Nepal

21.04.2010 bis 24.07.2010

Nach Pokhara und zur indischen Grenze.

Wir verlassen schnellstens Kathmandu und entscheiden uns kurzfristig, nach

Pokhara, Pame und Sarangkot zu fahren.

Am nächsten Morgen geht es los. Ein Höllenverkehr begleitet uns. An der Stadtgrenze sind Polizeikontrollen und Polizeibarrikaden aufgestellt. Bald sehen wir warum:
Von draussen, vom Umland her, kommen Omnibusse und LkW in langen Kolonnen, vollgeladen mit Demonstranten. Sie sitzen in den Bussen, auf den Dächern, klammern sich an den Bussen fest und schwenken dabei riesige Fahnen und singen. Das schaut aus wie Kriegserklärung.
Ob die überhaupt alle wissen, warum sie hier sind und was sie hier, vielleicht sogar auf (unverstandene) Anweisung, tun?

Auf ziemlich schlechter Strasse, die schön langsam zur Piste wird, arbeiten wir uns an Baustellen vorbei durch die Vororte von Kathmandu.
Eine unendliche Geschichte:
Jeder Arbeiter, manche schauen sehr jung aus(!), hat einen flachen Korb in der Hand oder einen Teereimer. Erst werden die tieferen Löcher mit Schotter ausgefüllt, den die Arbeiter mit ihrem Korb vom LkW holen-so zwei Schaufeln voll. Den Teer holen andere in ihrem Eimer vom Teerkocher. Der Teer wird er kübelweise auf die vorher mit dem Schotter ausgefüllten Löcher gegossen.
Andere klopfen den Teer mit der Schaufel fest und die letzte „Kolonne“ schüttet Split auf das Ganze. Die Autos, ob groß oder klein, übernehmen automatisch das Planieren. Es fahren genug über diese „Löcher“, die oft genug auch „Löcher“ bleiben.
Und wenn dann nach einer Weile die LkWs, es sind tausende pro Tag, darüber fahren, schaut es bald so aus, als wäre nie etwas gemacht worden.
Auf diese Art und Weise reihen sich zig Baustellen aneinander. Es ist nicht nur eine Zumutung für die Fahrer, es ist absolute Lebensgefahr für die Arbeiter. Entweder sie werden tot gefahren oder sie
sterben an einer kaputten Lunge.
Und auch wir müssen aufpassen, dass uns niemand den Spiegel abfährt, uns aus Versehen in den Abgrund drückt, in der Kurve von der Strasse katapultiert oder uns frontal trifft.
Einen LkW hatte es über die höhere Böschungsmauer hinweg in den Fluss katapultiert.
Wir haben kurz geschaut, da ist wohl niemand mehr ‚raus gekommen.

Zunächst biegen wir von der Hauptstrasse ab und fahren nach Gorkha. Das Städtchen wurde nach der Bevölkerungsgruppe der Gurkhas benannt. Diese sind wiederum bekannt als Einheit der Britischen und Indischen Armee-Kämpfer seit Jahrhunderten.
Auf dem Parkplatz eines kleinen Hotels finden wir einen herrlichen Platz mit Aussicht über das Tal.
Frei stehen ist in der jetzigen politischen Lage nicht ganz so angebracht, zumal wir nicht wissen,
was kommt. Zeitung können wir nicht lesen und die Radiosender und die öffentlichen Parolen können wir weder lesen noch verstehen.
Und es war gut, dass wir hier auf dem abschliessbaren Hof stehen.
Eines Nachmittags, ich war gerade noch unterwegs und wollte fürs Abendessen einkaufen, höre ich weit in der Ferne lautes Pfeifen. Die Leute in den Läden werden auch irgendwie anders, sind nicht mehr so gemütlich. Das Pfeifen kommt näher aber es geht noch alles seinen Gang, die Bevölkerung geht in eine gewisse „Gib Obacht“-Stellung über. Dann hört man nicht nur mehr das Pfeifen, sondern auch Rufe. Eigentlich wollte ich noch in den nächsten Laden gehen.
Aber schlagartig werden die Decken auf der Strasse mit dem darauf liegenden Obst, Gemüse, Kleidung, was auch immer, zusammen geworfen und ins Haus transportiert, die eisernen Jalousien an den Läden und Wohnungen krachen ‚runter.
Ich komme noch gerade auf unseren Hof, Türe zu. Abwarten.
Es passiert nichts in dieser Nacht. Die Leute vom Hotel sagen uns, dass wir schnell nach Pokhara weiter sollen, hier würde es unsicher. Wir sind schliesslich im Gebiet der Gurkhas, die bekannt sind als unerschrockene und zähe Kämpfer. Dazu kommt noch, dass hier gleichzeitig ein Hochburg der Maoisten ist! Später hören wir, dass es hier ziemliche Schiessereien gegeben hat.

