskarte für 750 Rupies (11.-€), dazu gibt es eine Flasche Wasser gratis. Dann stellt man sich an, Männlein und Weiblein getrennt. Wenn man Pech hat, ist Frau mit der Besichtigung schon fertig wenn Mann endlich eingelassen wird. Da hatten wir kein Problem, Uwe ist nicht mitgegangen, draussen gab es genug zu sehen und zu tun.
Die Schlange der Frauen war kurz, die der Männer sehr!!!! lang.

Es waren dennoch für das Taj wenig Leute unterwegs, das Wetter war herrlich, was will man mehr!
Fast drei Stunden schlendern, staunen, bewundern, geniessen-ein unvergessliches Erlebnis,
das schwer zu beschreiben ist. Man muss es erlebt haben!!!!!
Es gibt in dieser Anlage so viel zu sehen, aber der Blick geht letztendlich immer auf das berühmte herrliche Mausoleum. Im persischen Stil von einem persischen Architekten erbaut erhielt es diese Feinheit, diese Leichtigkeit und man kann schon sagen Grazie. Im innern sind die Gräber von
Shah Jahan und seiner Haupt-und Lieblingsfrau Mumtaz Mahal.

Rundherum wurde ein Garten angelegt mit Bäumen, Rasen und einem Wasserbecken, das den Blick auf das Taj Mahal lenkt, das am Ende in weissem Marmor erstrahlt als wenn es über dem Gelände schweben würde. Rechts und links von diesem Wasserbecken stehen in strikter Symmetrie eine Moschee und ein Gästehaus.
Ein herrliches Bauwerk, in einer wunderschönen Anlage, das hoffentlich auch noch den nachfolgenden Generationen erhalten bleibt.
Unsere Tage in Agra, es sind immerhin vier geworden, sind nun vorbei.

Fatehpur Sikri ist unser nächstes Ziel. Uwe kennt es auch schon von früher und wir sind recht gespannt, denn natürlich kenne ich die alten Bilder auch, wie es nun wohl jetzt da ausschaut.
Es muss auf jeden Fall sehr schön sein.
Die Ortschaft ist richtig groß geworden und vor der „verlassenen“ bzw. nie richtig bewohnten Stadt sind inzwischen große Parkplätze für Autos, Busse, Tuk-Tuks und Pferdedroschken angelegt.
Es gibt einen Wahnsinns Trubel, als die Inder uns entdecken, ein Privatfahrzeug aus Germany!
Wir sollen unbedingt anhalten, die Strasse sei für Privatfahrzeuge gesperrt, nur mit Tuk-Tuk, Pferdewagen oder Kamelkutsche usw. zu erreichen. Usw., usw.!
Andere Autos fahren gerade an uns vorbei. Nachdem wir ja aber zu „unserem Hotel“ wollen und einen von diesen närrischen Indern samt Pferd fast anfahren, kommen wir endlich durch. Puh!

Wir wollen also zum Eingang der historischen Stadt fahren. Unterhalb ist ein nettes Guesthouse, das sich „Goverdhan Tourist Complex“ nennt. Wir fragen nach und können schon gleich neben der Wiese auf einem Parkplatz stehen. Natürlich Dusche, Toiletten usw. benutzen. Das Essen im angeschlossenen Restaurant ist auch sehr schmackhaft.
Aber die Nacht! Den ganzen Tag war es ruhig, jetzt geht es los. Auf der Baustelle vom Nachbarhaus wird gebaut. Helle Beleuchtung und Maschinenlärm. Natürlich nachts, da ist es relativ kühl. Der Nachbar und das halbe Guesthouse entschuldigt sich, aber was soll man machen.
Es ist verständlich bei dieser August-Hitze. Dafür haben wir auch unsere Ruhe vor Rindern und lästigen Mitmenschen. Die werden vom watchman weiter geschickt.
Wir stehen die Nacht durch, gegen 4 Uhr schlafen alle, wir auch, aber nur kurz.