Also fahren wir schnellstens los nach Pokhara.
Hier sind auch schon provisorische Zeltstädte auf dem ehemaligen Campingplatz am See aufgestellt, an jeder Strassenecke ist Polizei und Militär stationiert, Touristen laufen etwas desorientiert herum, die Geschäfte sind bis unters Dach voller Lebensmittel, Nepalesen halten Versammlungen ab, stehen in Gruppen herum. Man bereitet sich offensichtlich auf einen langen Streik vor.
Es ist uns hier nicht ganz so geheuer.
Fahren wir nach Pame, hinter dem nordwestlichen Ende vom Fewa-See, aufs Dorf.
Hier gibt es immer Wasser (eigener Brunnen des Hauses), Milch und Gemüse, ein paar Eier bei den Bauern, Brot und Bier. Unsere Nudeln, Reis und paar Büchsen für die Not haben wir ja auch noch genug.

Wir richten uns gemütlich auf dem kleinen Camping-Platz ein, die Katzen werden zutraulich und auch die Menschen.
Morgens ziehen sie an uns vorbei auf die Felder, abends kommen die Bauern und ihre Tiere zurück nach Hause. Die Schulkinder kommen vorbei, die Frauen, die ihre Wäsche am Flus waschen oder Holz vom nahen Berg holen.
Dann hören wir, dass in Pokhara alle Geschäfte, Banken und Restaurants geschlossen sind und auch keine Busse mehr gehen. Strassensperren an den Ausfallstrassen verhindern ein Reinkommen in die Stadt.
Keine Trekking-Gruppe ist mehr unterwegs, die Essenstände geschlossen-damit verdienen die Leute hier aber auch kein Geld mehr.
Uns geht es sehr gut. Wir fahren mit dem Fahrrad umher, gehen wandern, erledigen Sachen, die wir schon ewig vor uns her schieben. Die Wäsche wird selbst mit der Hand gewaschen. Auf dem Gelände ist ein Brunnen mit Trinkwasserqualität, die Duschen und Toiletten sind sehr gut. Manchmal gibt es keinen Strom, das sind wir gewöhnt, das ist in Nepal normal und wir sind ‚drauf vorbereitet. Dann gibt es nämlich auch kein Wasser, keine Toilettenspülung und kein Duschen-alles hängt an der elektrischen Wasserpumpe!
Licht haben wir sowieso über unsere Solarpaneele. Wasser ist in den Kanistern, Bier gibt’s im Dorfladen. Die Leute wissen, dass wir länger bleiben. So vergeht die Zeit.
Etliche Monsun-Gewitter überstehen wir mit Sturm, Hagel und richtig viele Wasser von oben-unwahrscheinlich! Danach stehen wir bis über die Knöchel im Wasser, der Himmel wird bei Sonnenuntergang dramatisch schön, die Luft ist herrlich klar und sauber!
Inzwischen ist Markus auch angekommen. Wir siedeln um nach Pokhara. Bei der Strassensperre dürfen wir durch. Wir zahlen auch nichts, wahrscheinlich kennen sie uns schon vom Hörensagen. Auf einem abgeschlossenen Hof, der , wie üblich, als Campingplatz fungiert, können wir zusammen mit den Autos stehen und hier haben wir auch Internet. Wir müssen Regenwasser auffangen.
Sonst geht es uns allen sehr gut.
Zwischenzeitlich fahren wir in das sehr schöne, interessante und mit viel Sachverständnis und Liebe zusammen gestellte Alpin-Museum, offiziell „Pokhara International Mountain Museum“.
Die Achttausender des Himalaja sind hier komplett mit Topographie, Ethnologie, Besteigungsgeschichte und allem Wissenswerten über die Berge und die jeweilige Region dargestellt. Sehr lohnend, für den, der sich für den Himalaya auch bergsteigerisch interessiert, und ein gutes Essen im angeschlossenen Restaurant mit Blick über das Tal gibt es auch!
Wir ziehen wieder um, so mitten in Pokhara ist auch nicht so toll. Wir finden einen Platz direkt am See. Hier ist es zwar etwas teurer, dafür haben wir aber Toiletten und Dusche und Wasser!
Zu Fuss sind es 30Minuten in die Stadt.
Die „normalen“ Touristen tun uns leid: sie haben kaum Zeit, Geld am Automaten zu ziehen, anschliessend machen die Restaurants schon wieder zu, die Busse nach Kathmandu gehen kaum, die Flüge fast gar nicht. Manche retten sich nach Indien, von dort kommen sie wenigstens heim.
Das war dann ein 3-Wochen-Abenteuerurlaub!
Wir kaufen das, was die Einheimischen bekommen, kochen selbst und müssen nicht nach Hause.

Schön langsam kommt der Monsun!
Zurück in Pame lassen wir noch etliche Monsun-Gewitter und Stürme über uns ziehen, sie werden immer stärker! Alles, aber auch wirkliche alles, ob groß oder klein, was nicht „niet-und nagelfest“ ist, fliegt bei dem Wetter dann durch die Luft! Unter uns entsteht jedes Mal ein tiefer, großer See.
Nach zwei Stunden scheint wieder die Sonne, das Wasser ist versickert, der Sturm hat sich hinter die Berge verzogen und die Menschen und Tiere kommen wieder raus. Der Weg zu unserem Bauern wird immer glitschiger. Später im Jahr steht der ganze Talboden unter Wasser, dann kann wieder Reis gepflanzt werden.

Nach so einem schweren Gewitter, wenn die Luft glasklar ist, beschliessen wir, nach Sarankot zu fahren.
Bisschen Fragen, bisschen „Maut“ umgehen und dann kommen wir hoch, auf einen offiziellen,
mit einem selbstgemalten Schild ausgewiesenen Campingplatz: mit Toilette ist er teurer wie ohne!
Toilette! Ihr könnt es Euch vorstellen, wie die aussieht, oder auch eher nicht.
Wir nehmen ohne Toilette, handeln auf einen „Bruchteil-Preis“ ‚runter unter der Bedingung, dass wir pro Person eine Flasche Bier pro Tag zu einem ordentlichen Preis bekommen.
Nichts ist unverschämt, jeder ist zufrieden und wir bleiben 3 Tage hier.
Es ist wunderschön, traumhaft! Das sagen wir öfters, nicht? Aber es ist wirklich so!
Der Platz ist wunderschön auf einer Wiese in frischer Luft, der Blick nach diesem Gewitter ist absolut: wir sehen ganz klar, als wenn es Föhnwetter hätte, auf der einen Seite vom Bergkamm den Dhaulagiri, das Annapurna-Massif und den Machapuchara. Von dem Bergrücken von Sarankot, bei der Antenne, verfolgen wir die „Mattenspringer“. Wir haben einen herrlich klaren Blick über Pokhara, das ganze umliegende Tal und den Fewasee.
Ganz, ganz weit unten ist das Dorf Pame!
Ausflügler aus Indien kommen hier hoch, Motorradfahrer aus Malaysia, Trekking-Gruppen. Natürlich auch die einheimischen Schulkinder, die Frauen auf dem Weg zu Wasser holen, usw.
Wir fotografieren, schauen den Handwerkern zu, die hier ein neues Guesthouse bauen und sitzen da und schauen den Soldaten zu, die hier auf unserer Wiese ein Päuschen machen. Soldaten machen hier in Nepal viele Päuschen, überall!