Am nächsten Morgen werden wir vom nächsten Lärm, Trubel, Rufen, Hupen wach.
Es werden Bündel ausgebreitet, aus Autos heraus und von Pferdewagen herunter die Waren angepriesen, es wird gestritten, gehandelt, gerufen, die Kinder geschimpft. Selbst die Kühe hört man sich beschweren. Düfte von Gewürzen und den Essenständen draussen vor dem Hotel steigen uns in die Nasen. Na, ja, nicht nur die angenehmen, auch die üblichen „Düfte“ bemerken wir.
Man gewöhnt sich und es gibt wieder viel zu sehen und zu erleben.
Es ist Sonntagsmarkt! Nicht nur vor dem Hotel, sondern im ganzen angrenzenden Städtchen.

Am Nachmittag wartet also das nächste Weltkulturerbe auf uns: der Königspalast, die große Moschee und der von Marmorplatten überzogene Sufi-Schrein mit dem Grab vom Scheich Selim, der den Anstoss zur Erbauung von Fatehpur Sikri gab.
Es ist auch wieder eine wundervolle Anlage. Da die meisten Besucher als Pilger nur bei dem heiligen Schrein und der Moschee verweilen, sind wir im Königspalast bis auf vier andere Deutsche ganz allein. Wir haben den ganzen Nachmittag Zeit zum umherstreifen. Finden immer wieder Schatten und immer wieder Ecken, um die ein leiser Wind streicht. Die ganze Anlage ist also nicht nur architektonisch sondern auch „klimatechnisch“ merklich raffiniert gebaut. Es gibt Paläste, Audienzhallen, Harems, eine Schatzkammer und, und, und. Gebaut aus rotem Sandstein, der heilige Schrein ausgenommen, der ist auch Marmor. Seine filigranen Wände und Fenster, auf das Kunstvollste herausgemeisselt, sind überwältigend.

In der Nacht wieder der gleiche Baustellen-Lärm und irgendwo laute Musik. Es findet eine Feier statt. – Es ist ja nicht immer nebenan eine Baustelle, deswegen können wir den angenehmen und sehr sauberen Platz wirklich empfehlen. Der Besitzer ist recht freundlich und man kann viel mit ihm über „Gott und Welt“ erzählen.
Als wir dann nach ein paar Tagen weiter fahren hätten wir 100 Rupies pro Nacht zahlen sollen, aber dann hat er (übersetzt) gemeint: „Ach, bei soviel Lärm ist es für Euch umsonst“. Danke schön.

Wir wollen noch nach Delhi. Uns um ein Visum für Pakistan kümmern, hören,
was in Ladakh und in Srinagar politisch und wettertechnisch los ist. Horchen was es über den Karakorum-und Pamir-Highway Neues gibt. Über die Rückreise von Indien nach Hause müssen wir uns Gedanken machen, 4-5 Monate sind keine lange Zeit.-
Ein Freund ist gerade in Nordindien unterwegs und berichtet uns.
Die Lage ist weiterhin unsicher, Konvoi-Fahrten, Schiessereien, Strassensperren, Erdrutsche.
Können wir uns also im Moment sparen.
Der Karakorum-Highway geht auch nicht mehr wegen einem riesigen Bergrutsch, der das Wasser vom Indus aufstaut und die Piste unpassierbar macht. Fähren sind wohl noch nicht für Fahrzeuge organisiert
Die Weiterfahrt nach Europa ist also immer noch offen. Wir haben ja nun unser Indienvisum für sechs Monate, da wird sich schon noch was ergeben.

Delhi ist heiß und stickig. Wir sind faul und haben gerade einen „Hänger“.
Im Nehru Park steht man sehr gut, bewacht, 100m weiter war ein Toilettenhaus mit Dusche, für indische Verhältnisse sehr, sehr sauber! Rundherum Park, Bäume, Lärmschutz.
Nahebei gab es ein Einkaufszentrum. Die Russen verkaufen dort super Pelzmäntel und Pelzmützen (in Indien!!), Schmuck gibt es und Trödelläden usw. und im Untergeschoss gibt es einen Schnapsladen mit relativ preiswertem Bier.
Im kleinen Supermarkt bekommen wir Käse, tiefgefrorenes Fleisch und noch andere europäische Artikel. Uns geht es gut.
Ins City-Center von Delhi gehen wir gar nicht. Muss man vielleicht nicht, vielleicht haben wir auch ganz viel verpasst, wer weiss.

Wir tun zunächst das Naheliegendste: Wir fahren nach Radhjasthan.

Was wir dort gesehen und erlebt haben?
Damit geht es weiter im zweiten Teil der Reisebeschreibung.