Noch einmal stehen wir ein paar Tage in Pokhara, gehen Einkaufen, treffen Leute, gehen nach Pame.
Doch dann ist die Zeit hier vorbei. Warum? Ohne Grund, aber man fühlt es: wir sind schon lange hier, der Monsun kommt, es regnet immer mehr. Da sind auch die Demonstrationen vorbei.
Das Leben im Tal normalisiert sich.
Wir beschliessen kurz nach Kathmandu zu fahren, unser Visum für Nepal zu verlängern und unser Visum nach Indien zu beantragen.

Bis die „organisatorischen Mühlen“ gemahlen haben und die gröbste Vor-Monsun-Hitze vorbei ist, in Varanasi(Benares) hat es derzeit fast 50°C(!!!), wollen wir uns ins Gebirge verziehen.

Also beschliessen wir, über Trisuli in das Langtang-Gebiet, nach Dhunche auf ca. 2000m Höhe, zu fahren.
Dhunche ist die „Hauptstadt“ des Rasuwa Districts. Paar Kilometer weiter ist die Grenze nach China. Hauptsächlich von Tibetern bewohnt. Aber immer mehr Inder werden hier sesshaft.
Indien hat immer weniger Platz für seine Bevölkerung, so weichen sie aus in andere Gebiete, in die sie ohne Visa oder Aufenthaltsgenehmigung umziehen können.
Die Fahrt nach Dhunche läuft nicht ganz so locker: Barrieren wegen Demonstrationen, dafür lernen wir die Schule in Trisuli kennen! Dann folgen furchtbare Baustellen! Zwischendurch Staus, weil im Bach, der über die Piste läuft, ein Lkw-Fahrer sein komplettes Fahrzeug putzt! Usw., usw.,…..Irgendwann nach insgesamt 2 Tagen für 120km, dabei fährt man am ersten Tag nur die Asphaltstrasse, kommen wir langsam in Dhunche an.

Beim „Hotel Shangri-La“ finden wir mit unserem Auto Unterkunft.
Wir stehen eingeklemmt zwischen Gartenzaun und Eingangstür, aber geschützt hinter(!) dem Zaun.
Dolma, die Chefin, hat das Kommando über Haus, Kinder und Dienstmädchen Ana und der Mann, gleichzeitig der „Finanzminister“ der Gemeinde, ist zuständig für Frau, Haus und Hof und seinen Boy. Nebenan wohnt Dolmas Mutter, der Rest ihrer Familie nebst Großvater ist über das ganze Dorf verstreut. Mangels Touristen vermieten sie an Polizisten und Soldaten, z.T. mit Frau und Kind, die hierher versetzt wurden. Wir werden „integriert“, ab sofort kommen wir zu nichts mehr.

Es ist hochinteressant in das Dorf hinein zu schauen und (fast)zu leben wie ein Einheimischer.
2 1/2 Wochen bleiben wir hier, hatten uns soviel vorgenommen, aber, wie gesagt, kommen zu nichts. Was wir aber gerne zulassen.

Zunächst stehen große Feierlichkeiten an:

-Buddhas Geburtstag, der am 27. Mai gefeiert wird. Hier führt uns Dolma in die buddhistischen Feiern und die Örtlichkeiten usw. ein.
-Danach, am 29. Mai, wird der „Tag der Republik“ gefeiert! Wir sind hier die Ehrengäste und dürfen bei den großen Reden und Festivitäten neben den Honoratioren der Stadt sitzen.
-Am 30. Mai ist der Tag „Unser Dorf soll schöner/sauberer werden“.
Die Soldaten rücken mit Besen und Schubkarren an, die Leute im Dorf zunächst auch und putzen die Strassen, Rinnen, Ecken, sammeln Müll zusammen. Viel Müll!
Weil die Soldaten und die Polizei so fleissig und perfekt arbeiten, lässt man sie unter Anfeuerungsrufen gewähren und zieht sich selbst in den Eingang zur eigenen Kate zurück.

Feiern ist anstrengend, vor allem, wenn man kein Wort versteht. Dolma spricht Englisch, der Rest dieser kleinen Welt spricht Tibetisch, Nepalesisch und z.T. Indisch. Die derzeitigen oder ehemaligen LkW-Fahrer sprechen natürlich auch drei Brocken Englisch. Aber alle sprechen sehr gut mit Händen und Füssen, für Zahlen wird der Taschenrechner benutzt. Es ist eben ein Jammer mit den Fremden, warum sprechen sie nicht ein wenig Nepalesisch! Dann könnte nämlich auch der arme oder weniger Gebildete des Dorfes mit uns reden und nicht nur der Reiche mit Schulbildung aus der Armee, Polizei oder Tourismusbranche! Nepalesen sind sehr wissensdurstig und träumen davon, in Europa oder USA arbeiten zu können.

Wie verläuft so ein Tag in Dhunche:

Morgens aufstehen, an das Waschbecken von Dolma und Familie gehen. Das liegt halb draussen auf dem Gang, jeder wartet auf’s „Toilette machen“. Ganz oben auf dem Dach ist die Dusche. Duschen geht nur Nachmittags, wenn die Sonne das Wasser genügend erwärmt hat und wenn es Wasser gibt!
Weil der Chef beim Staat arbeitet, noch dazu oberhalb vom Dorf, konnte er einen dicken, um die 100m langen Wasserschlauch direkt in die Wassertanks auf dem Dach legen. Das Wasser kommt aus dem Gebirge.
Anschliessend gibt es bei uns Frühstück. Dolma kommt zum Ratschen, dann ihr Mann noch bevor er mit seinem „Boy“ zur Arbeit in das neue Gemeindebüro neben dem Gefängnis geht.
Im Vorgarten stehen Eimer, damit jeder unter’m Reden zielsicher ‚rein spucken kann. Wer Betel isst, muss(!) spucken. Das ist hier so.
Dann kommen die Kinder auf ihrem Weg zur Schule hier vorbei, schauen über den Zaun, die dreisteren oder die verwandten und bekannten Schüler kommen zu uns, schauen ins Auto, was wir so machen, versuchen ihre ersten englische Worte an den Mann/Frau zu bringen.
Dolmas Untermieter von der Polizei können fast alle Englisch und unterhalten sich gern mit uns über ihre Probleme.
Dann setzten sich ihre Freundinnen, Schwestern, Cousinen auf einen Ratsch bei einem Gläschen Tee zu ihr. Ana macht mit ihren 12 Jahren den kompletten Haushalt, Einkaufen ausgenommen. Nach dem Mittagessen wird ein Schläfchen gemacht bei Dolma und Familie und etwas Fern gesehen, wenn es Strom gibt!
Anschliessend gehen wir beide zum „Shopping“. Sie liebt es! Wir schauen hier und da nach neuer Handcreme (sowieso immer die selbe), ob neue Stoffe für einen Sari oder eine tibetische Jacke eingetroffen sind , kaufen Lebensmittel für das Abendessen, gehen Heim. Mal gehe ich mit Dolma zum Arzt (ihr Onkel=Behandlung kostenlos), mal zur Schneiderin usw.
Es ist eigentlich nie langweilig.

Der Morgen des 27.5. lässt größere Ereignisse erahnen.
Bei den Häusern werden Holzmasten mit neuen tibetanischen Fahnen aufgestellt, kleine Altäre dazu und Stühle und Tischchen mit den Opfergaben Cola und/oder Bier. Der Lama des Ortes ist der Onkel von Dolma. Natürlich ist an ihrem Haus, daneben die Kate der Mutter, die Feier besonders inbrünstig und wir sind die Ehrengäste. Zum Schluss bekommt jeder ein Stückchen Butter als Segnung auf den Haaransatz. Verschmiert schön und läuft in der Sonne die Stirn ‚runter-aber vielleicht hilft es gegen die Unbilden des Tages.
Am Nachmittag sammeln sich alle religiösen Würdenträger des Dorfes und laufen in ihrer Tracht an uns bzw. dem Haus vorbei zum Tempel.
Dort finden wir schon das halbe Dorf von 0 bis 100 Jahre vor, viele, viele Butterlämpchen leuchten, ständig werden neue angezündet. Alle warten, dass es mit den Gebeten los geht.
Nach dem feierlichen Teil gibt es Orangensaft für die Kinder und Tee für die Erwachsenen zur Stärkung. Die Gebete und Lesungen ziehen sich hin bis in den Abend. Aber die meisten Leute, so wie wir auch, gehen bald nach der Hauptsache, der religiösen Handlung fürs Volk, nach Hause.

Zwei Tage später gehen wir zum Sportplatz. Dort sind schon ein Rednerpult mit Lautsprechern, CD-Spieler, Stühle, Bänke, Kerzen und die Nationalfahne aufgestellt.
Bald halten alle wichtigen Personen von Dhunche eine Rede, zwischendurch gibt es Volkstänze. Die Pfadfinder, Schülergruppen aus den vielen Schulen, die Vereine führen alle ‚was auf.
Alle sind mit Feuereifer dabei und wir bewundern die Grazie der Tänzerinnen, wenn sie auf diesem unebenen, staubigen und steinigen Boden des Fußballplatzes ihre Tänze mit Sprüngen und sogar Bodenakrobatik vorführen. Bei uns würde kein Mensch auf diesem Platz Fussballspielen!
Anschliessend gehen alle wieder nach Hause.
Ich gehe noch, wie jeden späten Nachmittag, mit Dolma zum „Shopping“. Etwas fürs Abendessen einkaufen, bisschen Ratschen, bisschen Schauen ob es was Neues gibt. Gibt es aber nie wirklich.
Es kommen immer noch keine Touristen ins Dorf, sie fahren alle mit dem Bus oder Geländefahrzeug von Kathmandu durch nach Syabru Besi. Dort gehen die Trekkingtouren ins Langtang-Gebiet los.
Morgen fahren wir auch das Tal hinter, weiter bis Syabru.

Die Dörfer sind sehr arm-die Touristen bleiben aus. Bei den Zuständen im Land kein Wunder.
Das verstehen aber nur wenige Nepalesen-die, die Englisch sprechen können.
Und weil viele der Bauern ihre Landwirtschaft zu Gunsten des Tourismus eingestellt haben geht es ihnen jetzt sehr schlecht. Sie versuchen, sich durch Handlangerarbeiten, als Träger oder Strassenbauer mit Hacke und Schaufel durch zu schlagen. Viele werden zum Alkoholiker, machen Dummheiten und kommen ins Gefängnis von Dhunche. Allein aus der nahen Umgebung sitzen dort über 100 Verbrecher ein, ca. 20% sind lt. der örtlichen Polizisten Gewaltverbrecher mit Lebenslänglich. Zu den Mahlzeiten dürfen sie in eine Art Käfige, zum frische Luft schnappen und damit sie ihr Essen von Familienangehörigen bekommen können. Der Staat verpflegt sie nicht, der hat kein Geld.

Auf der Strecke nach Syabru Besi gibt es viel Arbeit. Die Chinesen organisieren hier den Strassenbau. Wir treffen auf eine einzige Baustellen-Piste der übelsten Sorte! Große Baumaschinen vom großen Bruder auf der anderen Seite der nahen Grenze werden bewegt-aber wie, es ist furchteinflößend! Wir sind froh in dem Dorf Syabru an zu kommen.

Wir finden eine Wiese, das stehen schon PkW, Busse, Baufahrzeuge. Oberhalb vom Bach ist es nett und ein paar Tage auszuhalten. Eine junge Frau kommt zum kassieren-wofür? Hier gibt es ja nichts!Das hier ist sicher kein Privatbesitz!
Dann kommt ein anderer „Herr Wichtig“ und scheucht uns weiter. Ob er einen Platz weiss?
Das ist ihm alles sch…egal, er will nicht einmal mehr Geld haben. Die nette Polizisten weiss auch keinen Rat, hier ist es angeblich ein Problem: die Leute, die Touristen, die nahe Grenze nach China.
Ab hier bis zur Grenze nach China ist die Erdstrasse perfekt, von den Chinesen angeblich selbst gebaut.
Nun gut, so gehen wir nicht wandern, unterstützen nicht die kleinen Ladenbesitzer, die Gasthäuser.

Wir kämpfen uns zurück auf dem Weg nach Dhunche.
Unterwegs, bei einem Bauern, sollen wir für ein Ei umgerechnet 70 cents zahlen! Das ist für manchen ein halber Tagesverdienst! Uns kommen die Leute hier am Ende des Tales sehr unfreundlich vor. Das ist eigentlich nicht die Art der Nepalesen. Irgend ‚was stimmt hier nicht, wir erfahren es aber auch nicht, nicht einmal von unseren schon bekannten Polizisten. Sie sagen nur: „Das ist alles ein Problem“.

Wir bleiben noch ein paar Tage bei Dolma, kaufen in der Zeit Gemüse und Kartoffeln ein. Eier gibt es auch zu normalen Preisen und sie haben hier eine sehr gute Bäckerei und einen Laden, der uns zu einem guten Preis Bier und Milch verkauft. So können wir uns noch mit sehr gutem Brot und Käse eindecken, welch ein Luxus! Der Käse wird in einer von Schweizern geleiteten Meierei hergestellt.

Es fängt immer öfter an zu regnen und wir fragen nach, wie es mit dem Monsun ausschaut.
Hier gibt es kein Internet, die nepalesischen Nachrichten im Radio verstehen wir nicht und die Zeitung können wir nicht lesen, englischsprachige gibt es nicht in Dhunche.
Letztendlich sind sich die Leute hier einig, dass der Monsun in den nächsten Tagen kommen wird. Und dann stehen wir hier im Gebirge und kommen weder vor noch zurück. Die Strasse wird wegen Murenabgängen regelmäßig tagelang gesperrt. Dann können die Träger und Muli-Besitzer wieder ihr Geld verdienen.
Diese Situation wäre für uns dann nicht mehr lustig.

Wir nehmen Abschied von Dolma, ihrem Mann, den Untermietern und auch dem Dienstpersonal Ana(12 Jahre, irgendwo aus dem Gebirge) und dem Boy(17, auch aus den Bergen). Hier haben sie kochen, putzen, einkaufen, bedienen gelernt. Der Junge ist vier Jahre in die Schule gegangen, und nun jeden Tag mit dem Chef in sein Büro. Hier lernt er auch ein bisschen, Teekochen, Geldein-und Ausgang aufschreiben und Bürokram. Vielleicht kann er später davon leben.
Im Moment gibt es kein Geld, also kann man keins ausgeben, also brauch man nichts aufschreiben, also muss man nicht regelmäßig zur Arbeit gehen. So einfach ist das hier-noch.
Heute fahren wir nach Bezahlen, Abschied nehmen und einem letzten, selbstgebrannten Rahkshi- Abschiedsschluck zurück nach Kathmandu.
Die letzten Tage verbringen wir in Bodhnat auf „unserer“ Wiese mit Hund.

Bald ist alles geordnet, die größte Hitze in Indien ist vorbei. Statt 50°C nur noch 40°C.
Der Monsun kommt verspätet, langsam! Er hätte schon im Mai da sein sollen, jetzt haben wir Ende Juli! Es regnet/giesst nun täglich.
Das heisst für uns, dass es weiter gehen muss. Die Strassen werden ja nicht besser. In Lumpini steht schon überall das Wasser und bei dem größten Regen ist es furchtbar glatt mit Gummisandaletten!
Rechts und links der Strasse versinkt man im Modder.
Bei den Verhältnissen haben wir keine Lust, zu Buddhas Geburtsort zu gehen. Der Park in Lumpini steht stellenweise unter Wasser.
Am nächsten Tag fahren wir gleich weiter.

Bei Sonauli, dem „Tor nach Indien“ geht es über die Grenze.

Von Indien erzählen wir im nächsten Reisebericht.

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